Geldern: Sekundarschüler wollen Gesamtschüler werden

Geldern: Sekundarschüler wollen Gesamtschüler werden

Bunte Luftballons trugen gestern hundertfach ein und denselben großen Wunsch junger Menschen in den blauen Himmel: Dass die Sekundarschule Niederrhein zur Gesamtschule werden darf. "Dass wir mit der Umwandlung eine gute Zukunft haben wollen", sagt Angelina (12). "Wenn man die Schule auslaufen lassen würde und wir mit einem Sekundarschulabschluss abgehen, dann kennt die Sekundarschule vielleicht schon gar keiner mehr."

Die mehr als 360 Kinder aus allen Jahrgängen, also den fünften bis achten Klassen, hatten ihre Hoffnungen für ihre Schule auf Postkarten geschrieben. Am Mittag versammelten sich alle auf dem Hof, und aufs Kommando ließen die Kinder und Jugendlichen die Karten an Balons in die Höhe steigen.

Ein Anliegen war quasi immer dabei: "Dass mit der Umwandlung alles gut verläuft", sagt Jonas (13), "so dass die Kinder bessere Möglichkeiten haben, in ihrer Zukunft was zu erreichen." Aber viele Postkarten erzählten auch von Ängsten vor Veränderungen oder lieferten Lob für die Sekundarschule. "Weil wir uns hier aufgehoben fühlen, weil wir uns wohlfühlen bei den Lehrern", erzählen etwa die Achtklässler Dennis und Marco.

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Organisiert worden war die Luftballon-Aktion nicht von der Schule, sondern von Eltern. Man wolle, dass in der großen Diskussion, die in Geldern geführt werde, auch die Stimmen der Kinder gehört werden, erklärte Mutter Susann Grote. Denn die haben ernste Sorgen, ergänzt Mutter Anja Müller. "Die haben verstanden: Wenn sie sich auf einen Praktikumsplatz oder einen Ausbildungsplatz bewerben, dann ist es schlechter, wenn sie von einer Schule kommen, die ausläuft." Ihr Sohn Finn hat das schon mal mitbekommen müssen: Er ist früher, bis zu einem Umzug der Familie, auf die auslaufende Käthe-Kollwitz-Hauptschule in Sevelen gegangen. "Wir wollten das eigentlich nicht noch mal erleben", sagt die Mutter.

Der Pflegschaftsvorsitzende der Sekundarschule, Mario Schellbergen, ist verhalten optimistisch, dass es mit der Umwandlung klappt. Aus Politik und Stadtverwaltung seien zuletzt sehr positive Signale dafür gekommen.

(RP)
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