Der mit den roten Haaren

Fußball-Verbandstrainer Gerd Bode bildet Spitzentalente am Niederrhein aus und trainiert Jugendmannschaften beim FC Aldekerk. Jetzt betreut er die FVN-Amateurauswahl beim Uefa-Regionen-Cup.

kerken / duisburg Gerd Bode ist ein Mann, der Gelassenheit gelernt hat. Durch seine Erfahrungen im Fußball, womöglich auch durch seine langwierigen Probleme mit einem Knorpelschaden im linken Sprunggelenk. Doch es gibt immer wieder Momente, da verwandelt sich der mittlerweile leicht ergraute Schopf in die ursprüngliche Farbe: "Dann bekomme ich weder rote Haare", sagt er selbst. Damit meint der 50-Jährige wohl, dass Eigenschaften wie Temperament, Leidenschaft und Siegeswillen in ihm erwachen. Ab dem 17. März wird sich die emotionale Haarfarbe von Gerd Bode wieder verändern: Dann nimmt er als Trainer mit der Auswahl des Niederrheins am Uefa-Regionen-Cup teil.

Ein Einser-Sportdiplom und den Fußball-Lehrer hatte Bode schon mit 26 Jahren in der Tasche. Beim VfL Bochum schnupperte er im Trainerstab drei Jahre Bundesliga-Luft. In seiner Funktion als Verbands-Sportlehrer hat er schon als Standardwerke bekannte Bücher über Training im Kinderfußball geschrieben. Jetzt kommen auch noch internationale Meriten hinzu.

Champions League der Amateure

Der Uefa-Regionen-Cup ist der höchste Wettbewerb für Nicht- und Noch-Nicht-Profis in ganz Europa – sozusagen die Champions League der Amateure. In diesen Tagen hat Bode oft den Telefonhörer am Ohr, um seinen Kader zusammenzustellen. Die zu überwindende Hürde: Kein Spieler darf bisher einen Profivertrag unterschrieben haben. Das Gros rekrutiert sich aus NRW-Liga-Kickern von Rot-Weiß Essen, Fortuna Düsseldorf und MSV Duisburg. Alles Jungs, mit denen Bode 2006 und 2007 den U21-Länderpokal gewann. "Ich könnte natürlich mit älteren, erfahreneren Spieler die Mannschaft verstärken." Doch die Teilnahme sieht er als eine Belohnung für die gemeinsamen Erfolge an. An eine gezielte Vorbereitung auf die drei Gruppengegner ist indes nicht zu denken. Nachholspiele in der Meisterschaft lassen dies nicht zu. Trotzdem sagt Bode: "Natürlich wollen wir zur Endrunde." Wieder diese roten Haare.

Sich selbst bezeichnet Gerd Bode als "sturen Ostwestfalen". Dabei hat er etwas von jeder nordrhein-westfälischen Volksgruppe aufgeschnappt. In Minden-Lübbecke ist er geboren und aufgewachsen. Zum Studium ging er ins Rheinland nach Köln, kam als Aktiver bis zur Verbandsliga. Im Ruhrpott in Bochum stieg er als Co-Trainer bis in die Bundesliga auf, trainierte auch die Amateure. "Da wollte ich eigentlich gar nicht weg", so Bode. Im Zuge der Entlassung Reinhard Saftigs im Frühjahr 1991 musste er aber, das sah er angesichts wachsender Skepsis ihm gegenüber ein. So verschlug es ihn an den Niederrhein. In Stenden wohnt Gerd Bode mit seiner Familie seitdem. Seit 14 Jahren ist der Fußball-Lehrer auch Jugendtrainer beim FC Aldekerk. Von den Bambini bis zur A-Jugend betreute er seinen ältesten Sohn Jan (19). Heute sind sie und der andere Spross Tim (17) als Trainer-Trio für die D2 des FCA verantwortlich.

"Man muss aufpassen, dass man nicht einrostet in der Praxis", sagt Gerd Bode. Keine Sorge: Das verhindern allein schon die roten Haare.

(RP)