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Lokalsport: Die Meister zielen aus dem Bauch heraus

Lokalsport : Die Meister zielen aus dem Bauch heraus

Großer Erfolg für die Sport- und Freizeitbogenschützen Walbeck: Frank Hax, Peter Zorn und Michael Niehues sind von den Deutschen Titelkämpfen der Langbogen-Schützen in Thüringen mit der Goldmedaille zurückgekehrt.

Pfeil und Bogen sind nicht erst durch Robin Hood populär geworden. Sie gehören wohl zu den wichtigsten Erfindungen, die der Mensch in der Urzeit gemacht hat. Der legendäre Schütze aus Nottingham Forest wäre begeistert gewesen, hätte er seine Nachfahren von den Sport- und Freizeit-Bogenschützen Geldern-Walbeck bei den Deutschen Meisterschaften der Langbogen-Schützen beobachten können.

Frank Hax, Peter Zorn und Michael Niehues hatten sich für diese Meisterschaft für Bögen ohne Visier qualifiziert und traten jetzt mit ihren Langbögen auch in der Einzelkonkurrenz an. Zusätzlich hatten sie sich für die Mannschaftswertung nominieren lassen. Alle drei Schützen schossen hauchdünn an den Medaillenplätzen vorbei; Hax platzierte sich auf Platz fünf vor Niehues auf sechs; Zorn belegte Platz acht. Die Addition ihrer Einzelergebnisse reichte aus, um zur Überraschung der drei Schützen den Titel des Deutschen Mannschaftsmeisters an den Niederrhein zu holen.

Der Langbogen ähnelt von der Bauweise fast dem "Flitzebogen", aber nur fast: Das Sportgerät ist etwa so lang wie der Schütze groß ist. Eine Bogensehne wird an den Enden des Holzes befestigt. Am Bogenarm befindet sich ein "Shelf", eine Auflage für den Pfeil. Eine Visiervorrichtung wie bei den "olympischen Bögen" gibt es nicht; auf "technischen Schnickschnack" wird verzichtet, weshalb die Langbogenschützen auch gerne als "Evolutionsverweigerer" aufgezogen werden.

Alle drei Meisterschützen schießen mit einem englischen Bogen und einem Zuggewicht von 43 englischen Pfund. "Ich bin mir ziemlich sicher, dass auch Männer mit richtigen Paketen in den Armen die Sehne nicht nach hinten gezogen bekommen", sagt Peter Zorn. "Beim Bogensport werden Muskeln wie bei fast keiner anderen Sportart beansprucht, insbesondere die Rückenmuskulatur."

Ganz wichtig ist ein stabiler Stand, der Schütze muss "im Lot stehen". Gezielt wird - ähnlich wie beim Darts - quasi aus dem Bauch heraus. Die Augen sind auf das Ziel gerichtet, während Bogenarm, Pfeil und Pfeilspitze lediglich unscharf wahrgenommen werden. "Das Erfolgsgefühl, wenn ich mich nur auf meinen Körper verlasse und auf die Abläufe konzentriere und dann auch noch das Ziel treffe, ist für mich unbeschreiblich hoch", erklärt Frank Hax.

In der Freiluftsaison ist es nicht unüblich, dass die Schützen bis zu sechs Mal in der Woche auf der Platzanlage trainieren. "Das ist das Schöne hier im Verein", führte Michael Niehues aus, "jeder hat einen Schlüssel und kann kommen und gehen, wann er will. Gleiches gilt auch für die Halle, die ganzjährig benutzt werden kann. Bogenschießen kann süchtig machen." Eine besondere Version des Bogenschießens, die voll im Trend liegt, ist der "3D-Parcours". Als Vorbild dient die Jagd. Die Schützen pirschen mit ihren Bögen in Gruppen durch den Wald. Tierfiguren, meist aus Schaumstoff und mit einer Marke, dem "Kill", an der Herz-/Lungenregion versehen, sind von festgelegten Punkten aus zu "erlegen". Der Schütze muss aus verschiedenen Entfernungen, mal bergauf und bergab, auch durch Äste hindurch, stehend oder kniend seine Aufgaben erfüllen. Die nächste große sportliche Herausforderung für die Bogenschützen steht im Juni bei der 3D-Europameisterschaft in Oberwiesenthal an. "Veranstaltungen und Meisterschaften bezahlen wir alle aus der eigenen Tasche; das ist leider ein reines Privatvergnügen", sagt Peter Zorn.

Große Ereignisse werfen auch bei den Walbecker Bogenschützen ihre Schatten voraus. Am Wochenende, 25. und 26. August, richten sie auf dem Freigelände neben der Tennisanlage die Deutsche Meisterschaft im Bogenschießen für Bögen ohne Visier aus.

(ütz)