So war die Nacht der offenen Gotteshäuser Warum Issumer plötzlich Bohnen in den Taschen haben

Issum · Was die Gemüsesamen mit der Nacht der offenen Gotteshäuser in Issum zu tun haben und was alles geboten wurde. Es ging um das Thema Dankbarkeit mit praktischen Beispielen, besonderer Beleuchtung, Musik und Süßigkeiten.

Die evangelische Kirche war eine von vier Stationen bei der Nacht der offenen Gotteshäuser in Issum.

Die evangelische Kirche war eine von vier Stationen bei der Nacht der offenen Gotteshäuser in Issum.

Foto: Norbert Prümen

In den nächsten Tagen wird es immer mal wieder vorkommen, dass aus den Taschen manches Issumers getrocknete weiße Bohnen fallen. Warum? Die spielten eine kleine Hauptrolle bei der Nacht der offenen Gotteshäuser.

Das große Thema des Abends war: „Gott sei Dank für...“. In der evangelischen Kirche gab es dazu eine Geschichte. Über einen Mann, der im Laufe eines Tages getrocknete Bohnen von der einen in die andere Hosentasche steckte, immer wenn er sich über etwas freute und dankbar war.

Vier Bohnen erhielten die Besucher bei der Station in der evangelischen Kirche in Issum. Damit war eine Geschichte und eine Aufgabe für den Alltag verbunden.

Vier Bohnen erhielten die Besucher bei der Station in der evangelischen Kirche in Issum. Damit war eine Geschichte und eine Aufgabe für den Alltag verbunden.

Foto: Bianca Mokwa

Um das im Alltag einzuüben, bekam jeder Teilnehmer drei Bohnen mit, nein, vier. Die vierte Bohne sollte gut sichtbar zu Hause hingelegt werden, sagte Pfarrerin Yvonne Brück. „Die ist dafür da, dass Sie wissen, Sie sind ein Geschenk Gottes. Und dafür dürfen Sie Gott Danke sagen, dass es Sie gibt.“ Im Laufe der vier Stationen der Nacht der offenen Gotteshäuser gab es für die Teilnehmer jede Menge zu entdecken, mitzusingen und kleine Geschenke.

So wartete an der ersten Station, dem jüdischen Bethaus in Issum, eine süße Überraschung auf die Gäste. Christiane Brall vom Arbeitskreis jüdisches Bethaus wünschte allen ein gutes neues Jahr mit einem bisschen was Süßem: in Honig eingelegte Apfelstücke.

Neues Jahr mitten im September? Das macht Sinn, denn für die Juden ist Neujahr. Sie haben einen anderen Kalender als wir. Eine Rolle spielt dabei das Blasen des Widderhorns. Die Geschichte dazu gibt es im Alten Testament, das für die Juden und Christen gleichermaßen eine Bedeutung hat.

Zwar nicht begleitet vom Widderhorn, sondern von anderen Blasinstrumenten, wurden hebräische Lieder angestimmt, die bis nach draußen schallten. Denn die ehemalige Synagoge in Issum ist sehr klein, so dass einige Besucher draußen der Veranstaltung lauschten.

Die nächste Station war die katholische Kirche. Der Eingangsbereich war in grünes Licht getaucht, der Altarraum lila beleuchtet. Zur Ruhe kommen war angesagt. Es gab eine Meditation zum Sonnengesang von Franz von Assisi.

Die Erklärungen und den wechselnden Sprechgesang trugen Brigitte Voß und Alfred Weggen vor. Nach der Meditation gab es noch die Gelegenheit, sich in der Kirche umzuschauen. Als eine Dame sich das bunte Bild von Franz von Assisi, das im Altarraum aufgestellt war, anschauen wollte, ermutigte sie Diakon Weggen ruhig näher heranzugehen. „Einfach anschauen, wirken lassen, es gibt hier keinen Taburaum“, sagt er. Ihm ist es wichtig, dass „sich Kirche mal anders darstellt, sympathisch“, sagt er. Die Nacht der offenen Gotteshäuser ist dabei eine Möglichkeit, einfach mal den Kirchengebäuden einen Besuch abzustatten und miteinander ins Gespräch zu kommen.

„Das gibt es so auch nur in Issum“, sagt Werner Brall vom Arbeitskreis jüdisches Bethaus. Das Besondere: alle vier Gotteshäuser sind nah beieinander und zu Fuß zu erreichen. So wurde immer eine kleine Zeitspanne für den Spaziergang eingeplant, bevor es an der nächsten Station weiterging.

Die Reihenfolge war nicht zufällig gewählt. Als Wurzel des christlichen Glaubens stand das jüdische Bethaus als erstes auf dem Programm, es folgten nach der kirchengeschichtlichen Entwicklung die katholische Kirche, die evangelische Kirche und dann die freie Kirchengemeinde, die Christliche Gemeinde Issum.

Dort erwarteten ein Musikteam und Johanna Overhoff die Besucher. Ihr Mann Ralf Overhoff ermunterte in einer kleinen Predigt die Zuhörer „im Kopf umzuparken“.

Es ging darum, die Floskel „Gott sei Dank“, die einem im Alltag so flott über die Lippen rutscht, mit Leben zu füllen. Es ging aber auch um den Blick auf schwierige Zeiten, wenn das Danken schwer fällt. „Wir können Gott danken, dass er uns begleitet, auch in schwierigen Zeiten.“ Damit knüpfte er an die Worte an, die schon Yvonne Brück in der evangelischen Kirche den Besuchern zugesprochen hatte: „Gott hat eine Entscheidung getroffen. Er bleibt bei uns.“ „Gott ist die Liebe“, ergänzt Ralf Overhoff. „Er gönnt es uns von Herzen, wenn wir uns freuen.“ Er erinnert an die Zusagen aus der Bibel, das Gott treu ist und die Menschen lieb hat. „Deswegen lasst uns das kürzeste Gebet ruhig öfters beten: ,Gott sei Dank`“, ermutigte der Issumer.

Die ein oder andere Bohne in den Taschen der Issumer wird sicher dafür sorgen, dass die Erinnerung an den gemeinsamen Abend nicht so schnell verblasst.

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