So nachhaltig sind die Schulen im Gelderland

Schulleben und Nachhaltigkeit im Gelderland : Klimaschutz geht nicht von der Couch aus

Bei der Demonstration Fridays for Future waren einige Gelderner Schüler dabei. Aber wie nachhaltig sind unsere Schulen wirklich? Die Sevelener freie Gesamtschule Facettenreich hat dabei in der Region die Nase vorn.

Die Plakate sind von der Fridays-for-Future-Demonstration am vergangenen Freitag noch übrig. Linus aus der Klasse 7 der Freien Gesamtschule Facettenreich in Sevelen war dabei. „Ich habe die Aktion lange verfolgt und mich schon gewundert, warum hier nix passiert.“ Bewusst sei die Teilnahme an der Demo aber nicht als Schulveranstaltung angeboten worden, sagt Tina Liehr, die gemeinsam mit Olaf Peim die Schule leitet.

Wenn sie über Nachhaltigkeit an ihrer Schule spricht, muss sie nicht lange nachdenken. Es gibt viel zu erzählen. 2018 gab es den Klimapreis von Innogy, zum Beispiel für den Schulgarten. Was dort wächst, wird in der eigenen Schulküche verarbeitet. Die Kinder halten ab Klasse fünf Vorträge. „Oft zu knackigen Themen“, sagt Tina Liehr, etwa über virtuelles Wasser oder bedrohte Tierarten. „Die Kinder fuchsen sich da rein und werden zu Experten.“ Das hat Folgen. Die Kinder wollen nicht nur lernen, sondern auch was tun. „Klimawandel geht nicht von der Couch aus“, stellt Siebtklässler Matthias klar. Klimaschutz auch nicht. Deswegen packen alle mit an. Der Schulgarten ist gewachsen. 1000 Pflanzen wurden von „La Bio“ aus Straelen dafür gespendet. Auf einer 350 Quadratmeter großen Fläche wird außerdem Tim mit seinen Schulfreunden einen Blühstreifen anlegen. In den nächsten Tagen kommen die ersten Bienenvölker an die Sevelener Schule. „Was wir als Schulleitung machen: Wir ermöglichen. Wir legen keine Steine in den Weg“, erklärt Tina Liehr.

Weil nicht alles in der normalen Unterrichtszeit geht, müssen die Kinder auch privat Zeit investieren, erklärt Tina Liehr. Aktuell arbeiten die Schüler der Jahrgangsstufe 7 am Jahresprojekt „Weltverbesserung“. Yannik beschäftigt sich mit dem Thema Mobilität. Wer sich von seinen Eltern von Geldern zur Schule bringen und abholen lässt, der produziert 12 Kilo Co2, rechnet der Schüler vor. Die Idee ist, das Fahrradfahren attraktiver zu machen. Eine Idee ist, die Kilometer, die mit dem Fahrrad bei der Fahrt zur Schule gemacht werden, als zusätzliche Leistung unter Sport auf dem Zeugnis eintragen zu lassen.

32 Kinder der Jahrgangsstufe 7 arbeiten aktuell daran, dass die Welt ein Stück besser wird. Tina Liehr spricht von einem Prozess. Einem, an dem jeder sich beteiligen kann. „Denn ich entscheide mit dem, was ich in den Einkaufswagen lege“, sagt sie und verweist auf das Projekt von Matthias und Henri, die sich mit dem Schutz des Regenwaldes beschäftigen und unter anderem über die Rodung für Palmölpflanzen aufklären. Eine Gruppe Mädchen hat sich mit dem Thema Massentierhaltung auseinandergesetzt und wird als Multiplikatoren in Kindergärten und Grundschulen darüber erzählen.

Andere Schulen des Gelderlandes machen sich ebenfalls auf dem Weg. Am Lise-Meitner-Gymnasium soll bald ein Wasserspender (und Glasflaschen) für alle Schüler zur Verfügung stehen, das Straelener Gymnasium bekam den IHK-Schulpreis für ihr Bienen-Unternehmen. An der Liebfrauen-Realschule soll eine Fair-Trade-Gruppe entstehen, das Friedrich-Spee-Gymnasium war eine der ersten Schulen in Geldern mit Solaranlage auf dem Dach, die Sekundarschule Straelen-Wachtendonk plant vor den Sommerferien eine Projektwoche zum Insektensterben. Bei der Robert-Jungk-Gesamtschule wird Essen, das vom Mittag übrig ist, gegen eine Spende von einem Euro abgegeben. Das Geld geht dann an Mary’s Meal für Schulkinder in armen Ländern. Die Aufzählung ist auf keinen Fall abschließend.

„Wir können uns vor dem Anliegen der Jugendlichen nicht verschließen“, sagt Joachim Domogalla, stellvertretender Schulleiter der Liebfrauen-Realschule. „Das hat natürlich Auswirkung auf Schule“, erklärt Michael Schwär von der Sekundarschule Straelen-Wachtendonk. „Denn Umwelt geht uns schließlich alle an.“

Mehr von RP ONLINE