Lokalsport : Die große Abrechnung

Während man beim TSV Wa./Wa. nach dem Aufstieg in die Landesliga mit großer Begeisterung zurückblickt, sieht das in Kevelaer ganz anders aus. Der KSV steigt zum ersten Mal seit Bestehen der Fusion zwischen TuS und BV Anfang der 70er Jahre in die Kreisliga ab. Viktoria Winnekendonk und der SV Walbeck freuen sich über eine starke Schlussphase.

Die Bezirksliga-Saison ist vorbei, und die Mannschaften sind aus den Partyhochburgen zurückgekehrt — Zeit für die Abrechnung. Die Trainer blicken auf eine lange und intensive Saison zurück. Bereits früh entwickelte sich der Titelkampf zu einem Zweikampf zwischen dem späteren Meister und Landesliga-Aufsteiger TSV Wachtendonk/Wankum und dem SV Straelen II. Nur der SV Sevelen konnte einigermaßen mithalten.

Christoph Gesthüsen machte beim SV Veert einen guten Job. Foto: jven

TSV Wa./Wa. (1. Platz)

Größer kann der Gegensatz aus Jubel und Enttäuschung kaum sein: Während sich die Spieler des TSV Wa./Wa. mit dem Spruch aus der Bezirksliga verabschiedeten "Wir sind dann mal oben!", versucht Straelens Christian Werner (r.) seinen Keeper Felix Kokorsch über den Nicht-Aufstieg hinweg zu trösten. Foto: Siwe

Mit einem grandiosen Schlussakkord beendeten die Wachtendonker ihre Saison. Lange duellierte sich der TSV mit dem SV Straelen II und verweilte bis kurz vor Ende auf dem zweiten Tabellenplatz. Aber Beharrlichkeit zahlt sich schließlich aus. "Unsere Charakterstärke war, dass wir nie aufgegeben haben. Die Freude über den Sieg gegen Straelen war sogar größer als im letzten Spiel gegen Fichte Lintfort. Danach waren wir vor allem erleichtert, dass wir es noch geschafft haben", sagt Trainer Frank Goldau zurückblickend, der zu Saisonbeginn nie damit gerechnet hätte, dass sein Team um den Titel spielen würde. "Ich habe eigentlich andere Teams vorn gesehen, aber nach dem zehnten Spieltag war klar, dass es auf das Duell hinauslaufen würde."

Ein nachdenklicher Sven Kleuskens kurz vor dem Saisonende. Foto: Siwe

Vor allem die Defensivarbeit lobt Goldau. Mit 29 Gegentoren war der TSV das abwehrstärkste Team. "Die Umstellung in der Viererkette haben wir gut hingekriegt. Und nach vorne lief auch alles gut. Kai Rietz war überragend, aber auch die Spieler hinter ihm haben ihre Sache gut gemacht", erklärt Goldau. Nächstes Ziel ist jetzt, in der neuen Klasse zu bestehen.

SV Straelen II (2. Platz)

Ärgerlicher hätte die Saison für den SV Straelen II nicht ausgehen können. Fast über die gesamte Spielzeit hinweg führten die Straelener die Tabelle an. "Die letzten beiden Spiele gegen Wachtendonk und Vluyn waren eine einzige Enttäuschung, aber wir haben eine Riesensaison gespielt", sagt Straelens Co-Trainer Korni Schmidt. Keiner hatte im Vorfeld mit einer derart konstanten Leistung gerechnet. "Vor allem der Mannschaftsgeist und die Disziplin waren unser Erfolgskonzept. Wir hatten eine riesige Trainingsbeteiligung, und alle haben sich voll reingehängt", erklärt Schmidt weiter. Ausgerechnet auf der Zielgeraden versagten den Straelenern dann die Nerven. "Ich glaube, dass die Spieler in einer solchen Situation gelassener gewesen wären, wenn sie mehr Erfahrung gehabt hätten. Die Kulisse in Wachtendonk war vielen Spielern unbekannt", resümiert Schmidt. Trotz toller Saisonleistung wird aber immer noch am Ende abgerechnet — und da war der Verfolger TSV Wa./Wa. nun mal nervenstärker. "Die Wachtendonker hatten den Vorteil, dass sie erfahrene Spieler haben und in der Verfolgerrolle waren", glaubt Schmidt.

SV Sevelen (3. Platz)

Der dritte Platz geht für Sevelens Trainer Wilfried Steeger vollkommen in Ordnung. "Unser Saisonziel war, dass wir mehr Punkte holen wollten als in der Vorsaison. Das haben wir geschafft", sagt Steeger und ergänzt: "Für ganz oben hat es zwar nicht gereicht, aber es ist trotzdem alles super gelaufen, obwohl wir gerade in der Rückrunde große Personalsorgen hatten. Die A-Jugendlichen und die Spieler aus der dritten Mannschaft haben sich super reingehängt, obwohl viele doppelt belastet waren, weil sie in ihrer Stammmannschaft und bei uns gespielt haben", lobt Steeger die Mannschaftsleistung. Auch die Integration der jungen Spieler in das Sevelener Team habe gut funktioniert. Und mit Philipp Langer und Dennis Schmidt konnte sich auch der Angriff sehen lassen.

