Radsport : Auf dem Rad zur Weltmeisterschaft

Radsport: Gerd Bloemen denkt auch mit 71 Jahren nicht ans Aufhören. Nächstes Ziel ist die WM in Tirol.

Die meisten Menschen aus Geldern und Umgebung werden Gerd Bloemen (71) als Geschäftsmann kennen oder bei seinen Trainingskilometern als Langstreckenläufer schon einmal gesehen haben. Weniger kennen ihn als ausgezeichneten Radrennfahrer. Im Gespräch macht er unter anderem deutlich, wie wichtig Sport für den Menschen ist. Auch, oder besonders, wenn man sich schon im fortgeschrittenen Alter befindet. Und was in den Jahren noch alles möglich ist, dafür ist Gerd Bloemen der lebende Beweis.

Angefangen hat für den in Aengenesch geborenen Bloemen alles im Alter von etwa 15 Jahren. "Das war bei ,Tempo Aengenesch', einem Radsport-Verein. Radrennen, Hochrad und Radball wurden da angeboten", erklärt Bloemen, "in dem Verein war ganz Aengenesch, die Mitgliedschaft bekam man automatisch mit der Geburt."

Er zeigt Bilder, die ihn auf dem zwei Meter hohen Hochrad in weißer Stoffhose mit Kniff, weißem Hemd und schwarzer Fliege zeigen und schwelgt in Erinnerungen: "Radball habe ich jedoch auch gemacht, als Mannschaft für ,Tempo Aengenesch' mit meinem Bruder Alfons in der Zweiten Liga, aber da haben wir immer die Hucke vollgekriegt und uns schnell wieder abgemeldet."

Es folgte eine Pause, in der er sich um seine berufliche Laufbahn kümmerte, heiratete und Vater einer Tochter wurde. Mit dem Sport hat er nie so richtig aufgehört, und irgendwann war der Punkt erreicht, dass er wieder mehr Sport machen konnte und wollte.

"Mit 38, so Anfang der achtziger Jahre, habe ich mich beim TSV Weeze den Leichtathleten angeschlossen. Laufen konnte ich, 20 Kilometer hatte ich immer drauf", sagt er weiter, "aber ich suchte die sportliche Herausforderung und wollte mich stets mit anderen Sportlern messen."

Aus diesem sportlichen Messenwollen wurde ein Marathonläufer mit einer Bestzeit von 2:45 Stunden. Den letzten von insgesamt 26 Marathonläufen bestritt Bloemen im Alter von 60 Jahren beim fünften "Kevelaer Marathon".

Ob der Sport mittlerweile zur Sucht geworden ist, konnte er nicht genau beantworten: "Schwer zu sagen, ich habe auch Pausen gemacht, aber nicht lange, mich dabei aber nicht wohl gefühlt. Ich muss mich in meinem Körper wohlfühlen, das ist wichtig für mich."

Es war eine "Biergeschichte", die ihn zum Radsportler werden ließ: "Ich habe mich beim Grillen von Freunden überreden lassen, mit ihnen Rad zu fahren. Es war wieder ein tolles Gefühl. Das kannte ich ja noch von früher." Sportliches Radfahren war dem ehrgeizigen Bloemen schnell zu wenig. Er wollte an Rennen teilnehmen und dabei nicht nur durchs Ziel kommen, sondern auch Platzierungen erreichen.

Im Moment bereitet er sich für die Qualifikation zur Weltmeisterschaft der Senioren-Radsportler vor. In knapp zwei Wochen geht er in Luxemburg an den Start. Ganz wichtig bei der Vorbereitung sei der medizinische Check. Er richtet sein Trainingsprogramm nach den medizinischen Werten aus und zeigt dabei sein Handy mit den entsprechenden Trainingsdaten. In der vergangenen Woche hat er ordentlich in die Pedale getreten und 440 Kilometer unter verschiedenen Bedingungen inklusive Intervall-Training absolviert. Sein Puls unter Belastung: nicht über 150, sein Durchschnittstempo: 30 Stundenkilometer.

Das Thema Ernährung spielt eine Rolle, aber nicht so, dass Bloemen ein leckeres Bier, ein Glas Wein oder eine gegrillte Wurst verschmähen würde. "Alles im Rahmen, dann klappt das", sagt der Mann, bei dem der sportliche Ehrgeiz trotz des fortgeschrittenen Alters nicht abgenommen hat. "Und die Quali in Luxemburg packe ich."

(ütz)