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Fußball: Der Aufstieg ist in Geldern kein Thema

Fußball : Der Aufstieg ist in Geldern kein Thema

Trotz einer mehr als passablen Hinrunde bläst der Tabellenfünfte der Bezirksliga nicht zum Angriff auf den Relegationsplatz.

GELDERN Beim GSV Geldern läuft derzeit eigentlich alles nach Plan. Mit nur vier Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz, der am Ende der Saison zur Teilnahme an der Aufstiegs-Relegation berechtigt, liegen die Gelderner auf dem fünften Tabellenplatz in Lauerstellung. Es wäre also alles andere als eine Überraschung, wenn der GSV sich für die verbleibenden 16 Spiele auf die Fahnen schreiben würde, nochmal so richtig Druck auszuüben auf die Konkurrenten im Kampf um den zweiten Tabellenplatz.

Genau das weist Timo Pastoors, der erst jüngst die Cheftrainer-Position von Peter Streutgens übernommen hat (die RP berichtete), aber weit von sich und führt gleich mehrere Gründe an: "Zum einen ist es so, dass man mit Erreichen des zweiten Platzes noch lange nicht aufgestiegen ist", verweist der 34-Jährige auf die extrem harte Relegationsrunde im Anschluss an die Saison. "Zum anderen ist der TSV Wachtendonk-Wankum schon ein Stück weit enteilt, da er noch ein Nachholspiel in der Hinterhand hat."

Hinzu kommt, dass die Fußballer vom Holländer See einige empfindliche Ausfälle verkraften mussten. Mit Besar Amzai (SV Hönnepel-Niedermörmter) und Marvin Flassenberg (Kevelaerer SV) verabschiedeten sich zwei Akteure aus der Kreativabteilung, aufgrund von hartnäckigen Verletzungen haben sich zudem die Comebacks von Krisha Penn und Lucien Maesmanns zerschlagen. "Einen Winter-Neuzugang gibt es nach jetzigem Stand nicht", erklärt Pastoors.

Um diese Ausfälle aufzufangen, wird man in Geldern aus der Not eine Tugend machen - auch mit Blick auf die kommende Saison. "Wir werden sowohl in unseren Reserve-Mannschaften als auch in unserer A-Jugend die Augen weit offen halten." Bereits jetzt hat Pastoors in Kooperation mit Streutgens, der als Sportdirektor in Zukunft für die enge Zusammenarbeit der einzelnen Mannschaften verantwortlich ist, einige Akteure ins Auge gefasst, die in der Rückrunden-Vorbereitung bei der ersten Mannschaft mit trainieren und versuchen werden, sich in den Kader zu spielen. Für den GSV macht eine Integration aller anderen Mannschaften auch deshalb Sinn, weil zum Ende der Saison ein mittelgroßer Umbruch ansteht. Diverse erfahrene Akteure, die bereits jetzt ihren Abschied oder das Ende ihrer Laufbahn angekündigt haben, müssen schließlich angemessen ersetzt werden.

Um die Kaderplanung kümmert sich vor allem Peter Streutgens - Timo Pastoors hat somit den Kopf frei für die sportlichen Belange. "Der Übernahme-Zeitpunkt des Cheftrainer-Postens passt sehr gut, weil ich die Liga inzwischen ein wenig besser kenne", so der bekennende Schalke-Fan. Denn zu Beginn der Saison war die Bezirksliga für den ehemaligen Coach von Union Wetten noch ein unbekanntes Gebiet gewesen. "Da konnte ich auf die Erfahrung von Peter bauen, der zu jedem Gegner etwas zu berichten hatte."

Pastoors kümmerte sich somit zunächst vor allem um die Trainingsgestaltung und das Formen einer Einheit - schließlich verzeichnete der GSV zu Saisonbeginn neben Abgängen einige Zugänge, die integriert werden mussten. "Dadurch dauerte unsere Findungsphase etwas länger als üblich", erklärt Pastoors. Eines lag dem jungen Trainer vom Start weg am Herzen. "In der Vergangenheit war der GSV Geldern vor allem für Offensivkraft bekannt, weniger aber für disziplinierte Defensivleistung. Da wollte ich den Hebel ansetzen." Der Fokus sollte also auf der Abwehrarbeit liegen, wobei dem GSV eine glückliche Fügung zu Hilfe kam. Der ehemalige Drittliga-Spieler Stefan Maletic fand den Weg ins Gelderland-Stadion und trug einen enormen Teil zur defensiven Stabilität bei - das Ergebnis: Nur 18 Gegentore und damit der drittbeste Wert der Liga. "Stefan ist aber nicht nur sportlich, sondern auch menschlich sehr wichtig für die Mannschaft und wurde von den Jungs auch zum Kapitän gewählt", lobt Pastoors seinen Abwehrchef.

Gleiches gilt auch für den zweiten Leitwolf im Team. Marcel Siepmann ist 41 Jahre alt, hat schon auf allen Sportplätzen der Region gestanden und daher bei einem Kaltgetränk nach dem Training mehr als nur eine Handvoll Anekdoten zu erzählen. "Auf dem Platz ist er aber nicht unbedingt so handzahm", schmunzelt Pastoors und spielt damit auf Siepmanns Kommunikation der Marke "Alte Schule" an. Akustisch weitaus unauffälliger, aber nicht minder wichtig dagegen ist Christian Voicu. Der 27-jährige Vollblutstürmer ist mit elf Treffern der gefährlichste Mann der Gelderner, hat mit Schnelligkeit, Abschlussstärke und Kopfballspiel alles, was ein Offensivmann braucht. "Er ist aber nicht der einzige, der eine tolle Hinrunde gespielt hat", betont Pastoors und nennt mit Noldes, Ezer oder Brouwers weitere Namen.

Genügend Qualität, um ganz oben mitzuspielen, hat der GSV ganz ohne Zweifel. "Wir haben diese Qualität aber leider nicht immer voll abgerufen", blickt Pastoors zurück. Insbesondere die letzte Phase vor der Winterpause warf die Gelderner zurück: Aus den jüngsten fünf Partien sprangen gerade einmal magere vier Pünktchen heraus. Wohl zu wenig, um im neuen Jahr nochmal voll anzugreifen - vor allem, weil der Fokus des Vereins auf dem bevorstehenden Umbruch im Sommer liegt und nicht auf einer Rückkehr in die Landesliga - übrigens nach knapp 30-jähriger Abstinenz.

(n-h)