Lokalsport : "Die Saison war ein Lernprozess"

Spielertrainer Marc Kersjes von den Sportfreunden Broekhuysen spricht über die schwierige Saison 2011/12, verrät seine Ziele für die kommende Spielzeit und will, solange er fit ist, auch weiterhin auf dem Platz mitmischen.

Die Sportfreunde Broekhuysen blicken auf eine Saison mit vielen Aufs und Abs zurück. Vor allem Marc Kersjes hat sich Gedanken über seine erste Saison als Spielertrainer in Broekhuysen gemacht. Im Interview erzählt der 33-Jährige von den Lernprozessen seines Teams, und wie er seine Rolle als Spielertrainer wahrnimmt.

Herr Kersjes, die Saison ist seit drei Wochen beendet. Was haben Sie in der spielfreien Zeit gemacht?

Marc Kersjes Den Fussball habe ich mal beiseite gelassen. Ich habe mir viele Spiele der Europameisterschaft angesehen. Dadurch bleibt man im Thema. Die Saison war lang und ich bin jetzt auch froh, mal nicht auf dem Platz zu stehen.

Sie haben den Ball nicht angerührt?

Kersjes: Überhaupt nicht. Ich habe seitdem keinen Fußball gespielt.

Dies war Ihre erste Saison in Broekhuysen. Haben Sie Ihre Ziele erreicht?

Kersjes: Nicht ganz. Vor der Saison war es schwierig, ein Ziel festzulegen. Aufgrund von Abgängen und Verletzungen war aber klar, dass es schwierig werden würde. Wir mussten lernen, damit umzugehen. Es wären aber mehr Punkte für uns drin gewesen. Wir hatten den sechsten Tabellenplatz anvisiert.

Unter ihrem Vorgänger Sandro Scuderi lief es in der Saison 2010/11 besser.

Kersjes: Allen Beteiligten war klar, dass das zweite Bezirksligajahr ein schwieriges werden würde. Nach der guten ersten Bezirksligasaison war es für uns auch neu, mit Niederlagen umzugehen. Das war für alle ein Lernprozess. Der Wechsel von der Kreis- in die Bezirksliga war rasant. Sowas geht nicht von heute auf morgen. Man braucht auch Zeit, sich zu akklimatisieren. Die Saison 2011/12 war für uns wichtig, damit wir sehen, dass es nicht immer locker weitergehen kann.

Wenn Sie auf die Saison zurückblicken, war das Pokalspiel gegen Rot-Weiss Oberhausen mit fast 1000 Zuschauern ein früher Höhepunkt, oder?

Kersjes: Das war das größte Highlight in der Vereinsgeschichte. Schon Wochen vorher gab es kein anderes Thema für die Spieler und den Verein. Ich als Trainer hatte auch eine gewisse Anspannung, weil wir uns gut präsentieren wollten, was wir auch gut gemacht haben. Aber ohne die vielen freiwilligen Helfer, die das Ganze mit organisiert haben, wäre das Spiel nicht so gut abgelaufen.

Anschließend folgte ein einziges Auf und Ab. Hätte man die Erfahrungen aus der Hinrunde nicht mit in die Rückrunde nehmen können?

Kersjes Das war schwierig, weil es unterschiedliche Situationen waren. Wir sind in die Hinrunde besser gestartet als erwartet. Dann sind wir in ein Loch gefallen, weil bei einigen Spielern die Grundlage in der Vorbereitung fehlte. In der Rückrunde kam hinzu, dass einige Spieler verletzt ausfielen. Trotzdem haben wir auch die zweite Saisonhälfte besser begonnen als erwartet. Es fehlte aber oft an Effektivität. Auch in der Chancenauswertung wäre mehr drin gewesen. Es ist schwierig, einen solchen Prozess aufzuhalten. Fehler werden in der Bezirksliga schnell bestraft.

Aus solchen Erfahrungen kann man doch nur lernen.

Kersjes Das war für uns alle ein Lernprozess, den wir für den Verein und die Mannschaft in Ruhe in Gang setzen wollen. Unsere Mannschaft ist jung, und junge Spieler brauchen auch Zeit. Wir setzen bewusst auf die Jugend des Vereins und möchten diese an die erste Mannschaft heranführen.

Ihr Team war in vielen Partien dominierend. Aber es fielen zu wenig Tore.

