Geldern: So läuft das Kita-Leben im Container

Geldern : So läuft das Kita-Leben im Container

Seit November hat die Übergangslösung der Lebenshilfe-Kita Wichardstraße geöffnet. In den Modulen betreuen die Erzieher fast 40 Kinder. Die Eltern hatten anfangs Bedenken, mit denen der Kita-Leiter Jan Gottschlich aufräumen will.

Wenn es regnet, wird es richtig laut in der Kita an der Wichardstraße. Wenn die Kinder springen oder die Waschmaschine läuft, wackelt der Boden. Ansonsten ist die Einrichtung, die zum Übergang in Containern beherbergt ist, wie jeder andere Kindergarten auch. In zwei Gruppen betreuen die Erzieher dort fast 40 Kinder auf etwa 330 Quadratmetern. Gelb wie die Sonne und rot wie ein Herz – so können die Kinder die Gruppen unterscheiden.

Jan Gottschlich leitet die Kita, die im November eröffnet hat. Der 41-Jährige hatte zuvor zwei Einrichtungen der Lebenshilfe in Oberhausen geführt. Nun baut er zusammen mit fünf Erziehern und einer Hauswirtschaftskraft die neue Kita auf. Er wird auch die Leitung übernehmen, wenn das Team mit den Kindern in den Neubau zieht. „Alle Mitarbeiter kommen aus dem Umfeld der Lebenshilfe und wollten den Aufbau einer neuen Kita mitgestalten“, sagt Gottschlich. „Das Schöne ist, dass wir die Strukturen vollkommen selbst bestimmen können. Von den Öffnungszeiten bis zum pädagogischen Konzept.“

Mit der Unterbringung in den Container habe er sich aber erst einmal auseinandersetzen müssen, sagt Jan Gottschlich. „Das hier sind Kompromisslösungen. Dennoch war es uns wichtig, den Container zu einer richtigen Kita zu machen.“ Die vorgegebenen Quadratmeterzahlen erfüllt die Kita. „Die Modulbauweise lässt natürlich nicht so viel Atmosphäre zu“, sagt Andrea Weyers von der Lebenshilfe. „Die Ausstattung und das Personal sorgen dafür, dass es nicht nur ein Container ist.“

Der Schwerpunkt seiner Arbeit soll auf Inklusion liegen. Das wird allerdings erst richtig in den neuen Räumen zum Tragen kommen. Kinder mit Autismus zum Beispiel würden hier nicht klarkommen, sagt Gottschlich. „Es wäre wahrscheinlich zu laut und zu eng.“ Zudem fehlen in den Containern Therapieräume, die es in dem Neubau geben wird sowie eine Kooperation mit der Frühförderstelle. Dann werden Therapeuten, Logopäden, Heilpädagogen oder Physiotherapeuten direkt in die Kita kommen und mit den Kindern arbeiten, aber auch die Eltern beraten. „Partizipation in allen Richtungen ist unser Ziel.“

Derzeit bekäme noch keines der Kinder besondere Förderung. „Vor allem Störungen in der sozial-emotionalen Entwicklung oder Autismus stellt man oftmals erst später fest“, sagt der Kita-Leiter. Die Kinder kennen die Erzieher aber schon gut. „Man kennt seine Pappenheimer“, sagt Gottschlich und lacht. „Und es ist erstaunlich: Es zeichnet sich schon nach zwei Wochen ab, bei welchen Kindern wohl Förderungsbedarf steht.“

Alle Materialien und Möbel sollen in das neue Gebäude wandern, sobald es fertig ist. Die Einrichtung wird dann noch aufgestockt für insgesamt 85 bis 90 Kinder in vier Gruppen. Das Team soll dann etwa zwölf bis 14 Personen umfassen. Nur Kinder ab drei Jahren. Wenn die Gruppen dann in den Neubau ziehen, sollen auch Kinder unter drei Jahren hinzukommen.

Derzeit haben die beiden Gruppen jeweils zwei Räume – einen zum Spielen und Essen, einen zum Ausruhen. Zur Eingewöhnung gibt es noch ein Elterncafé. Dort können die Kinder sich langsam an die neuen Räume und die Erzieher gewöhnen und sich von ihren Eltern lösen. Sobald sich alle Kinder eingewöhnt haben, soll dort ein Turnraum entstehen. Der Spielplatz ist aktuell noch eine Sandfläche. Bis zum Ende dieses Monats soll hier ein richtiger Spielplatz entstehen. Der Plan ist, den Boden zu pflastern, damit die Kinder hier mit Fahrzeugen fahren können. Auch einen richtigen Sandkasten soll es geben.

Auch das Essen hat ein wenig auf sich warten lassen, es startet erst in der kommenden Woche. Dann kommt es von einem Caterer, wird in dem Kindergarten fertig gegart. Frühstück macht die Hauswirtschaftskraft selbst. Die Eltern hatten anfangs Bedenken, gibt Gottschlich zu. „Bei dem Wort Container hat man nun mal eine bestimme Vorstellung“, sagt der 41-Jährige. „Die Bedenken haben wir aber mit dem ersten Besuch eigentlich beseitigt. Nun haben wir mit allem zu tun, was auch in anderen Kitas wichtig ist.“