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Schüler des Friedrich-Spee-Gymnasiums machen Weltpolitik

UN-Vollversammlung in Geldern : Schüler spielen für einen Tag Weltpolitik

Zwei Jugendoffiziere der Bundewehr waren am Friedrich-Spee-Gymnasium zu Gast, um ein Konfliktplanspiel vorzustellen, bei dem die Weltgemeinschaft eine friedliche Lösung für den Syrienkonflikt im Jahr 2014 finden muss.

Im Friedrich-Spee-Gymnasium Geldern hat sich hoher Besuch angekündigt. Die Staats- und Regierungschefs von 13 Ländern sind zu Gast. Hinter der Tür des Forums 1, wo sonst der Musikunterricht stattfindet, tagt an diesem Vormittag die UN-Vollversammlung. Gerade ertönt die amerikanische Nationalhymne. Dann tritt der frühere Präsident Barack Obama ans Rednerpult und führt aus, was sein Land gegen den Aufstieg der Terrormiliz „Islamischer Staat“ in Syrien unternehmen will.

Es ist das Jahr 2014. Jedenfalls will es das Konfliktplanspiel so, mit dem die beiden Jugendoffiziere Markus Erxleben und Mandy Böer der Bundeswehr an diesem Tag im Gelderner Gymnasium zu Gast sind. Barack Obama ist nicht der echte Barack Obama, sondern ein Schüler aus dem Fach Sozialwissenschaften, der für einen Tag in die Rolle des früheren Präsidenten schlüpfen darf. „Unser Land wird Assad bekämpfen, um nicht den Frieden in der Welt zu gefährden“, sagt er staatstragend. „Deshalb werden wir nur die Gebiete aus der Luft angreifen, die vom IS eingenommen worden sind.“ Applaus. Die britische Nationalhymne ertönt. Als nächstes tritt David Cameron vors Mikrofon. So geht es an diesem Morgen Schlag auf Schlag, bis alle 13 Staaten ihre Position deutlich gemacht haben.

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Das Konfliktplanspiel ist eine interaktive und rollenbasierte Simulation, die Aspekte der internationalen Außen- und Sicherheitspolitik vermitteln soll. Ausgehend von dem Szenario des Aufstiegs des IS in Syrien und dem Irak, soll es den Teilnehmern ein Gefühl vermitteln, wie komplex und vielfältig der Weg von einer Krisenanalyse bis zu Konfliktlösung auf internationaler Ebene sein kann. „Keiner der Teilnehmer muss in die Rolle der Terrororganisation schlüpfen“, erklärt Hauptmann Markus Erxleben. „Vielmehr übernehmen sie die Rolle eines Staates und sollen als Weltgemeinschaft überlegen, wie sie den Konflikt gemeinschaftlich lösen können.“

Dabei geht es nicht nur um die drohende Gefahr durch den Terrorismus. Zur Diskussion steht auch, wie die Staaten mit den Flüchtlingsströmen in der Türkei, Jordanien und Europa umgehen wollen, wie sie den Schmuggel von Waffen und Öl verhindern und den innerstaatlichen Konflikt in Syrien beilegen können. Eine globale Herausforderung. Sehr komplex. Trotzdem haben die rund 40 Schüler des Friedrich-Spee-Gymnasiums nur einen Tag, um eine Lösung zu erarbeiten.

Hilfe bekommen sie von den beiden Jugendoffizieren, die den Schülern Maßnahmen vor Augen führen, wie sie in Syrien eingreifen können. Zunächst wird eine internationale Beratungsphase einberufen. Wird eine Friedensmission gestartet? Wer stellt welche Mittel zur Verfügung? Am Ende sollen die Schüler auf einer großen Karte mithilfe von Spielsteinen ihre Strategie präsentieren. Schicken sie das Militär oder Diplomaten, kommen Entwicklungshelfer zum Einsatz oder werden Blauhelmtruppen entsandt? „Während der Simulation präsentieren die Teilnehmer die eigenen Ziele. Es soll überprüft werden, ob eine größtmögliche Akzeptanz unter den anderen erreicht werden kann, um eine Resolution im UN-Sicherheitsrat zu verabschieden“, sagt Erxleben. „So erfahren sie, dass sich internationale Konflikte häufig nur lösen lassen, wenn alle am gleichen Strang ziehen und bereit sind, Kompromisse einzugehen.“

Nico ist 16, besucht den Sowi-Leistungskurs und kann sich vorstellen, nach dem Abitur Politikwissenschaften zu studieren. Das Konfliktplanspiel sei eine gute Gelegenheit, Politik auch mal ganz praktisch kennenzulernen. Außerdem sei deutlich geworden, dass es nicht immer nur Lösung A oder B geben kann. Die Welt sei viel komplexer.

Auch für Marlon ist der Tag eine besondere Erfahrung. Er muss in die Rolle des früheren britischen Premierministers David Cameron schlüpfen. „Mich verbindet gar nichts mit ihm“, sagt er. Als Cameron 2016 zurücktrat, war Marlon elf Jahre alt. Trotzdem kann er dem Spiel etwas Positives abgewinnen. „Es schult nicht nur die Rhetorik, sondern stärkt auch die Empathiefähigkeit.“ Dass er nach der Schule in die Politik einsteigt, sei allerdings unwahrscheinlich. „Ich interessiere mich mehr für Angewandte Chemie.“