Deutsche Meisterschaft der Bogenschützen in Walbeck

Bogenschießen : Das Spargeldorf als goldener Mittelpunkt

Die Sport- und Freizeit-Bogenschützen (SFB) Walbeck bekamen für die gute Organisation der Deutschen Meisterschaft für Bögen ohne Visier Lob von allen Seite. Melanie Gemsa gewinnt Silber im Einzel und Bronze mit der Mannschaft.

Zwei Tage lang traf sich die Elite der Bogenschützen im Spargeldorf, um auf der Sportanlage am Bergsteg die deutschen Meister zu ermitteln. Ausrichter dieser Mammutveranstaltung waren die Sport- und Freizeitbogenschützen (SFB) Geldern-Walbeck.

Was auf den ersten Blick wie ein Kinderspiel aussieht, erfordert viel Ausdauer, Übung und mentales Training. Der Bogensport findet immer mehr Anhänger, da er von jeder Altersgruppe ausgeübt werden kann. „Vor drei Jahren hatten wir 36 Mitglieder, heute sind es 170“, bestätigt Peter Zorn, der als Schütze, Trainer und „Mädchen für alles“ im Verein tätig ist, den Trend. Beim Bogenschießen kommt es darauf an, jede Bewegung des Körpers bewusst wahrzunehmen und zu kontrollieren. Das Ziel: Die Bewegung, die den Pfeil treffen lässt, immer wieder zu reproduzieren.

„Es geht darum, 200 Mal das Gleiche zu tun“, erklärt Peter Zorn. Ein Sportart, die Konzentration und Körperbeherrschung verlangt und viel Spaß in freier Natur verspricht. Andere sehen es als Auszeit für sich selbst, um der Maschinerie des Alltags zu entfliehen und den Kopf freizukriegen. Nicht ohne Grund hat der Bogensport Eingang in die Therapie bei Stresserkrankungen gefunden.

Die Deutsche Meisterschaft der Bogenschützen für Bögen ohne Visier (es wird, ähnlich wie beim Dart, nach Gefühl gezielt) wurde vor dem Abspielen der Nationalhymne von Gelderns Bürgermeister Sven Kaiser eröffnet. 152 Schützen in vier verschiedenen Bogendisziplinen suchten auf der roten Asche der Walbecker Kicker ihre Meister.

Eine ungewöhnliche Stille hing während der Wettkämpfe über dem Sportplatz. Im Gegensatz zum Fußball ist Bogensport eine leise Sportart: Das kurze Aufklatschen der Sehne gegen den Bogen beim Abschuss, wenn der Pfeil mit rund 200 Stundenkilometer durch die Luft schwirrt und sich mit einem dumpfen Knall zentimetertief durch die 50 Meter entfernte Zielscheibe bohrt – mehr nicht.

Viele Walbecker werden sich gefragt haben, woher das „komische Hupen“ ertönte. Es kam vom Walbecker Sportplatz und hatte folgende Bewandtnis: Nachdem eine Hupe zweimal ertönt ist, treten die Schützen an die Schusslinie vor. 20 Sekunden haben die Aktiven Zeit, sich wettkampffähig zu machen. Dann ertönt erneut die Hupe – los geht’s! In 240 Sekunden müssen die Schützen ihre sechs Pfeile abschießen. Nachdem die ersten zwei von vier Aktiven, die gemeinsam auf eine Scheibe zielen, ihre Pfeile abgeschossen haben, folgen die nächsten beiden Schützen. Und erneut gibt die Hupe das Startsignal.

„Alle ins Gold“, lautet der Gruß der Bogenschützen. Mit „alle“ sind die Pfeile gemeint – das Gold ist die Mitte der Zielscheibe. Am besten gelang dies aus den Reihen des Gastgebers Melanie Gemsa, die in der Einzelkonkurrenz mit dem Blankbogen den zweiten Platz belegte, in der Mannschaftswertung mit Klaus Riemer und Jörg Bauer auf Platz drei landete und zur erfolgreichsten Teilnehmerin der SFB Geldern-Walbeck avancierte. „Sportlich hatten wir eigentlich mehr erwartet, aber wir sind trotzdem nicht unzufrieden. Einen schlechten Tag kann jeder Mal haben“, lautete das Fazit von Peter Zorn.

Mehr als 50 Helfer des gastgebenden Vereins waren an beiden Tagen unermüdlich im Einsatz und sorgten für einen reibungslosen Turnierverlauf. Sven Posekardt vom Deutschen Bogensport-Verband (DBSV) zeigte sich begeistert: „Hier läuft alles ab wie ein Uhrwerk, die Helfer sind bienenfleißig. Geldern ist als Ausrichter eine absolute Empfehlung.“

„Von den Sportlern haben wir nur positive Rückmeldungen erhalten“, lautete das Fazit von Peter Zorn, „sportlich ist es für uns zwar nicht ganz so gut gelaufen, aber die Organisation hat gestimmt. Und das ist für uns als Verein genauso viel Wert.“

Mit voller Konzentration bei der Sache: Melanie Gemsa war mit Abstand erfolgreichste Lokalmatadorin. Die Schützin der SFB Walbeck gewann bei den nationalen Titelkämpfen mit dem Blankbogen zwei Medaillen,. Foto: Heinz Spütz

Neun Schützen der SFB Geldern-Walbeck hatten sich für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Ihre Resultate: Melanie Gemsa, 1120 Ringe, deutsche Vizemeisterin mit dem Blankbogen. Platz drei in der Mannschaftswertung Blankbogen für Klaus Riemer, Jörg Bauer und Melanie Gemsa (3449 Ringe); Platz sechs für Volker Brosen, Jörg Seiffert, Kurt Brosen (3329). Herren Blankbogen: Platz 6 Volker Brosen, 1163 Ringe, Platz 11 Jörg Bauer, 1149 Ringe, Platz 12 Jörg Seiffert, 1110 Ringe. Herren Ü 45 Blankbogen: Platz 8, Kai-Oliver Radenhäuser, 1120 Ringe, Herren Ü 55 Blankbogen, Klaus Riemer, Platz 5, 1180 Ringe, Ralf Renkow, Platz 15, 998 Ringe. Herren Ü 65 Blankbogen, Kurt Brosen, Platz 4 mit 1156 Ringen. Herren Ü 45 Jagdbogen, Hermann Schlabbers, Platz 12, 915 Ringe.

Mehr von RP ONLINE