Handball : „Dann steht ein ganzes Dorf hinter uns“

Nils Wallrath, neuer Trainer des Handball-Regionalligisten TV Aldekerk, möchte mit seiner Mannschaft wieder für Begeisterung sorgen. Die Grün-Weißen haben sich gezielt verstärkt und orientieren sich in Richtung Spitzengruppe.

Der 37-jährige Nils Wallrath übernahm während der laufenden Vorbereitung die Mannschaft des Handball-Regionalligisten TV Aldekerk von Matthias Sommer, der seinen Posten aus familiären Gründen zur Verfügung gestellt hatte. Die Entscheidung hat sich Wallrath nicht leicht gemacht, zumal er zu diesem Zeitpunkt selber als Trainer der zweiten Herrenmannschaft mitten in der Vorbereitung steckte. Erst nach reiflichen Überlegungen gab er dem Verein eine verbindliche Zusage. „Sechs Jahre ist eine lange Zeit. Die Zweite war mein Baby. Und die Spieler sind meine Freunde geworden“, sagt er. „Und mir ist bewusst, dass der Verein bestimmte Erwartungen an mich hat.“

Seine Fähigkeiten als Spieler und als Trainer sind seit langem nicht nur in Aldekerk bekannt. Als Kreisläufer spielte er für den ATV und Adler Königshof in der Dritten Liga. Und als Trainer schaffte er mit der Reserve der Grün-Weißen den Durchmarsch von der Landes- in die Oberliga und schloss die Saison mit einem sicheren Platz im Mittelfeld ab.

Die Vorbereitung ist alles andere als optimal gelaufen. Wallrath bleiben gerade einmal vier Wochen, um seine Spieler auf die neue Regionalliga-Saison einzustellen. Aber für den Vater einer siebenjährigen Tochter kein Grund, in Hektik oder gar Panik zu verfallen. „Warum sollte ich? Handball spielen können die alle. Und an einer gut funktionierenden Mannschaft muss man nicht viel ändern“, erklärt der Inhaber der Trainer B-Lizenz.

Wallrath geht die ganze Sache sehr pragmatisch an. Die verlorene Zeit vor dem Saisonstart könne er nicht zurückholen, aber hinten dran hängen. So wird die Vorbereitungsphase bis zum Ende der Herbstferien verlängert. Diese Zeit wird er intensiv zum Feinschliff nutzen und hofft darauf, spätestens zu Beginn der Rückrunde eine Mannschaft zu präsentieren, die begeisternden Handball spielen kann.

„Wichtig ist vor allen Dingen, dass meine Spieler mit Spaß und Freude zum Handball kommen, diese Spielfreude auch in der Halle zeigen und sich ihrer eigenen Stärken bewusst sind“, beschreibt er seine vorderste Aufgabe. „Dann wird erst die ganze Halle wieder hinter uns stehen. Und danach ein ganzes Dorf.“ Dazu müsse das vorhandene Potenzial im Angriff abgerufen und insgesamt strukturierter und torgefährlicher agiert werden.

Natürlich hat der gelernte Zweiradmechaniker, der mit seiner Familie in Krefeld lebt und dort als Groß- und Außenhandelskaufmann arbeitet, eigene Vorstellungen vom Handball. Großen Wert legt er auf eine gut funktionierende Abwehrarbeit und auf ein schnelles Konterspiel. Nach Möglichkeit soll seine Mannschaft die Tore erspielen und nicht erkämpfen. Was nicht ausschließt, dass auch mal die Brechstange heraus geholt werden muss.

Um seine Ziele zu erreichen, wird Wallrath die gesamte ATV-Familie einbinden. Bei Bedarf möchte der Trainer Spieler aus der zweiten Mannschaft oder der A-Jugend in den Regionalliga-Kader befördern. Umgekehrt gilt: Regionalliga-Spieler können in der zweiten Mannschaft eingesetzt werden, wenn sie zusätzliche Spielpraxis sammeln sollen. Am Montag trat die Mannschaft in der Vogteihalle zu einem Testspiel gegen den aktuellen Pokalsieger der Niederlande, Bevo Panningen, an. Es war Wallraths erstes Spiel als verantwortlicher Trainer der ersten Mannschaft. Mit Ausnahme von Janis Kempmann (verletzt) und Can Greven, der wegen einer Reizung der Achillessehne aussetzen musste, waren alle Spieler an Bord. Das Spiel sollte dazu dienen, den „Ist-Zustand“ seiner Mannschaft zu überprüfen und nach einer Spielanalyse bestimmte Sachen gezielt zu korrigieren. Neben den drei Neuverpflichtungen, Ben Köß, Julian Mumme und Maxi Tobae, kamen auch Roman Grützner aus der Zweiten und der A-Jugendliche Lauritz Weisz zu ihren Einsatzzeiten.

Das Spiel endete mit einer denkbar knappen 26:27-Niederlage für den ATV. Der Coach nutzte den Test gegen den prominenten Gegner, um ständig zu wechseln und verschiedene Spieler auf verschiedenen Positionen spielen zu lassen. Wallrath war mit dem, was er gesehen hatte, wirklich zufrieden und resümierte, dass sich auf der gezeigten Leistung sehr gut aufbauen lässt. Einstellung und Leistungsbereitschaft hätten gestimmt, taktische Vorgaben seien eingehalten worden. Die Leistung beider Torhüter habe ihm gefallen. „Auch die Abwehr hat gut gestanden und ordentlich zugepackt. Nur im Angriff habe ich einige Defizite gesehen, an denen wir möglichst schnell arbeiten müssen“, sagt Wallrath.

Die Regionalliga Nordrhein ist für den neuen Aldekerker Sportchef keine unbekannte Größe. Schließlich hat er genügend Spiele der ersten Mannschaft in der Halle verfolgen können; weiteres Wissen wird er sich mit Unterstützung von Videoanalysen verschaffen. Ein spezielles Saisonziel gibt Wallrath zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht aus. Er betrachtet es als seine Aufgabe, den ATV nach einer verkorksten Saison wieder zu einer Spitzenmannschaft in der Regionalliga Nordrhein zu formen. „Dieses Ziel ist realistisch“, sagt Wallrath, „mit den drei Neuzugängen haben wir die Mannschaft sinnvoll verstärkt.“

Nils Wallrath ist von den Qualitäten seiner Mannschaft überzeugt. Foto: Heinz Spütz

Als Betreuer konnte er seinen langjährigen Weggefährten Harald Menke gewinnen. Die Suche nach einem Co-Trainer dauert noch an – bei der Aufbruchstimmung, die rund um die Vogteihalle herrscht, sollte sich ein geeigneter Kandidat finden lassen.