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Lokalsport: Der Weg vom Weißgurt zum Schwarzen

Lokalsport : Der Weg vom Weißgurt zum Schwarzen

Beim Gelderner Karateverein "Okinawa-te" üben sich schon Sechsjährige in der Kunst der Selbstverteidigung. Aber auch soziale Werte spielen eine große Rolle bei dem Sport. Zwei junge Erwachsene berichten, warum sie Karate begeistert.

Orange ist der Gürtel, der den Karateanzug von Michelle Tippner zusammenhält. Orange ist die Farbe für den dritten Schülergrad. Dabei übt sich die 19-Jährige erst seit diesem Jahr bei "Okinawa-te Geldern" im Kampfsport, anfangs war der Gürtel weiß. "Sie hat gut Gas gegeben" ", lobt Andreas Koppers. Er ist seit 2002 dabei und mit daran "schuld" ist, dass Michelle Tippner schneller zum Karatetraining kam, als sie dachte. Er hat sie einfach zum Anfängerlehrgang angemeldet. "Das war der Schubs, der gefehlt hat", sagt der Schwarzgurtträger und lacht.

Dabei hat Michelle Tippner sich bereits vor drei Jahren eine Karateprüfung angeguckt, die einer Freundin. "Ich konnte mich damals aber nicht für Karate begeistern. Vielleicht lag es auch an meiner Prüfungsangst", sagt die 19-Jährige. Dann schaute sie sich das Training an. "Vergangenes Jahr im Dezember machte es dann klick. Die Techniken haben mich beeindruckt." Um möglichst auch schwerere Techniken zu lernen, hat sie nach dem Anfängerlehrgang eben "Gas gegeben".

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Andreas Koppers trägt den Schwarzgurt 2. Dan. Dan ist der Meistergrad. Insgesamt geht es hoch bis zum 10. Dan. "Der nächste Dan muss aber nicht in einer Pflichtzeit erfolgen", erklärt der 21-Jährige. Wie schnell einer die Prüfungen ablegen möchte, sei letztendlich jedem selbst überlassen.

Koppers ist über den Fußball zum Karate gestoßen. "Ich war vorher im Fußballverein, fühlte mich dort aber nicht so in der Gruppe integriert. Dementsprechend wurde ich auch behandelt", gesteht der Kampfsporter offen. Zusammen mit einem Freund wechselte der damals Zehnjährige zum Karate. Dort fühlt sich Koppers direkt wohler. "Von Anfang an hat es mit gut gefallen, dass es keine Grüppchenbildung gibt", sagt er. "Bei Karate ist der Trainer die Hauptperson. Die Schüler dürfen sich während des Trainings nicht untereinander korrigieren."

Koppers blühte auf, was schnell auch Auswirkungen auf den Schulalltag hatte. "Es kam von ganz alleine, dass ich plötzlich als Erster aufgezeigt habe, wenn es darum ging, Vorträge zu halten", erinnert sich Koppers an die positive Veränderung. Eine Erklärung dafür hat er auch. "Bei Karate lernt man, auf sich selber zu vertrauen." Eine Herausforderung sei der Kampfschrei. Michelle Tippner nickt wissend. "Ich wollte den wirklich überhaupt gar nicht machen", sagt sie über den Kiai. "Aber wenn du den nicht machst, fällst du in der Prüfung irgendwann durch", war dann ihre weitere Überlegung. "Ich habe es langsam angehen lassen", sagt die 19-Jährige. Der erste Kampfschrei war wie ein Befreiungsschlag. Für den Karatiker ist der Kampfschrei wichtig, weil er bewirkt, dass der ganze Körper angespannt und dadurch die Technik verstärkt wird. Die Technik, die hat es Michelle Tippner angetan. Deswegen will sie diese weiter lernen.

Komplexe Techniken zu erlernen sei auch der Anreiz der meisten Kinder, sagt Andreas Koppers, der auch als Trainer im Gelderner Verein aktiv ist. "Einige haben Karate im Fernsehen gesehen oder bei einer Vorführung und fanden das klasse." Das Hauptmotiv sei allerdings bei den meisten die Selbstverteidigung, ergänzt Richard Froeschke. Der Vorsitzende von "Okinawa-te" trägt den 5. Dan und ist seit 43 Jahren dabei. Anders als bei Vollkontaktsportarten wie Boxen oder Taekwondo darf der Gegner beim Karate nicht verletzt werden. "Jeder Treffer wird bestraft", sagt der Vorsitzende.

Bei ihren Arbeitskollegen hat Michelle Tippner schon mächtig Eindruck hinterlassen. "Die haben sich erst erschrocken, als ich sagte, dass ich Karate mache, weil sie das nie von mir gedacht hätten. Dann fanden sie es doch interessant."

(bimo)