Sexueller Missbrauch: Onkel muss ins Gefängnis

Prozess in Kleve : Onkel aus Wachtendonk wegen Missbrauchs verurteilt

Ein 53-jähriger Mann aus Wachtendonk ist am Dienstag zwar vom Vorwurf der Vergewaltigung eines Kindes freigesprochen worden. Wegen eines anderen sexuellen Delikts wurde er aber zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt.

Seine 31-jährige Cousine hatte am ersten Verhandlungstag ausgesagt, im Alter von etwa zehn Jahren von dem Mann mit Handschellen ans Bett gefesselt und vergewaltigt worden zu sein (die RP berichtete).

Der Vorsitzende Richter Christian Henckel erklärte, dass die Kammer keine grundsätzlichen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Belastungszeugin habe – jedoch sei der Tatvorwurf nach 20 Jahren nicht mehr feststellbar. „Die Schwierigkeiten bei der Feststellung können nicht zulasten des Angeklagten gehen“, erklärte der Richter.

Der damalige Mieter der Wohnung und Bruder des Angeklagten sowie dessen Lebensgefährte erklärten am Dienstag im Zeugenstand, dass sie weder Handschellen besessen haben, noch ein Bett, an dem sich Handschellen in beschriebener Form hätten befestigen lassen. Zuvor hatten sie dem Angeklagten ein Foto des angeblichen Bettes geschickt, das in die Beweisaufnahme einging.

Verurteilt wurde der Angeklagte jedoch wegen versuchten sexuellen Missbrauchs eines Kindes – weil er sich im Jahr 2000 vor derselben Cousine entblößt und sie zum Anfassen seines Geschlechtsteils aufgefordert hatte. Anders als beim Vorwurf der Vergewaltigung sei die Tat trotz des großen Zeitabstandes ausreichend feststellbar, sagte der Richter.

Wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, wurde der Mann am Dienstag zu acht Monaten Haft verurteilt, die mit einem Urteil von Dezember 2017 zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung zusammengefasst wurden. Die Verteidigung des Angeklagten, der alle Tatvorwürfe von sich wies, hatte Freispruch in allen Punkten beantragt. 2017 war der 53-Jährige wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes und der Herstellung kinderpornografischer Inhalte zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt worden.