Gelderland: Sekundarschule gegen Gesamtschule

Gelderland: Sekundarschule gegen Gesamtschule

Straelen und Wachtendonk sind fest entschlossen, ihre gemeinsame Sekundarschule gegen das Schulprojekt in Geldern zu sichern. Sie wollen die Vorzüge ihrer Bildungseinrichtung deutlicher herausstellen. Abgestimmtes Vorgehen geplant.

In der friedlichen Vorweihnachtszeit zeichnet sich ein handfester Konflikt ab. Zwischen Geldern auf der einen Seite sowie Straelen und Wachtendonk auf der anderen. Ursache ist die Gründung einer Gesamtschule in Geldern, die der dortige Rat am 8. November beschlossen hat. Dadurch sehen Straelen und Wachtendonk ihre durch einen gemeinsamen Zweckverband getragene Sekundarschule in Gefahr. Und sie erwecken den Eindruck, als wollten sie die Zukunft ihrer Bildungseinrichtung, die am Standort Straelen am 22. August 2012 und ein Jahr später auch in Wachtendonk startete, unter allen Umständen sichern.

Verärgerung herrscht sowohl in der Blumenstadt als auch in der Niersgemeinde über das Vorgehen der Gelderner. Stefan Kemmerling (GO/Grüne) mahnte in der jüngsten Sitzung des Straelener Ausschusses für Bürgerdienste, man solle wieder zu der regionalen Schulentwicklungsplanung zurückkehren, die Geldern, Kerken, Issum, Rheurdt, Straelen und Wachtendonk 2010 in Auftrag gaben. Kämpferischer äußerten sich die Wachtendonker Kommunalpolitiker in der letzten Ratssitzung dieses Jahres. "Wir haben unter dem Tohuwabohu der Gelderner Schulpolitik zu leiden", schwant Ludwig Ramacher von Bündnis 90/Grünen. "Wir sollten dem Gelderner Alleingang nicht zusehen", fordert Matthias Küppers (WWG). "Wir müssen aggressiver versuchen, unsere Schüler zu halten", wünscht sich Hans-Joachim Ebel (SPD). Warnsignale kommen von der Leitung der Sekundarschule Straelen/Wachtendonk. Sie sieht eine große Gefahr darin, dass die traditionell nach Straelen orientierten Walbecker Kinder nach Geldern abwandern könnten. Eine weitere Gesamtschule im Südkreis Kleve (nach der Dependance der Robert-Jungk-Gesamtschule in Aldekerk, d. Red.) bedeute eine weitere Schwächung der Schulform Sekundarschule. "Ob politisch gewollt oder nicht, leidet das Renommee der Sekundarschule darunter", schreibt die Schulleitung in ihrer Stellungnahme für die Verwaltungen und politischen Gremien in Straelen und Wachtendonk.

Die Verantwortlichen in den beiden Rathäusern wollen das weitere Vorgehen in dieser Sache abstimmen, kündigte Wachtendonks Bürgermeister Hans-Josef Aengenendt seinen Ratsmitgliedern an. Die forderten, die Vorteile der Sekundarschule noch deutlicher zu machen. "Bei vielen Eltern herrscht noch viel Unwissenheit darüber, was an der Sekundarschule möglich ist", stellt Marlies Brückner (CDU) fest. Auch Grundschullehrern müsse man die Vorzüge der Sekundarschule klar machen, ergänzt Ruth Bechler (WBV), die Lehrerin an der Sekundarschule ist.

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Die Stärken der Sekundarschule liegen unter anderem in der Partnerschaft mit dem Gymnasium Straelen, durch die das Abitur möglich ist, und in der Partnerschaft mit dem Berufskolleg. "Die Jugendlichen müssen wieder das goldene Handwerk erlernen", wendet sich Georg Camp (CDU), auch mit Blick auf den Fachkräftemangel, gegen die ausschließliche Konzentration aufs Studium. Sein Parteifreund Joachim Oomen hält eine bessere Kooperation der Sekundarschule mit den Grundschulen für notwendig. Nach Angaben von Angelika Trost von der Wachtendonker Verwaltung laufen in einen Arbeitskreis bereits Überlegungen bezüglich einer intensiveren Zusammenarbeit und einer besseren Außendarstellung.

Eine Gesamtschule habe ihre Berechtigung, meint Marlies Brückner: "An der richtigen Stelle in der richtigen Konstellation." In Geldern hingegen würden durch die Neugründung gut laufende Schulen kaputt gemacht. Ein Argument, dass bekanntlich auch in Geldern selbst zu scharfen Elternprotesten gegen die neue Gesamtschule geführt hat. Das Schulprojekt in Geldern halten die Wachtendonker letztendlich nicht für überlebensfähig. "Da wird Nicht-Zukunftsfähiges aus dem Boden gestampft", urteilt Bruno Jöbkes (Bündnis 90/Grüne). Er bezieht sich auf das Diktum von Fachleuten, die die geplante Gesamtschule für zu klein halten.

(RP)