Fußball: Der Ingenieur mit der A-Lizenz des DFB

Fußball : Der Ingenieur mit der A-Lizenz des DFB

Rolf Mauritz kickt wöchentlich mit Ex-Profis des MSV. Zudem ist der 63-Jährige auf der Suche nach einem Trainerjob.

Vor 20 Jahren hat Rolf Mauritz seine Tennishalle in Issum verkauft. Man erinnert sich an ihn, weil er mit dem stillen Eifer eines Tüftlers Plätze und Hallen plante und baute. Er war einer, der so redete, dass er es auch ins lokale Fernsehen geschafft hätte. Nachdem er sein Stahlbauunternehmen in Issum verkauft hatte, zog er nach Mecklenburg. Dort wollte er sich eine neue Existenzgrundlage schaffen. Und es gelang. Es entstand das Unternehmen "Mauritz Bau Service". Doch nach 20 Jahren zog es den Niederrheiner mehr und mehr zurück in die Heimat. Vergangenes Jahr kehrte der 63-Jährige zurück nach Issum.

Rolf Mauritz an der Taktiktafel: In der vergangenen Saison profitierten die Oberligakicker des TuS Bösinghoven von seinem Wissen. Foto: Gerhard Seybert

Sein Unternehmen hat Mauritz wieder verkauft. Er fand dafür ganz schnell einen Käufer, der sich überhaupt keine Sorgen machen muss. Denn das Auftragsbuch ist dick. Mit einem freundlichen Dankeschön klopfte er dem Niederrheiner beim Abschied deshalb noch einmal feste auf die Schulter und raunte ihm zu: "Mach's gut." Die Beiden verstanden sich blind — privat wie geschäftlich. Denn sein Nachfolger ist Daniel Lemke, den Mauritz jahrelang beim SV Rotation trainiert hatte. "Er ist fast wie ein Sohn für mich", sagt der Unternehmer.

Rolf Mauritz ist aber nicht nur ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern auch ein Fußball-Verrückter und guter Trainer. Auf seinem Schreibtisch stapelten sich täglich jede Menge Fußballzeitschriften neben Terminplänen. Alles musste greifbar sein. Seinen größten Erfolg feierte er im mecklenburgischen Neu Kaliß, als er 2004 ein Fußballmärchen vollbrachte. Der SV Rotation schaffte nach 36 Jahren den Aufstieg in die Bezirksliga — der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Der Trainer hieß: Rolf Mauritz. "Das war ein sehr schönes Erlebnis", sagt der heute 63-Jährige. "Ich hatte auf die Viererkette umgestellt, was damals nur in der Bundesliga üblich war. Und es brachte den Erfolg." Der Verein war so etwas wie ein Familienbetrieb, denn viele Spieler arbeiteten im Stahlhallenbetrieb von Mauritz und tun es noch heute. Der Zusammenhalt hatte die Mannschaft so stark gemacht.

Der gebürtige Issumer wurde damals zum Volkshelden. Er hat in Neu Kaliß schon viel erlebt, aber dieser unerwartete Aufstieg war ein Juwel im Schatz seiner persönlichen Erinnerungen. Sie mitgeprägt zu haben, erfüllt ihn heute noch mit leisem Stolz. Vielleicht kann man es auch so sagen: Der Unternehmer, der stets mit offenem Hemdkragen an seinem Schreibtisch sitzt, machte seine Sache gut. Die Leute in Mecklenburg zweifelten keinen Moment an dem Niederrheiner, für den die sicheren Arbeitsplätze in Neu Kaliß sprachen.

Nun hat sich Mauritz zur Ruhe gesetzt. Zumindest unternehmerisch, denn "einfach zu Hause bleiben ist nach 40 Jahren im Job sehr schwierig", gesteht der 63-Jährige. "Aber so habe ich nun mehr Zeit für den Fußball." Mauritz ergriff die Gelegenheit, verkaufte das Unternehmen und zog zurück in die Heimat. Hin und wieder greift er seinem Nachfolger auch gerne noch unterstützend unter die Arme. So ganz lassen, kann er es noch nicht. "Es war eine schöne Zeit", erinnert er sich.

Zurück am Niederrhein übernahm Mauritz vergangene Saison das Zepter beim TuS Bösinghoven. Nun ist er auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. "Womöglich bin ich bald bei einem anderen Oberligaklub als Trainer tätig", verrät Mauritz, der durch und durch für den Fußball lebt. Ein Ende kann er sich noch nicht vorstellen. Noch lange nicht.

Schließlich hat er ein Leben lang mit Fußball zu tun gehabt — im Übrigen dieses Jahr holte er als Spieler den Niederrhein-Meistertitel der Ü60-Jährigen mit der Truppe des MSV Duisburg. Einmal wöchentlich kickt er dort mit den Ex-Profis des Vereins wie etwa Horst Gecks, Detlef Pirsig und Herbert Weinberg. "Es ist ein Höhepunkt, mit solch einer Qualität noch in so einem Alter Fußball zu spielen. Da bewundere ich Pille Gecks mit seinen 71 Jahren", sagt Mauritz.

Den Trainer mit der A-Lizenz drängt es offenbar auch noch zu einer weiteren Bilanz. Das Trainerdasein will er noch lange nicht aufgeben. Das ist wohl die Sehnsucht nach den Wurzeln des Fußballs. "Pech und Glück machen im Fußball 50 Prozent aus. Meine Aufgabe ist es, diese Zufallsquote so weit wie möglich zurückzuschrauben", sagt Mauritz. Und darin ist der 63-Jährige auch wirklich gut.

(hem)
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