Kersjes In dieser Saison gab es mehr gegnerischen Widerstand als noch vor einem Jahr. Selbst wenn man mehr leistet, kann es immer wieder passieren, dass weniger dabei herauskommt. Hinzu kommt, dass unser Kader personell sehr klein war. Einige Spieler sind zudem kurzfristig ausgefallen oder waren verletzt. Aus Sicht des Trainers hatte ich wenige Alternativen und der Konkurrenzkampf untereinander fehlte dann auch.

Was sind Ihre Pläne für die kommende Saison?

Kersjes Für die neue Saison wollen wir aber unseren Kader vergrößern. Zwei A-Jugendliche kommen dazu. Auch die Spieler, die im Ausland studiert haben oder verletzt waren, stoßen wieder zur Mannschaft, so dass wir dann wieder auf 18 Spieler setzen können.

Sie stehen als Spielertrainer selbst auf dem Platz und erleben etwa verpasste Torchancen hautnah mit. Sind Sie in dem Moment Mitspieler oder Trainer?

Kersjes Ich würde sagen, dass es eine Mischung aus beidem ist. Das sind unbewusste Prozesse. Als Spielertrainer hat man den Vorteil, die Anweisungen direkt auf dem Platz geben zu können. Als Spieler ärgere ich mich manchmal. Als Trainer muss ich die Spieler dann aber auch wieder aufmuntern.

Wie gelingt der Spagat zwischen Mitspieler und Autoritätsperson?

Kersjes Das klappt ganz gut. Ich habe bereits beim VfR Warbeyen Erfahrungen als Spielertrainer gemacht und bin langsam in die Rolle hineingewachsen. Damals kannte ich schon viele Mitspieler, was es mir einfach gemacht hat, mich in der neuen Rolle zurechtzufinden. In Broekhuysen habe ich zwar mit neuen Leuten weitergemacht, aber diesen Spagat hinzukriegen, war nicht schwierig. Ich bin mir meiner Rolle als Spielertrainer durchaus bewusst.

Hilft Ihnen Ihr Beruf als Sozialpädagoge da zusätzlich?

Kersjes Der Beruf hat einen anderen Hintergrund, aber ich bin ein kommunikativer und selbstreflektierender Trainer. Mir ist wichtig, den Spielern meine Entscheidungen zu erklären. Hinzu kommt, dass die Spieler lernen sollen, Eigenverantwortung zu übernehmen. Als Spieler sucht man schnell bei anderen die Schuld. Nur wenn man Eigenverantwortung übernehmen kann, wird man im Spiel auch besser.

Wenden Sie Methoden aus ihrem Beruf auf dem Platz an?

Kersjes Nein, das glaube ich nicht. Im Sozialbereich hinterfragt man viele Dinge. Auf dem Platz müssen schnelle Anweisungen erfolgen. Das sind komplett andere Bereiche.

Warum haben Sie sich für einen Wechsel vom VfR Warbeyen nach Broekhuysen entschieden?

Kersjes Das waren zwei Situationen. Zum einen hat sich der Sponsor in Warbeyen zurückgezogen. Zum anderen war dann auch klar, dass es keinen Landesliga-Fußball mehr in Warbeyen geben würde. Der Broekhuysener Trainerjob war für mich damals eine spannende Herausforderung. Die Spieler sind noch sehr jung. Es ist interessant und spannend, zu sehen, wie sie sich weiterentwickeln.

Eine ähnliche Herausforderung haben Sie in Warbeyen nicht mehr gesehen?

Kersjes Das stand nie zur Diskussion. Allen war klar, dass sich der Verein neu orientieren würde. Kein Spieler ist dort geblieben. Ich war froh, als die Anfrage aus Broekhuysen kam. Hier stimmen Atmosphäre und Umfeld. Das Zuschauerinteresse ist hoch, was auch ein Verdienst des Umfeldes und Vereins ist.

Können Sie sich vorstellen, nur als Trainer tätig zu sein, und die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen?

Kersjes Eine solche Überlegung gab es schon in Warbeyen. Ich entscheide aber immer von Jahr zu Jahr. Ich muss mir immer die Frage stellen, ob ich noch fit genug bin und der Mannschaft noch helfen kann. Solange das noch geht, bleibe ich Spielertrainer.

Was ist kommende Saison für Broekhuysen machbar?

Kersjes Das ist schwierig zu sagen. Das hängt von den Gegnern ab, und wie sehr sie sich verstärken. Man muss auch erst mal abwarten, ob es wieder Topmannschaften geben wird, wie Straelen und Wachtendonk in der abgelaufenen Saison. Aber wir wollen auf jeden Fall unter den ersten fünf Mannschaften landen. Alles andere wäre unrealistisch.

Christian Cadel führte das Gespräch.

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