Der VfL Pont blickt zurück auf seine Glanzlichter

Lokaler Sport : Das Wunder von Pont

Weihnachten ist die Zeit, an der man wieder an Wunder glauben oder hoffen darf. Der VfL Pont erlebte sein persönliches Wunder mit dem Aufstieg in die Bezirksliga 1995/96. Goswin und Andreas Linder wagen einen Rückblick auf mehr als 50 Jahre Fußballgeschichte.

Weihnachten, die Zeit der Wunder. Wunder, das ist das nicht Erwartete, etwas, das einem fast den Atem nimmt und laut jubeln lässt. Nach dem Aufstieg in die Bezirksliga 1996 befand sich Pont „im siebten Himmel des Fußballs“. RP-Sportredakteur Norbert Hemmersbach schreibt von diesem „einem Wunder“, etwas „was ihnen vor der Saison keiner zugetraut hat“. Das Wunder passierte nicht über Nacht. Bis dahin kostete es jede Menge Schweiß und es sollte auch nur ein kurzes Abenteuer sein, die Bezirksliga. Allem Anfang wohnt aber ein Zauber inne. Und die Anfänge, die begannen mit der Jugend.

Die wilden Jahre

Nach dem Krieg gab es erst einmal eine Flaute. 1955 hatte der VfL Pont 1924 noch eine Seniorenmannschaft und sonst nix. Das verwundert nicht, die Menschen hatten andere Sorgen, als sich die Fußballschuhe schnüren zu wollen. Aber es gab einen Ponter Jungen, der wollte endlich Fußball spielen, nicht nur auf der Straße, sondern im Verein. Goswin Linder, damals 14 Jahre alt, stiefelte los zu Johann „Jän“ Engelbergs in der Nachbarschaft, brachte sein Anliegen vor und trommelte ein paar junge Spieler zusammen, denn: elf Freunde müsst ihr sein. „Onkel Jän“ wurde Jugendleiter.

Linder schrieb fleißig die Spielberichte. Darin ist zu lesen, dass oft der Schiri schuld war, wenn es mit der Überlegenheit der Ponter nicht so recht klappen wollte. „Bei diesem Spiel trafen sich zwei gleichwertige Mannschaften, bei denen der Schiedsrichter der schlechteste Mann war“ heißt es zum Beispiel am 7. September 1958 beim Spiel TuS Gelria gegen den VfL Pont. Das Ergebnis: 3:1 für TuS Gelria. Der erste Spielbericht stammt vom 24. August 1958. Anpfiff zum Spiel gegen den SV Aldekerk war um 10 Uhr. „Wir gewannen die Platzwahl und spielten in der ersten Halbzeit mit dem Wind im Rücken“, schrieb Linder in den Spielbericht. Pont siegte am Ende mit 6:0.

„Es war einfach herrlich“, sagt der frühere Spieler Günter Evers über die Zeit, als Fußbälle noch ein Luxusprodukt waren und meist nicht mehr als eine Schweineblase war. Hans-Josef Liepin blättert fasziniert die Seiten der Spielberichte von 1958 bis 1963 durch. Er wird auf einem Foto bejubelt und auf den Schultern getragen. Der Grund: sein 50. Tor.

„Mädchen? So etwas stand alles im Hintergrund. Nur der Fußball stand vorne“, sagt er lächelnd. Nachher kamen dann doch die Frauen dazu. „Und man hat trotzdem weiter Fußball gespielt“, sagt Heinz Naß, mit einer der ersten in der Jugend. Und die Jugend von damals ist bis heute eine eingeschworene Gemeinschaft.

Zu den Spielen wurde man nicht, wie heute, mit dem Auto gefahren. Man fuhr mit dem Rad. „Das war dann das Aufwärmtraining“, sagt Naß lachend.

Ja, es steckte viel Leidenschaft dahinter. So viel, dass ihr Trainer „Jän“ einmal von den Holter Zuschauern in die Sprunggrube gedrängt wurde, weil er als Schiedsrichter ein bisschen zu sehr für seine Jungs gepfiffen hatte.

