Fußball : Arie van Lents Problem

Arie van Lent hat ein Problem. Der Klever Trainer war nach Köln gekommen, um mit dem SV Straelen den kommenden Gegner unter die Lupe zu nehmen. Nach dem, was er im Schatten des Geisbockheimes sehen durfte, wird es äußerst schwierig sein, seiner Truppe in der Trainingswoche klar zu machen, warum man diese Straelener Mannschaft nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. Gründe für eine Warnung zu finden, dürfte selbst einen alten Fuchs wie van Lent schwerfallen. Ob die Klever Akteure sie annehmen (sollten oder müssen), ist zudem die nächste Frage.

Als Endspiel bezeichnet Hermann Tecklenburg das Derby in der nächsten Woche. Ob seine Mannschaft, deren Nervenkostüm nur noch in Bruchstücken vorhanden ist, dem Druck eines solchen Entscheidungstermins gewachsen ist, sei dahin gestellt, aber wer die Leistung der Mannschaft in Köln gesehen hat, mag sich kaum vorstellen, wie die SVS-Spieler das Duell gegen van Lents Klever siegreich gestalten wollen.

Schlimm, aber zugleich schonungslos den Blick auf die Realität bietend ist die Tatsache, dass sich die Straelener Misere allein auf die Leistung der Akteure beziehen lässt. Es gibt keine Verletzungsmisere, es gibt keine waghalsigen Systemumstellungen, es gibt keine mafiösen Schiedsrichterentscheidungen, die die Grün-Gelben Woche für Woche Punkte kosten. Tecklenburg und Co. können fast regelmäßig das aus ihrer Sicht beste Personal aufbieten, doch das Beste ist anscheinend für die Oberliga nicht gut genug.

Einzig Tim Janz, Sebastian Clarke und Slavomir Szymaszek stemmten sich in Köln sichtbar mit Stimme und erkennbarem Ehrgeiz gegen das Debakel. Der Rest ergab sich emotionslos in den Untergang. Eine Mannschaft, die lebt, sieht anders aus. Fehlendes Können lässt sich verzeihen, fehlender Wille ist unentschuldbar. Das ist zur Zeit das Hauptproblem.

STEFAN KLÜTTERMANN

(RP)