Leichtathletik: ATV-Triathlon: Höllenglocken, Finisher und jede Menge Spaß

Leichtathletik: ATV-Triathlon: Höllenglocken, Finisher und jede Menge Spaß

Auch die elfte Auflage des beliebten Wettbewerbs des TV Aldekerk rund um den Eyller See wird der Bezeichnung „Volkstriathlon“ mehr als gerecht.

„Hells Bells“, der Song der australischen Hard-Rock-Band AC/DC, dröhnt aus den Lautsprechern. Plötzlich eine gespenstische Ruhe auf der rappelvollen Seeterrasse am Eyller See. Noch eine Minute, bis der Vorhang für den elften Volkstriathlon des TV Aldekerk fällt. Kindergewimmel am Sandstrand des Naturfreibades in Kerken. Nochmal die Badekappe richten und die Träger des Badeanzugs zurechtzupfen. Noch 30 Sekunden – die Höllenglocken tönen über die gesamt Anlage. Nervöse Blicke nach rechts und links, unruhiges Wippen mit den Füßen im Sand.

Die Musik verstummt. Mehr als 30 Kinder spurten zur gleichen Zeit los und stürzen sich in die Fluten. Das Wasser schäumt kurz auf, danach glätten sich die Wogen und die bunten Badekappen verschwinden in Richtung der Wendebojen, um später wieder am Ufer anzukommen. Ob groß oder klein, jung oder alt, Männlein oder Weiblein – bei jedem Start das gleiche faszinierende Prozedere bei einem der größten Triathlon-Spektakel am Niederrhein.

„Ich weiß gar nicht genau, wie viele Anmeldungen wir heute haben“, sagt Klemens Molderings vom Organisations-Team der Grün-Weißen. „Aber es reicht voll und ganz, mehr hätten es nicht sein dürfen.“ Mehr als 60 Kinder und Jugendliche gehen an den Start. 64 Frauen haben sich für das Einzelrennen eingetragen. 165 Männer und 28 Staffeln (jeweils mit drei Sportlern) sind mit von der Partie. Weit mehr als 100 Helfer hat allein der ATV als Gastgeber gestellt, hinzu gesellen sich viele Freiwillige. Die DLRG Geldern-Walbeck ist mit einem großen Aufgebot vor Ort, nicht zu vergessen Taucher und Polizeibeamte.

Dann läuten erneut die Höllenglocken – und diesmal zu recht: Der Frauen- und Staffelwettbewerb mit 500 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und 5000 Meter Laufen müssen bei sommerlichen 26 Grad bewältigt werden. Die Staffel-Sportler dürfen sich die Disziplinen teilen. Nach dem Schwimmen schnell raus aus dem Wasser, den Transponder an die Zeitnahme halten, zum Fahrrad rennen, Helm auf, Helm zu – und ab auf die harte Radrennstrecke. Danach wieder durch die Wechselzone laufen, seinen Platz finden, das Fahrrad abstellen, Helm ab und die Laufschuhe anziehen. Jetzt noch fünf lange Kilometer durch den Wald, vorbei an den Campingplätzen. Dann endlich das Ziel vor Augen. Noch einmal alles geben und den Hahn richtig aufdrehen. Es ist geschafft: „Finisher!“

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Die schnellste Frau, Angela Tempesta aus Neukirchen-Vluyn, erreicht das Ziel nach etwas mehr als einer Stunde. Die junge Mutter hat am Eyller See fast so etwas wie ein Heimspiel und ist mit ihrer Leistung nach der Babypause sehr zufrieden.

Der „Volkstriathlon“ wird seinem Namen vor allem bei den Staffeln gerecht. Über einen hervorragenden 25. Platz freut sich das Damenteam „Lovetour“, das eigentlich „nur nicht Letzter werden wollte“. Die jungen Sportlerinnen müssen sich nach aufopferungsvollem Kampf beispielsweise den Teams „Two an a half woman“, „Team III NL en Duitsland“ oder „Robin macht mit“ geschlagen geben, liegen aber mit einer Gesamtzeit von 1:14:37 Stunden noch deutlich vor den „UschInas“ und den „Weinschlürfern“. „Boah, nach drei Kilometern war ich auf einmal voll im Eimer“, berichtet Schlussläuferin Janina Neußer, „aber ich konnte mein Team ja nicht im Stich lassen. Außerdem hat im Ziel eine mit Sekt gefüllte Ananas auf mich gewartet.“

So wie den ehemaligen Handballerinnen des ATV erging es den meisten Teilnehmern, für die das „Finishen“ ein echtes Glücksgefühl bedeutet. Viele Einzelstarter ohne Vereinszugehörigkeit nutzen die Chance, sich unter Wettkampfbedingungen zu beweisen. Ein weiteres Indiz für einen wahren Volkstriathlon: Die Zuschauer entlang der Strecke machen keinen Unterschied zwischen ambitionierten „Triathlon-Profis“ und blutigen Anfängern. Jeder darf sich unter Anfeuerungsrufen wie ein Held feiern lassen.

Einen Sonderpreis erhält der elfjährige Jakob Mehlau aus Aldekerk, der nach einer komplizierten Hüftoperation unbedingt starten wollte und trotz ständiger Schmerzen das Ziel erreicht. Schnellster Mann ist Thomas Seelen vom Reeser SC mit 15 Sekunden Vorsprung auf Sebastian Longree aus Essen. Die interne ATV-Vereinsmeisterschaft gewinnt Mike Jordan, Neunter im Gesamtklassement. „Ich bin ganz schön kaputt“, gesteht der 26-Jährige im Zielbereich. „Aber wenn ich das jetzt nicht wäre, hätte ich etwas falsch gemacht.“ Auch Gastgeber TV Aldekerk erreicht sein Ziel: Alle Athleten sind voll des Lobes angesichts der perfekten Organisation, der Wohlfühl-Atmosphäre und des tollen Publikums.