Motorsport Die Dame und der Prinz

Die Rennkarriere begann sie einst als Tankstellenbetreiberin in Bottrop. Seither lebt die 70-jährige Hubertine Göltzer fast ihr ganzes Leben für den Motorsport.

Viele namhafte Rennfahrer fuhren noch im Rentenalter um Siege. So versuchte der Formel 1-Weltmeister Mario Andretti mit 60 Lenzen noch — wenn auch vergeblich — das 24-Stunden-Rennen von Le Mans zu gewinnen. Selbst dieses Alter hat Hubertine Göltzer nicht vom aktiven Motorsport abgehalten. In diesem Jahr wird die Renn-Amazone 70 Jahre alt.

Der Spruch vom alten Eisen trifft auf sie nicht zu. Auch wenn sie nicht mehr oft hinter dem Lenkrad sitzt, gehört sie zu den Köpfen des Motorsportclubs NAC Bottrop. Ein Verein, den sie mit aus der Taufe gehoben hat. Bottrop ist die Heimat ihres Mannes Helmut. Dort war Hubertine Göltzer 35 Jahre lang Inhaberin einer Tankstelle. "Die jungen Leute, die zu uns kamen, hatten damals kaum was anderes im Sinn als Autorennen. So kamen mein Mann und ich auch dazu", erinnert sich Göltzer. Dann gründeten sie mit anderen Motorsportbegeisterten den NAC Bottrop, der heute noch unter der Regie von Hubertine Göltzer steht. "Leider gibt es bei uns Nachwuchssorgen. Wir alle werden ja nicht jünger, unser Verein wird zunehmend kleiner."

Buntes Rennsportprogramm

Was Hubertine Göltzer nicht davon abhält, weiterhin aktiv den Motorsport mitzugestalten. Mehrmals im Jahr veranstaltet ihr Verein Rundstrecken- und Slalomrennen, wie etwa auf dem Flugplatz Bitburg. Vor wenigen Jahren lud Göltzer den Dachverband NAVC (Neuer Automobil- und Verkehrsclub) in die Gelderlandhalle, um in ihrer Heimat Ehrungen vorzunehmen und die abgelaufene Rennsaison ausklingen zu lassen. Zugleich ist Hubertine Göltzer auch Vertreterin des NAVC-Landesverbandes Rhein-Ruhr. Als Aktive haben Hubertine und Helmut Göltzer das volle Programm abgespult: Rundstrecken- und Bergrennen, Slaloms und Rallyes.

Hubertine Göltzers Renner war in den 60er Jahren der Traumwagen nicht nur der Halbstarken: Der NSU Prinz galt als Golf GTI der Woodstock-Ära. Mancher kennt den kleinen Wagen mit Heckmotor heute noch als "Heckschleuder". Helmut Göltzer blieb seinem Ford Escort aus den 70er Jahren treu. Krankheitsbedingt kann er nicht mehr an Rennen teilnehmen. "Die Leute stehen quasi bei uns Schlange, um sich dieses Schmuckstück anzusehen und zu kaufen", sagt Hubertine Göltzer. Mit dem Abschied vom Ford Escort rückt das Ende der Motorsportkarriere der Göltzers näher, auch wenn der Prinz noch länger in der Garage stehen wird. Wie Hubertine Göltzer schon sagte: "Wir werden doch alle nicht jünger."

Der Funke ist indes auf die nächste Generation übergesprungen. Tochter Brigitte Ronge ist Sportkommissarin der Deutschen Motorsportkommission der Amateure (DAM), ebenso Schwiegersohn Norbert.

(RP)
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