Freizeitsport Den Signalen des Körpers gehorchen

Zu Radrennen gehört sie seit einem Jahrzehnt, in der Leichtathletik taucht sie immer wieder auf, neuerdings hat sie auch die Reiterszene ereilt: die Doping-Diskussion im Profisport. Über Hobbyathleten, die Mittelchen einnehmen, um ihre Leistungen zu steigern, gibt es dagegen keine Sondersendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Doch diese Praktiken greifen zunehmend um sich, warnt der Apotheker-Verband Nordrhein. Der Sprecher der Apotheker im Kreis Kleve, Ulrich Schlotmann, will im RP-Gespräch Aufklärungsarbeit leisten.

Warum ist Doping im Freizeitsport Ihrer Meinung nach ein Thema?

Schlotmann Doping ist überall dort ein Thema, wo man sich und anderen etwas beweisen will, im Wettkampf also. Wenn man merkt, dass man das Maximum erreicht hat, andere aber besser sind, steht man vor zwei Möglichkeiten: Entweder akzeptiert man es, oder man sucht nach Möglichkeiten, nachzuhelfen.

Welche sportlichen Bereiche betrifft es denn?

Schlotmann Im Grunde den gesamten Wettkampfsport. Natürlich trifft das Thema nicht zu auf jemanden, der allein durch den Wald läuft, oder auf dem Rad durch den Kreis Kleve fährt.

Wo fängt für Sie Doping an?

Schlotmann Sobald man aktiv in die körpereigene Physiologie eingreift. Wenn man über die Ernährung seinen Körper mit zusätzlichen Mineralstoffen oder Vitaminen versorgt, hat das sicher nichts mit Doping zu tun. Etwas anderes sind dagegen zum Beispiel kreislaufstützende und bronchienerweiternde Mittel.

Was meinen Sie konkret?

Schlotmann Kraftsportler nehmen gerne anabole Hormone ein, die den Muskelzuwachs fördern. Ausdauersportler nehmen Stoffe, die die Produktion der roten Blutkörperchen erhöhen. Auch Diuretika zur Gewichtsverringerung und Amphetamine, um die Aktivität zu steigern, sind gängige Mittel. Die sind zumeist ohne Rezept nicht zu bekommen und werden übers Internet oder aus Osteuropa bezogen. Auf Grund der mangelnden Qualität besteht eine erhebliche Gefahr für die Sportler.

Auch Koffein steht auf der Dopingliste. Manche Sportler nehmen Aspirin oder Ibuprofen vor Wettkämpfen. Was ist damit?

Schlotmann Koffein, zum Beispiel in Cola, wirkt sich in erhöhter Dosis schlecht auf den Magen-Darm-Trakt aus und kann unter starker Belastung die Sauerstoffversorgung des Herzens beeinträchtigen. Nimmt ein Fußballer zwei Aspirin vor einem Spiel, riskiert er einen dicken Bluterguss zum Beispiel bei einem Schlag auf den Oberschenkel wegen der verminderten Blutgerinnung. Wenn der Körper ein Signal der Erschöpfung oder Verletzung aussendet, sollte man dem auch gehorchen. Es hat sonst ernsthafte gesundheitliche Folgen.

Plädieren Sie für Dopingtests bei Amateurveranstaltungen?

Schlotmann Ach nein, man kann ja nicht alles kontrollieren, das wäre auch nicht zu bezahlen. Man muss an die Vernunft jedes Einzelnen appellieren und aufklären. Wer sich unsicher bei bestimmten Präparaten ist, sollte den Arzt seines Vertrauens ansprechen oder in die Apotheke um die Ecke gehen und nachfragen.

Markus Haegert führte das Gespräch.

(RP)
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