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American Football: Kevelaer Kings trotzen der Pandemie

Football : Kevelaer Kings trotzen der Pandemie

Bereits seit zehn Monaten bereitet sich das Team auf die neue Saison in der Verbandsliga NRW vor. Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Headcoach René Artz lobt die Moral der gesamten Mannschaft.

Es klingt wie ein schlechter Scherz, doch es ist die Wahrheit. Seit zehn Monaten befinden sich die Football-Spieler der Kevelaer Kings im Training und bereiten sich auf eine Saison vor, obwohl sie derzeit noch gar nicht wissen, ob diese tatsächlich bald beginnen wird. Bei dieser ungewöhnlichen Maßnahme handelt es sich weder um Willkür, noch um Schikane. Sie war notwendig für das Überleben des gesamten Vereins.

Was war passiert? Die Kevelaer Kings spielen in der Verbandsliga NRW. Der sogenannte Season Opener wurde auf Samstag, 25. April, mit einem Heimspiel gegen Mülheim Shamrocks terminiert. Wie üblich bereitete sich das Team zum Jahresbeginn auf die neue Spielzeit vor. Einem zweimonatigen Grundlagentraining sollte ein ebenso langer Trainingsabschnitt folgen, in dem taktische und technische Sachen im Vordergrund gestanden hätten. Soweit kam es aber nicht. Die Coronavirus-Pandemie hatte die Football-Spieler in die Knie gezwungen.

In Deutschland bekam man die Pandemie schnell unter Kontrolle. Bereits im Mai beschloss die Politik erste Lockerungen für den Sport, weitere folgten. Zu diesem Zeitpunkt setzte bei Kings-Coach René Artz die blanke Panik ein. „Ich musste unbedingt meine Leute beschäftigen und neu motivieren, ansonsten wäre mir für die nächste Saison die ganze Mannschaft weggebrochen“, sagt René Artz heute. „Besser trainieren, als die Leute zu Hause zu verlieren“ – Das war sein Leitgedanke.

Guter Rat war nun teuer, doch es konnte eine zeitnahe Lösung gefunden werden. René Artz und sein achtköpfiges Trainerteam standen von nun an jeden Tag auf dem Platz und trainierten in Kleingruppen ihre Mannschaft. Das Engagement der Trainer stieß auf große Akzeptanz und Respekt bei den Spielern. Mittlerweile war es August und René Artz konnte seine Mannschaft mit der Nachricht, dass er sie in absehbarer Zeit wieder „ans spielen kriegt“, bei Laune halten. Diese Informationen hatte er vom Verbandsvorsitzenden Peter Springwald erhalten, der mit den NRW-Vereinen im engen Austausch stand. Ein Ersatzspielbetrieb wurde in Aussicht gestellt, der eine Reihe von organisierten Freundschaftspartien vorsah.

Die Corona-Schutzverordnung erlaubte zum damaligen Zeitpunkt Kontaktsport im Freien mit bis zu 30 Personen. Offensichtlich hatte man dabei nicht auf dem Schirm, dass beim American Football für jede Mannschaft rund 50 Spieler zum Einsatz kommen. Somit hatte sich die Sache mit dem Ersatzspielbetrieb schon wieder erledigt. „Das war ein harter Schlag für uns. Und die Hoffnung, in absehbarer Zeit wieder spielen zu können, war gen Null gesunken“, sagt René Artz. „Wir haben direkt einen Teamabend einberufen und die Nachricht verbreitet und diskutiert.“

Die Kevelaer Kings bewiesen aber Moral und Teamgeist, was Runningback Simon Horycki wie folgt beschreibt: „Wir waren doch froh, dass wir zum Training kommen konnten. Der Zusammenhalt ist bei unserem Sport anders als bei anderen Sportarten, wesentlich intensiver. Da freut man sich mit seinem Mitspieler, wenn er sich technisch weiterentwickelt und ihm wieder was Neues gelungen ist.“ Bei der ganzen Sache, die teilweise wie eine Posse klingt, scheint der American-Football-Verband Deutschland (AFVD) nicht ganz unbeteiligt gewesen zu sein. Nach Ansicht verschiedener Landesverbände habe der Dachverband bei der Festlegung der Personengrenze von maximal 30 Personen nicht den nötigen Einfluss auf die entscheidenden Gremien genommen.

Bleibt festzuhalten: Die Kevelaer Kings haben sich von der Corona-Pandemie nicht bezwingen lassen, kein Spieler hat den Verein verlassen, die Situation hat das Team noch enger zusammengeschweißt. Und sollte die neue Saison wie geplant im Frühjahr stattfinden, blickt Headcoach René Artz und seine Mannschaft auf stolze 15 Trainingsmonate netto zurück.