Fußball: Abwehr sehr gut, Angriff befriedigend

Fußball : Abwehr sehr gut, Angriff befriedigend

Trainer Stephan Houben arbeitet mit seiner Mannschaft intensiv an der Chancenverwertung. Platz zwei soll bis zum Saisonende gehalten werden, damit es anschließend noch zwei Spiele um den Aufstieg in die Landesliga obendrauf gibt.

Wachtendonk Beim TSV Wachtendonk-Wankum stehen die Zeichen auf Aufbruch. Mit Stephan Houben und Guido Lohmann sind jetzt zwei absolute Top-Leute für die Geschicke der ersten Mannschaft verantwortlich. Houben, der bereits den SV Straelen und zuvor den 1. FC Mönchengladbach in die Oberliga geführt hat, gibt sich trotz des verheißungsvollen zweiten Tabellenplatzes zurückhaltend - auch, weil er in den vergangenen zwei Monaten noch einiges an Verbesserungspotenzial ausgemacht hat.

Bedarf sieht der 46-Jährige insbesondere im fußballtaktischen Bereich. "Wir werden in der Vorbereitung an der Variabilität arbeiten", erklärt Houben, der dafür bekannt ist, über jeden Gegner sehr gut informiert zu sein. "Um mit diesen Informationen etwas anfangen zu können und nicht einfach 'auf gut Glück' in ein Spiel zu gehen, muss man sich flexibel auf den Kontrahenten einstellen können", erläutert Houben sein Konzept. Im Klartext heißt das: Die Rot-Schwarzen haben im Lauf der Vorbereitung im Sportpark Laerheide verschiedene Spielsysteme einstudiert, die bei Bedarf allesamt auch innerhalb einer Partie Anwendung finden können.

Bei der Wahl der drei Testspielgegner hatte Houben gesteigerten Wert darauf gelegt, dass seine Wachtendonker zumindest leicht favorisiert sind. "Es war mir wichtig, in den Testspielen viel Ballbesitz zu haben, weil das auch in der Liga meistens der Fall ist. Wenn man Tabellenzweiter ist, wird einem schließlich häufiger der Ball überlassen." Das kommt Houben entgegen. Der erfahrene Coach ist ein Freund des Ballbesitzfußballs und mag es gar nicht, wenn der Gegner das runde Leder unter Kontrolle hat.

"Wenn das der Fall ist, erwarte ich von meinen Spielern, dass sie sich den Ball schnellstmöglich zurückholen", betont Houben. Erste Erkenntnisse haben die Tests gegen den SSV Strümp (4:3), die DJK/VfL Giesenkirchen (1:0) und den TDFV Viersen (0:1) geliefert, am Sonntag musste sich die Mannschaft im ersten Meisterschaftsspiel mit einem 1:1 beim Hülser SV begnügen. Houbens Fazit: "Wir müssen weiter intensiv daran arbeiten, unsere Chancen besser zu nutzen."

Vor der Winterpause waren unter Houbens Regie zwar drei Siege herausgesprungen. Doch wegen der mangelnden Chancenverwertung hatte der TSV den Gegner jeweils unnötig lange im Spiel gehalten. Bei Houbens Debüt in Bedburg-Hau ging die Partie sogar mit 0:1 verloren, weil allzu fahrlässig mit den Möglichkeiten umgegangen wurde - kurz vor Schluss gelang der SGE damals ein "Lucky Punch". "Das war eine unglückliche Niederlage, die mich extrem geärgert hat", erinnert sich Houben. Denn zum einen war es das erste Mal, dass Houben in seiner nicht allzu jungen Trainerlaufbahn bei seinem Debüt als Verlierer vom Platz ging. Zum anderen hatte die Wachtendonker Mannschaft zuvor fünf Pflichtspiele in Folge gewonnen und schickte sich an, sich von den Konkurrenten um Platz zwei etwas abzusetzen.

Doch auch jetzt noch befindet sich der TSV Wa-Wa in einer komfortablen Position, hat als Tabellenzweiter weiterhin drei Punkte Vorsprung auf den Verfolger aus Bedburg-Hau, für den am Sonntag gegen Viktoria Goch ebenfalls nur eine Punkteteilung (1:1) heraussprang. Die Wachtendonker Stärken liegen auf der Hand. "Die Defensive arbeitet sehr stabil und lässt wenige Chancen zu", sagt Houben. In der Tat: Der TSV hat mit nur 16 Gegentreffern die zweitbeste Abwehr der Liga, Torhüter Joshua Claringbold spielte in 17 Spielen satte acht Mal zu Null.

Positiv hebt Houben außerdem die Kameradschaft in Wachtendonk hervor, viele der Spieler seien untereinander befreundet. "Es ist insgesamt eine sehr homogene Mannschaft, in der jeder unterschiedliche Qualitäten mit einbringt", sieht Houben die Stärke seiner Mannen im Kollektiv.

Doch auch wenn der Übungsleiter keinen Einzelnen herausheben will, so spielt eine Personalie für die Rückrunde schon eine Rolle: Tim Harmes, gebürtiger Wachtendonker und Ex-Jugendspieler von Borussia Mönchengladbach, hatte in der Hinrunde nach einer kurzen Pause sein Comeback gefeiert, wird ab sofort aber nicht mehr zur Verfügung stehen. Wie berichtet, verschlägt es den 25-Jährigen aus beruflichen Gründen nach Berlin. Die Lücke soll Justin Klein schließen, den der sportliche Leiter Guido Lohmann vom Westfalen-Oberligisten Westfalia Herne an den Niederrhein gelotst hat.

Wo also soll es in dieser Saison hingehen mit den Kickern von der Laerheide ? Fichte Lintfort ist bereits designierter Meister und Aufsteiger, direkt dahinter folgt der TSV Wa-Wa. auf Platz zwei. "Ich denke aber, den Relegationsplatz als unbedingtes Ziel auszugeben, würde zu weit gehen", mahnt Houben zur Zurückhaltung. "Wir wollen vielmehr versuchen, bis zum Ende um diesen Platz mitzukämpfen." Bescheiden also bleibt der Mann, der in den vergangenen drei Jahren zwei verschiedene Mannschaften zum Aufstieg in die Oberliga geführt hat. Bis zur nächsten Aufstiegsfeier ist es allerdings noch ein weiter Weg - im Fall der Fälle müsste der TSV schließlich auch noch die Relegationshürde nehmen.

(n-h)
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