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Box-Club Geldern denkt noch lange nicht ans Aufgeben

Boxen : Boxsport in Geldern ist noch nicht k.o.

Der Gelderner Box-Club war schon vor der Pandemie ein kleiner Sportverein. Corona hat ein Viertel der Mitglieder gekostet. Doch Michael Peters, Vorsitzender und Trainer, und seine Mitstreiter werfen nicht das Handtuch.

Die Turnhalle am Haagscher Weg ist klein und alt. So wie sie damals eben gebaut wurden, als man froh war, überhaupt eine Turnhalle zu haben. Im vorderen Teil dehnen zwölf junge Menschen ihre Muskulatur. Ihre Handgelenke sind bandagiert. Im hinteren Teil ist ein Boxring aufgebaut. Sandsäcke und Maisbirnen baumeln von der Decke. Eine große blaue Hochsprungmatte steht angebunden an der Wand. „Jetzt Schattenboxen“, ruft der Trainer. Schweiß dringt bereits jetzt durch die T-Shirts. „Okay, Aufwärmen beendet!“

„Heute sind nicht viele da“, sagt Michael Peters, Trainer und Vorsitzender des Gelderner Box-Clubs. „Aber das ist auch ganz gut so, weil wir nur drei Trainer haben und so in der kleinen Halle die Sache besser koordinieren können.“ Diesmal wird er im Training von Enayat Danishjoo unterstützt. Beide waren aktive Boxer und sind im Besitz einer Trainerlizenz.

Peters geht mit zwei Frauen und einem Mann zur Hochsprungmatte. Wie wild trommeln sie auf die Matte ein, kurze schnelle Intervalle. Peters korrigiert ständig die Schlaghaltung. Hier geht es um Schnelligkeit und sauberes Boxen. Sein Trainerkollege hilft den Fortgeschrittenen beim Schnüren der Handschuhe und zieht die Schnallen der Helme zu. Dann noch an den Mundschutz denken. Nicht jeder trägt einen Helm, denn es ist ein leichtes Sparring angesagt, bei dem die Schläge nur angedeutet, aber nicht durchgezogen werden. „Es geht hier um eine saubere Deckungsarbeit. Die ist wichtig, denn jeder Treffer gegen den Kopf kann den Kampf beenden“, erklärt der gebürtige Afghane Danishjoo.

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Drei weitere Boxschüler verausgaben sich an den Sandsäcken. Sie trainieren das Gefühl für Distanz, aber auch ihre Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit. Einer von ihnen ist der 18-jährige Rohid Hakimi aus Geldern, der kaum Luft zum Sprechen hat. Seit drei Jahren ist er im Verein. „Ich will in den Ring“, sagt er. „Irgendwann mal einen richtigen Kampf machen. Die Trainer hier sind gut und bringen mich weiter nach vorne.“

„Die Hände hoch, du sollst die Hände hochhalten. Kinn nach unten. Die Ellenbogen zusammen“, bellt Danishjoo in den Ring und unterbricht das Sparring. Er steigt in den Boxring und zeigt den beiden Kämpfern, wie es richtig geht. Es fällt auf, mit wie viel Disziplin und Leidenschaft hier hart gearbeitet wird. „Disziplin und Struktur stehen bei uns an erster Stelle“, erklärt Peters. „Bei uns sind keine Schläger oder Halbstarken, die sich auf der Straße kloppen. Solche Leute besitzen diese Grundtugenden gar nicht.“

Nach zwei, drei Minuten ertönt die Ringglocke. Die beiden Boxer japsen nach Luft und verlassen den Ring. Schweiß abtropfen mit Boxhandschuhen ist problematisch. Die nächsten beiden steigen ins Viereck. Ludmila Ditte, eine 36-jährige Mutter aus Issum, hat die Hochsprungmatte verlassen und will ihre Schlagkraft an den Sandsäcken verbessern. „Boxen ist anspruchsvoll und der ideale Ausgleich für mich“, sagt sie. „Bei anderen Sportarten würde mir was fehlen. Früher habe ich Thaiboxen, gemacht. Dafür fehlt mir heute die Zeit.“

„Wir sind ein kleiner Verein. Durch die Pandemie haben wir ungefähr 25 Prozent der Mitglieder verloren. Vor Corona waren wir rund 25 bis 30 Sportler beim Training, heute sind es nur noch 15 bis 20“, sagt Peters. „Uns fehlen auch Leute, die innerhalb des Vereins Verantwortung übernehmen wollen. Das ist auch der Grund, weshalb wir keine Sportler zu Wettkämpfen schicken können. Es fehlen Helfer, die die Kämpfer zu Veranstaltungen begleiten.“ Der Vereinschef schildert die Dinge so, wie sie sind. „Wir sind froh, Training anbieten zu können. Viele Boxvereine haben schon längst aufgegeben. Mittlerweile verstehen wir uns auch als Breitensport- und Integrationsverein.“

Nach rund 90 Minuten ist das Training vorbei. Schnell noch aufräumen – dann haben sich alle Beteiligten ihre Dusche verdient.