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Der Walbecker Ascheplatz weicht dem Kunstrasen

Fußball-Melancholie : Abschied von der Asche

Melancholie am Walbecker Bergsteg: Beim Bezirksliga-Klub wird der Ascheplatz bald verschwunden sein. Er weicht dem Kunstrasen.

Ganze Generationen von Fußballern kennen das Gefühl. Sonntag das Spiel auf dem Ascheplatz, Montag der Gang zur Arbeit mit offenen Knien und klebriger Hose. Über Jahrzehnte hinweg war die rote Asche, im offiziellen Sprachgebrauch auch Tennenplatz genannt, die bevorzugte Spielfläche der Fußballbegeisterten im Gelderland.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die „Asche“ war in vielerlei Hinsicht schlichtweg gut. Die Vorteile gegenüber dem Naturrasen waren der geringere Anschaffungspreis, überschaubarere Unterhaltskosten und die Bespielbarkeit bei schlechter Witterung. Lange waren Tennenplätze die einzige Spielfläche der meisten Sportvereine, erst in den Achtzigerjahren kamen nach und nach auch Rasenplätze hinzu. Doch für den Ascheplatz, über den kritische Stimmen sagen, dass er im Sommer staubig, im Winter knüppelhart und dazwischen immer lästig matschig sei, sind die Tage nun gezählt.

Wer heute vor allem auch dem Nachwuchs etwas bieten will, kommt um neuen Belag nicht herum. Auch im Gelderland hält nach und nach der moderne Kunstrasen Einzug. Bei einer Vielzahl von Vereinen wie dem Turn- und Sportverein Wachtendonk-Wankum oder dem GSV Geldern gibt´s den Kunstrasen schon viele Jahre, doch in diesem Jahr ging es Schlag auf Schlag.

Jüngst feierte der auch der TSV Nieukerk die Einweihung eines solchen Platzes, beim SV Straelen ist das neue Grün bereits bespielbar, zeitnah dürfte der Platz feierlich eröffnet werden. Beim SV Walbeck rückte in dieser Woche schweres Gerät an, um mit den Arbeiten für den neuen Kunstrasenplatz zu beginnen. Rund 50 Jahre gibt es den Ascheplatz am Walbecker Bergsteg, bis Ende der 1960er Jahre spielte man hier auf einem Sandplatz, die „Walbecker Sandhasen“ waren damals ein gängiger Begriff in hiesigen Fußballerkreisen.

Es werden nur wenige sein, die der alten Asche eine Träne nachweinen. In Erinnerung wird so manche Sportschlacht bleiben. Jeder Fußballplatz schreibt seine eigene Geschichte, durch umkämpfte und spannende Spiele, regelrechte Fights und Erfolge. Der Ascheplatz am Walbecker Bergsteg hat vor knapp zwei Wochen sein letztes Kapitel geschrieben. Zum Abschied waren die Sportfreunde aus Broekhuysen zu Gast, ein heißes Bezirksliga-Derby also. Der Ascheplatz zeigte sich noch einmal in seinem besten Herbstgewand.

Tore fielen in dieser Begegnung nicht mehr, zumindest aber haben die Walbecker, aktuell Tabellenvorletzter der sechsthöchsten deutschen Spielklasse, ihr letztes Spiel nicht verloren. Zu Gast beim Spiel war auch Fotograf Chris Verheyen, der selbst in Walbeck die Fußballschuhe geschnürt hat und aktuell der Haus- und Hoffotograf des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach ist. Tags zuvor stand für ihn noch die Bundesliga-Partie Borussia Mönchengladbach gegen den FC Bayern München auf dem Programm. Beim etwas kleineren Derby am Bergsteg gelangen ihm dann eindrucksvolle letzte Bilder vom „Mythos Ascheplatz“. Bald werden auch in Walbeck neue Seiten der Vereinshistorie aufgeschlagen. Die Überschrift lautet dann: „Mythos Kunstrasenplatz“. Aber der Mythos Ascheplatz wird noch einigen Generationen in Erinnerung bleiben.