SV Veert (8. Platz)

Veerts scheidender Trainer Christoph Gesthüsen blickt auf eine gute erste Bezirksliga-Saison zurück. "Ich bin wirklich zufrieden. Wir haben als Aufsteiger einen einstelligen Tabellenplatz geschafft, obwohl wir vor einem Jahr noch nicht wussten, wo wir überhaupt stehen", resümiert Gesthüsen. Besonders in der Abwehr standen die Veerter kompakt. "Das war unser großer Vorteil. Wir haben die drittwenigsten Gegentore kassiert. Das zeigt mir, dass die Umstellung in der Viererkette funktioniert hat. Aber auch unser Mittelfeld und die Offensive waren stark. Die Spieler haben taktisch viel dazugelernt", sagt Gesthüsen, der seinen Weggang auch positiv sieht. "Jetzt kommt mit dem neuen Trainer Gunnar Gierschner vielleicht noch mehr Feinschliff rein. Ich glaube, dass sich das Team in der nächsten Saison etablieren kann."

SF Broekhuysen (9. Platz)

Die Sportfreunde schauen auf eine wechselhafte Saison zurück — anfangs top, am Ende oft auch mal flop. "Ich bin nicht ganz zufrieden. Wenn man sieht, wie dominant wir in vielen Spielen waren und wie viele Chancen wir herausgespielt haben, wäre mehr für uns drin gewesen. Wir waren nicht effektiv genug und haben uns nicht für unsere Leistung belohnt. Uns fehlte die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor", fasst Trainer Marc Kersjes zusammen. Oft wurde die Torblockade im Training besprochen, "aber es ist schwierig zu trainieren, wie man den Ball reinhaut." Die Belohnung kam dann erst im letzten Spiel mit dem haushohen 7:0-Sieg gegen Absteiger FC Millingen. "Gegen Ende der Saison haben wir unsere Trainingsinhalte nochmal gut aufgegriffen. Für viele Spieler war die Saison auch ein Lernfeld. Aber unser Ziel war es, Platz fünf oder sechs zu belegen. Das wäre auch realistisch gewesen", glaubt Kersjes im Nachhinein.

SV Walbeck (10. Platz)

Der SV Walbeck hat nochmal die Kurve gekriegt — im wahrsten Sinne des Wortes. Zeigte sie in der Hinrunde stark in Richtung Abstieg, sorgten die Walbecker dafür, dass es am Ende für den sicheren Klassenerhalt reichte. "Mit dem zehnten Tabellenplatz bin ich zufrieden. Wir haben vor der Saison viele Spieler verloren, was wir erstmal auffangen mussten", sagt Trainer Andreas Holla. Dafür brauchte sein Team fast die komplette Hinrunde. Erst nach der Winterpause fand das Team allmählich zusammen und zeigte vor allem in den letzten fünf Saisonspielen eine starke Leistung. "Das Team hat sich während der Saison gut entwickelt", erklärt Holla weiter und kündigt an, dass der Kader auch in der kommenden Saison bis auf einen Abgang konstant bleibt. "Ich bin froh, dass der Stamm bleibt, und wir zusammen in die nächste Saison gehen können."

Vikt. Winnekendonk (12. Platz)

Auch wenn das direkte Stadtduell gegen Kevelaer am letzten Spieltag verloren ging — die Winnekendonker feierten ihre Saison ausgiebig. Dabei wurde es nochmal knapp. In der Hinrunde konnte die Viktoria noch ganz gut mithalten, dann ging es aber peu á peu bergab, so dass sich Trainer Sven Kleuskens mit Abstiegssorgen plagen musste. Aber genauso wie die Elf in den Keller driftete, rappelte sie sich wieder auf und belegte am Ende den zwölften Platz. Die lang angestrebte Siegesserie sollte in der Rückrunde endlich zu stande kommen. Mit Siegen gegen Millingen, Vluyn und Meister Wachtendonk holte das Kleuskens-Team wichtige Punkte und zeigte, dass es auch gegen die Großen bestehen kann.

Kevelaerer SV (15. Platz)

Die Kevelaerer können alles andere als zufrieden sein. Dabei zeichnete sich das Drama schon in den ersten Spielen ab. "Mit einem Abstieg kann man einfach nicht zufrieden sein, obwohl das Material da gewesen ist. Unser großer Fehler war, dass wir einfach keine Tore geschossen haben", erklärt Trainer Volker Wassen. Und die Zahlen geben ihm Recht. Mit nur 35 Toren gehörte die Kevelaerer Offensive zu den zweitschwächsten überhaupt. "Das lag aber nicht nur an den Stürmern. Die anderen hätten ja auch Tore schießen können", findet Wassen. Nur der punkte-resistente Absteiger aus Millingen konnte noch weniger Tore verbuchen. Wie oft klagte der ehemalige und während der Saison zurückgetretene Trainer Horst Gecks über die fehlenden Tore. Auch die Einstellung kritisierte Gecks oft.

Das kann Volker Wassen in seiner Rückschau nicht feststellen. Zwar war er "nur" in den letzten fünf Spielen in der Trainerverantwortung, aber Wassen meint: "Die Einstellung war nicht der Grund. Die Moral ging von Niederlage zu Niederlage in den Keller. Außerdem hat Pille Gecks eine andere Einstellung zum Fußball." Für den KSV kam es aber noch bitterer: Seit 1973 hat man nicht mehr in der Kreisliga gespielt. Oder sagen wir es anders: Mit der Fusion zwischen dem TuS und BV Kevelaer verabschiedete sich der KSV aus der Kreisliga A und stieg zwischenzeitlich bis in die Landesliga auf.

Von daher bedeutet der Abstieg für die Fußballabteilung der Blau-Gelben einen gewaltigen Einschnitt.

(cad)