Fußball: Der Nationalspieler aus der Nachbarschaft

Fußball : Der Nationalspieler aus der Nachbarschaft

Die Fußball-Bundesliga feiert das 50. Jahr ihres Bestehens. Die Anfänge erlebte Hartmut Heidemann mit, der in Pont heimisch geworden ist.

Man erinnert sich auch in relativer Ferne noch an Hartmut Heidemann, der ein Fußballidol beim Meidericher Spielverein war, sich aber nie wie eines benahm. Alle Jugendklassen durchlief der heute 72-Jährige bei den "Zebras", wurde mit der A-Jugend Westdeutscher Meister und erhielt daraufhin beim MSV einen Vertrag für die Oberliga West. Am Anfang seiner Karriere begann er im Sturm, später dann fanden die Trainer seine Defensivqualitäten noch wichtiger für den Erfolg der Mannschaft. Zumal Heidemann einen Typ verkörperte, den sie im Ruhrgebiet mochten. Der sich ins Geschehen haute und dabei nie den Kopf verlor.

Heidemann verschaffte sich in kurzer Zeit Anerkennung. Alle haben ihn damals bewundert, den zuverlässigen Verteidiger, der immer gegen die Besten antreten musste, und manchmal war der Beste kein Mittelstürmer. Dann musste der umgeschulte Verteidiger mit dem knochenharten Schuss beispielsweise auch gegen Franz Beckenbauer spielen. Womit wir bereits in der Bundesliga angekommen sind, deren Anfänge Heidemann hautnah miterlebte. Sein erstes Spiel in der Bundesliga absolvierte er in der Saison 1963/64 beim Karlsruhe SC.

Ein Abwehrspieler hatte damals noch kein eigenes Leben. Er spielte eigentlich nur mit, um den anderen das Leben zur Hölle zu machen. Heidemann gehörte beim MSV in dieser Zeit zu den Spielern mit den besten Zweikampfwerten: athletisch, stark, hart. Leidenschaftlich ging er in die Zweikämpfe. Er hatte Zukunft, und diese Zukunft sah in Duisburg lange gut aus. Dann ein Höhepunkt in seiner Biografie als Fußballer: Er wurde A-Nationalspieler. Dreimal ließ ihn Bundestrainer Helmut Schön mitspielen, viele Male gehörte er zum Kader. Da war er natürlich regelmäßig in den Schlagzeilen.

Die markanteste Veränderung nach seiner Karriere als Profi-Fußballer erlebte Heidemann als Trainer bei TuS Gelria 09, wo er viele Jahre lang die beste Mannschaft des Gelderlandes trainierte. Sein Traum, bei den Amateuren erstklassig zu werden, platzte nach einem erstklassigen Spiel gegen Rot-Weiß Oberhausen in der letzten Minute: "Wir hätten den Aufstieg schaffen können", sagt Heidemann rückblickend. Gute, alte Zeit — und Vorhang zu: Es hätte wirklich was werden können. Später kamen die erfolgsverwöhnten Zuschauer allerdings nicht mehr ins Gelderlandstadion. Mittlerweile steht es für die Vergangenheit, und frisst gleichzeitig die Zukunft auf, das ist wie ein Segen und Fluch.

Der Segen, tolle Spiele dort erlebt zu haben. Und der Fluch, der Erinnerung hinterher zu laufen. Heidemann wechselte später noch zum Sportclub Kleve, nach Sonsbeck und zum Lieblingsfeind der Gelderner, dem SV Straelen. Heute ist er ein rüstiger Pensionär, der bei den täglichen Radtouren gut mithalten kann, weil er immer gesund gelebt hat. Nur an eine Herzklappenoperation erinnert er sich mit Grausen. Er wohnt in Pont, im selben Haus mit derselben Frau, nur grätschen kann er nicht mehr. Der 72-Jährige, der als Spieler beim MSV stets einen Vereinswechsel ausschloss, fährt noch regelmäßig nach Duisburg, wo sich die ehemaligen Spieler mit ihren Frauen wöchentlich treffen und in der Vergangenheit schwelgen.

Mag sein, dass sie gelegentlich auch über den Gewinn des Vizemeistertitels beim Start der Bundesliga vor 50 Jahren reden. Das wird schließlich immer in der Erinnerung bleiben. Schöne Momente sind für ihn auch, an der Seite von Helmut Rahn, Werner Krämer oder Manfred Manglitz gespielt zu haben. "War eine tolle Zeit", sagt "Hatte", wie die Fans ihn nannten.

(hem)
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