Der Aufstieg Teil I. (in die Kreisliga A)

Aus den Jugendlichen wurden Familienväter, die nächste Fußballgeneration ging an den Start. Die Spielleidenschaft bekam diese Generation schon in die Wiege gelegt. Nach 67 Jahren wurde der Aufstieg in die Kreisliga A 1991 fix gemacht. Mit Trainer Heinz „Sam“ Maes ging es von der Kreisliga C in die B, mit Gerd Brouwers war der Weg in die Kreisliga A geebnet. Im Dezember 1990 schrieb titelte die Zeitung „VfL ist der Hit“. Und damals konnte noch keiner ahnen, dass es mit dem Aufstieg noch weiter geht. Am 25. Februar 1991 schrieb die RP: „VfL Pont auf dem Vormarsch“. Und Trainer Brouwers wird zitiert: „Mit dieser Truppe musste ich einfach aufsteigen. Es war eigentlich ganz einfach.“ Der Grund wurde in der rührigen Jugendarbeit gesehen. Das Erfolgsmodell sollte sich weiter bewähren.

Abenteuer Bezirksliga 1996/97

„Seit der Zeit ab 1985 hatte der VfL 1924 Pont einen rasanten spielerischen Aufschwung erlebt und man fühlte sich in Pont, nach dem Aufstieg in die Bezirksliga, im siebten Himmel des Fußballs“ schreibt Andreas Linder im Vorwort zum Buch „Das Abenteuer Bezirksliga 1996/97. Am 13. Juni schrieb die RP über „Freudengesänge bei den Aufstiegsfeiern in Pont“ und titelte „Kurze Pässe, kurze Haare“. Denn dieser Aufstieg sollte für alle sichtbar sein. Die Ponter Kicker ließen sich einen Kurzhaarschnitt verpassen. „Alles war so einträchtig wie in der langen Meisterschaftssaison. Wer wollte, konnte das sogar symbolisch nehmen“, schrieb RP-Sportredakteur Norbert Hemmersbach. Der VfL durfte sich übrigens gleich über einen doppelten Aufstieg freuen. Die zweite Ponter Mannschaft stieg in die Kreisliga B auf. Das soll nicht unerwähnt bleiben.

Ganz Pont war im Freudentaumel. Aber bald zogen dunkle Wolken auf. Die Leistungsträger der Ersten zogen sich Verletzungen zu oder zogen weg, wegen eines Studiums. „Andy Post mit viel Pech“ hieß es in der RP am 5. Oktober 1996. „Jaaah, der VfL ist wieder da!“ lautete der hoffnungsvolle Titel am 10. März 1997. Es endete aber mit der Schlagzeile am 31. Mai und der Erkenntnis „Der Bezirksliga-Schnupperkurs ist zu Ende“.

Bei einem Treffen kamen sie alle noch einmal zusammen: „Torjäger“ Bernd Linder, Bruder Andreas Linder, der fleißig Fußballtabellen und Berichte gesammelt hat und heute Vorsitzender des VfL Pont ist und die Trainer der großen Zeiten: Andreas Post und Gerd Brouwers. Sie erzählen vom Weg nach oben, vom Lauftraining, bis die Luft weg blieb.

„Viel Kondition“, nennt Brouwers sein Erfolgsrezept wie aus einem Fußballer ein guter Fußballer wird. „Aber heute wollen die Spieler ja viel mit dem Ball machen“, sagt er. „Naja, das wollten wir damals auch“, gibt Bernd Linder zu. „Kondition kriegste erst ohne Ball, meine Meinung“, sagt Brouwers. „Es sind andere Zeiten, Gerd“, wirft Post ein. Brouwers und Post feilten an den Jungs und erfüllten die Hoffnung des damaligen Vorsitzenden des VfL, Goswin Linder.

„Wir hatten so gute Jungs zusammen, dass wir meinten, wir könnten den Aufstieg schaffen“, sagt Linder. Er sollte Recht behalten. Wie es soweit kam, das ist in Wort, Bild und vielen Tabellen festgehalten. „Den Weg mitzugehen, das hat mir Spaß gemacht“, sagt Brouwers. Geblieben sind viele Glanzlichter in den Erinnerungen der Ponter.

Vielleicht ist Weihnachten die wunderbare Zeit im Jahr, sie wieder hervorzuholen und scheinen zu lassen.

Mehr von RP ONLINE