TV Aldekerk : Der perfekte Wahnsinn

Handball-Regionalliga Nordrhein: In einem hochklassigen Spiel besiegten die Männer des TV Aldekerk den Drittliga-Absteiger TV Korschenbroich mit 31:30 (19:15). Thomas Plhak erzielte den Siegtreffer in der letzten Sekunde des Spiels.

Rein tabellarisch zählte die Begegnung  des TV Aldekerk gegen den Tabellensiebten TV Korschenbroich nicht zur Kategorie Spitzenspiel.  Doch was die Zuschauer schließlich geboten bekamen, war Handball auf höchstem Regionalliga-Niveau mit einer an Dramatik kaum zu überbietenden Schlussphase. Das stetige Wechselspiel der Emotionen endete für den TV Aldekerk im absoluten Glücksrausch – und mit einem 31:30-Heimerfolg.

Die roten Leuchtziffern der Anzeigentafel bleiben bei 58:55 Minuten stehen und zeigen einen Spielstand von 30:29 für die Heimmannschaft an. Die sogenannte „Crunchtime“ beginnt.  Korschenbroichs Trainer Dirk Wolf hat gerade die grüne Karte auf den Tisch des Zeitnehmers Georg Niersmann gelegt. Eine Minute Zeit bleiben ab jetzt für taktische Anweisungen. „Ich habe meinen Leuten gesagt, dass ich auch mit einem Unentschieden zufrieden bin, aber den letzten Angriff haben möchte“, erklärte ATV-Trainer Nils Wallrath nach dem Abpfiff.

Nach dem Wiederbeginn gleichen die Gäste gleichen aus: 30:30 und noch 53 Sekunden auf der Uhr. Der ATV im Ballbesitz. Wer traut sich nun was zu? Keiner!

Erneute Auszeit, diesmal genommen von  ATV-Trainer Nils Wallrath: Der entscheidende Spielzug wurde besprochen. Die Auszeit ist vorbei,  auf der Uhr noch 16 Sekunden. Nach einigen Ballwechseln nur noch vier Sekunden. Thomas Jentjens spielt Julian Mumme auf halbrechter Position am Kreis an. Der will seinen Gegenspieler umlaufen, stolpert und fällt. Irgendwie rollt der Ball zum Rechtsaußen Thomas Plhak. Er nimmt den Ball vor einem Abwehrspieler auf, bleibt mit seinem zum Wurf am Gegenspieler hängen. Plhak setzt erneut zum Wurf an und mogelt den Ball zwischen Pfosten und Torwart über die Linie zum Aldekerker Siegtreffer, der vom Klang der Schuss-Sirene untermalt wird.

Für ein derart dramatisches Finale benötigt es zwei gleichwertige Kontrahenten. Entsprechend glücklich äußerste sich Siegtorschütze Plhak unmittelbar nach dem Spiel: „Es ist schon ein tolles Gefühl, so oft gelingt einem ja auch nicht der entscheidende Treffer.“

Dagegen resümierte eher deprimiert TVK-Coach Wolf die Partie: „Mein Vorhaben, an den Sieg in Essen mit einem weiteren Erfolg anzuknüpfen, ist uns nicht gelungen. Wir haben nichts falsch gemacht und die zweite Halbzeit dominiert. Aldekerk hat eine tolle Mannschaft, ein Unentschieden wäre gerecht gewesen.“

„Das sehe ich überhaupt nicht so“, konterte ATV-Spielführer Jonas Mumme, „der Sieg war natürlich glücklich, aber auch verdient. Wir waren über mehr als 30 Minuten die tonangebende Mannschaft.“

Zum eigentlichen Spiel: Zu Beginn gelang es keiner Mannschaft, sich entscheidend abzusetzen. Nach 20 Minuten und dem Treffer von Benedikt Liedtke ging der ATV zum ersten Mal in Führung und baute diese  bis zur 28. Minute auf sechs Tore zum 19:13-Vorsprung aus.

Im Pausentee müssen offensichtlich irgendwelche Kräuter mit stark beruhigender Wirkung gewesen sein, anders ist es kaum zu erklären, dass aus einer deutlichen Führung des TV Aldekerk bis Mitte der zweiten Halbzeit ein 23:26-Rückstand wurde.

Höchste Zeit für Wallrath, die grüne Karte zu ziehen und neue Anweisungen zu geben. Die Maßnahme fruchtete. Seine Spieler arbeiteten sich Tor für Tor bis zur geschilderten Schlussphase heran.

„Wir haben es unnötig spannend gemacht und den deutlichen Vorsprung leichtfertig aus der Hand gegeben. Aus handballerischer Sicht habe ich das beste Saisonspiel meiner Mannschaft gesehen. Sicher wäre eine Unentschieden gerecht gewesen, aber den Sieg nehmen wir trotzdem gerne mit.“

Der ATV-Coach vergaß nicht, die guten Leistungen von  Roman Grützner und Robin Appelhans, die unmittelbar vorher bereits 60 Minuten für die Aldekerker Zweitvertretung im Einsatz waren, besonders zu erwähnen.  Die traditionelle Wahl mit spirituosem Hintergrund zum „Mitarbeiter des Tages“ fiel aus Wallrath’s Sicht deshalb völlig zu recht auf Linksaußen Appelhans.