Abstiegskandidat SV Straelen erleidet Schiffbruch

Fußball : SV Straelen erlebt die Horror-Show

Fußball-Regionalliga: Sieben Gegentore in 35 Minuten – den Albtraum der 2:9 (2:2)-Niederlage bei Borussia Dortmund II muss Grün-Gelb erst einmal sacken lassen. Trotz des Debakels ist die Mannschaft noch lange nicht abgestiegen.

Unfassbar. Unbegreiflich. Unglaublich. Kaum in Worte zu fassen. Was sich da am Samstag im altehrwürdigen Stadion „Rote Erde“ zu Dortmund abgespielt hat, passiert wahrlich nicht alle Tage. Da liefert Regionalliga-Abstiegskandidat SV Straelen knapp eine Stunde lang bei der U 23-Auswahl des heimischen BVB eine passable Vorstellung und darf sich eine Woche nach dem 2:0 gegen Alemannia Aachen Hoffnungen auf die nächste Überraschung machen. Und dann fällt diese Mannschaft urplötzlich in alle Einzelteile auseinander. Von der 56. Minute bis in die Nachspielzeit hinein erleben Kicker, Verantwortliche und die mitgereisten Anhänger die unvergessliche Horror-Show von Dortmund. Straelens Trainerin Inka Grings wird in der anschließenden Pressekonferenz die starke Offensive des Gastgebers loben und die desolate Abwehrleistung ihrer Mannschaft beklagen. Was soll sie auch anderes machen ? Der Verfasser dieses Berichts hat ausnahmsweise nicht um einen Kommentar zum Spiel gebeten. Ganz einfach, weil man Fußballer und Trainer in bestimmten Situationen auch einmal in Ruhe lassen sollte.

Zum Spiel: Die erste kalte Dusche für den abstiegsgefährdeten Neuling gibt’s schon nach fünf Minuten. Da hebelt die Dortmunder Offensive, in der einige ganz feine Fußballer wie Torjäger Joseph Boyamba und Kapitän Herbert Bockhorn wirbeln, die Straelener Abwehr zum ersten Mal aus. Taylan Duman vollendet zum 1:0. Die Grün-Gelben schütteln sich nur kurz und haben wenig später die Antwort auf Lager. Straelens Mittelstürmer Shun Terada liefert sich im gegnerischen Strafraum ein Duell mit einem Dortmunder Verteidiger – plötzlich entscheidet Schiedsrichter Alexander Ernst auf Elfmeter. Kevin Weggen verwandelt ganz sicher zum 1:1. Danach sind die Schwarz-Gelben optisch überlegen. Die Grün-Gelben setzen Nadelstiche und sind durchaus gleichwertig. Gefährlich wird’s immer dann, wenn Terada in der Nähe des Balls auftaucht. Hüseyin Bulut markiert mit einem präzisen Lupfer (23.) das 2:1 für Dortmund. Kevin Weggen trifft mit einer traumhaften Direktabnahme genau in den Winkel (41.) und feiert mit den Straelener Fans.

Auweia: Der SV Straelen muss im Saison-Endspurt auch noch auf seinen zweikampfstarken Kapitän Fabio Ribeiro verzichten, der in der zweiten Halbzeit einen Muskelfaserriss erlitt. Foto: Ja/Venn, J. (jven)
„Kann ich Dir irgendwie helfen, Inka ?“ BVB-Trainer Alen Terzic war das Schützenfest seiner Mannschaft fast schon etwas peinlich. Foto: Ja/Venn, J. (jven)

In der Pause zeigt sich Straelens Präsident Hermann Tecklenburg sichtlich angetan von der Vorstellung der Gäste und schnorrt bei Co-Trainer Stefan Post eine Zigarette. Zu Beginn der zweiten Hälfte wird der SV Straelen frech. Und reißt das Geschehen vermeintlich an sich. Dabei springen einige Ecken und Freistöße heraus, bei denen sich mit etwas Glück die Kugel auch mal im gegnerischen Tor verirren kann. Der Schuss geht nach hinten los. Gianluca Rizzo nutzt die erste Dortmunder Chance nach Wiederanpfiff zum 3:2 (56.) Eine Minute später legt Boyamba nach einem Aussetzer von Kai Schwertfeger zum 4:2 nach. Anschließend wird’s peinlich für den SV Straelen – der Borussia Dortmund II spielt wie entfesselt auf und trifft praktisch im Fünf-Minuten-Takt. Bleibt festzuhalten: Der SV Straelen ist noch lange nicht abgestiegen.

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