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Todesfall in Geldern: Seniorin stirbt im Wasser am Nierspark

Todesfall in Geldern : Seniorin stirbt im Wasser am Nierspark

Am Samstagmorgen trieb der leblose Körper einer 80-Jährigen im flachen Wasser am Niersforum. Die Frau war aus dem anliegenden Seniorenheim weggelaufen und gestorben.

Das Wasser in dem Betonbecken am Niersforum, in dem im Sommer oft Kinder spielen, ist flach, es reicht einem Erwachsenen vielleicht bis zu den Knien. Nur wenige Meter weiter sind die Polizeiwache, das Finanzamt und die Seniorenresidenz Bellini. Auf der glatten Wasseroberfläche lag am frühen Samstagmorgen ein lebloser Körper, das Gesicht nach unten gedreht.

Die Person, die am Samstag in dem Wasserbecken am Nierspark starb, war eine 80 Jahre alte Bewohnerin des angrenzenden Seniorenheims. Das bestätigte die Polizei in Kleve. Die Seniorin war an Demenz erkrankt und neigte offenbar dazu wegzulaufen. Regelmäßig kontrollierten die Pflegekräfte des Altenheims ihr Zimmer, teilt Corinna Saccaro von der Kreispolizei Kleve mit.

Laut Polizeibericht habe man um 5.15 Uhr zuletzt in ihrem Zimmer nach dem Rechten geschaut, da habe die Seniorin noch im Bett gelegen. Zwei Stunden später, als die Pfleger das Zimmer erneut kontrollierten, war die 80-Jährige verschwunden, ihr Bett leer. „In diesem Zeitfenster von zwei Stunden muss sie also das Haus verlassen haben“, sagt Saccaro. Die Pflegekräfte suchten nach der Frau und fanden sie in dem Wasserbecken, direkt neben dem Seniorenheim. Der Notruf bei der Polizei ging um 7.14 Uhr ein.

„Die Pflegekräfte haben die Frau aus dem Wasser gezogen und erste Hilfe geleistet“, sagt Polizeisprecherin Corinna Saccaro. Auch ein Notarzt sei hinzugerufen worden, doch die Reanimation blieb ohne Erfolg. „Da war die Frau vermutlich bereits tot.“ Woran die 80-Jährige gestorben ist, steht aber noch nicht fest. Eine Obduktion soll klären, ob sie in dem flachen Gewässer ertrunken ist oder ob der Tod eine „innere Ursache“, wie einen Herzinfarkt, hatte. Darum laufe bei der Polizei ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren. Wenn es keine Hinweise auf eine Fremdeinwirkung gebe, gehe man von einem Unglücksfall aus. Einen Verdacht auf fahrlässige Tötung gebe es nicht, sagt Corinna Saccaro. „Ein Seniorenheim ist keine geschlossene Einrichtung, sondern ein offenes Haus, in dem jeder ein- und ausgehen kann.“

„Wir bedauern zutiefst, dass es zu diesem tragischen Vorfall gekommen ist“, schreibt Anja Figge, Pflegedienstleiterin des Bellini-Seniorenheims. „Aus Rücksicht auf das Persönlichkeitsrecht der Betroffenen und ihrer Angehörigen können wir derzeit keine näheren Angaben zur Person und den genauen Umständen machen.“ Man ergreife aber „alle gebotenen Maßnahmen zur Sicherstellung einer optimalen Versorgung“ der Bewohner. Man wolle sowohl die Sicherheit der Senioren als auch ihre Freiheit bewahren. Eine geschlossene Tür gebe es aber nicht, das Seniorenheim sei ein offenes Haus.

Bereits im August 2017 war ein Bewohner des Heims weggelaufen. Der 90-Jährige galt über eine Woche lang als vermisst, bis ein Landwirt ihn tot am Niersufer fand – nur wenige Hundert Meter von der Seniorenresidenz entfernt. Die Polizei nahm an, dass der Leichnam schon mehrere Tage dort gelegen hatte. Der Mann war eines natürlichen Todes gestorben, vermutlich an Versagen des Herz-Kreislauf-Systems. Zu Veränderungen seit dem ersten Vorfall und zu möglichen Konsequenzen nach dem Tod der 80-jährigen Bewohnerin gab es aus der Seniorenresidenz keine Stellungnahme.

Einen weiteren Bericht zur Sicherheit in Altenheimen finden Sie auf der Seite A3.