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Schüler der Brüder-Grimm-Schule zu Besuch auf dem Golfplatz in Issum

Besonderer Ausflug der Klasse 3b Brüder-Grimm-Schule : Auf den Golfplatz statt ins Klassenzimmer

Die Klasse 3b war zu einem besonderen Ausflug eingeladen. Zu Fuß ging es zur nah gelegenen Anlage, dann ging es zum Putten, zum Chippen und Pitchen und zum Abschlag. Profitiert haben Schüler und Golfclub von dem Tag.

Nichts ist zu hören, außer vielleicht einem leichten „Klack“. Den Kinder bleibt nicht nur sprichwörtlich der Mund offen stehen. „125 Meter“, platzt es einem heraus. Der Drittklässler schaut nicht in die niederrheinische Weite, sondern in die Weiten des Golfplatzes in Issum. Einen Schultag verbringt die Klasse 3b der Brüder-Grimm-Schule im Freien und testet den Sport. Gerade schauen sie Golf-Professional Wayne Roets dabei zu wie der perfekte Abschlag geht. Die 125 Meter waren nicht geschätzt, entlang des Übungsplatzes stehen große Schilder mit Metern-Angaben.

Beim Zugucken bleibt es nicht. Jeder Schüler bekommt ein eigenes Feld. Es braucht Platz um den Schläger schwingen zu können. „Nein, noch ohne Ball“, mahnt der Professional. Unter Position 1 geht es darum, den Schläger mit gerade ausgestrecktem Arm zu halten, es folgen Positionen bis 8, dann sollte der Ball im besten Fall fliegen. „Das ist voll schwer, das schafft doch keiner“, sagt Alessio nach den ersten Versuchen. Der Ehrgeiz ist geweckt. „Ich bin hinter die Linie gekommen. Das war mein bester Schlag“, jubelt Jasper nach wenigen Minuten. Aber Weite ist eben nicht alles, es geht um die richtige Technik. Deswegen geht der Trainer mit den Schülern alle Positionen noch einmal durch. Und noch einmal. „Was ist Position 6?“ „Anpassen“, sagt Elfi. „Genau, deine Startposition.“ Mit von der Partie ist Klassenlehrerin Katrin von Helden. „Für die Klasse hier ist das ein tolles Erlebnis.“ Sie beobachtet die Kinder beim Abschlag und teilt die Freude. „Das packt die total. Die würden jetzt auch 100 Bälle schlagen.“ Aber es stehen ja noch andere Stationen an: das Putten, das Chippen und Pitchen. Die 28 Kinder der Schulklasse sind in drei Gruppen aufgeteilt.

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Auf dem Weg zum Putten ruft die eine der anderen Gruppe zu: „Das macht voll Spaß!“ Diesmal wird es nicht um Weite gehen, sondern um Genauigkeit. Aber erst einmal gibt es eine wichtige Frage zu klären. „Ist das Kunstrasen?“, will einer der Jungs wissen. Jugendwartin Irina Stachel vom Golfclub Issum-Niederrhein schüttelt den Kopf und erklärt: „Das ist alles eine Wiese, weißt du. Die wird vier Mal die Woche gemäht.“ Damit das „heilige Grün“ auch so schön grün bleibt, wird es regelmäßig gewässert. „Wie beim Fußballfeld, das wird in den Pausen auch nass gemacht“, erklärt einer der Schüler. Irina Stachel lacht: „Jetzt unterhalten wir uns nochmal über das Golfen.“ Enkel Jonas Stachel erklärt, was der richtige Schläger ist, um den Golfball auf kurze Distanz in das Loch zu bekommen. Mit dem richtigen Halten des Schlägers und dem Fixieren des Blicks auf das Loch ist es aber nicht getan. Die Ebene ist nicht flach wie ein Teller, die Wellen und Unebenheiten, leichte Schrägen müssen gesehen, beachtet und beim Schlag mitberechnet werden. Jonas Stachel macht es vor. Am Loch mit der Nummer 4 geht der Ball direkt ins Loch. „Das passiert nicht immer“, winkt er ab. Die Kinder sind dran. „Nur wegen der Stange ist der nicht reingegangen“, ärgert sich Henry kurz und versucht es gleich nochmal. „Bravo“, sagt Irina Stachel, als es kurz darauf klappt.

Drei Jahre war Pause, schon früher habe man immer wieder Schulklassen zum Issumer Golfplatz eingeladen. erzählt sie. Es gebe immer noch diese Hemmschwelle. Golf gelte immer noch als elitär. In Neuseeland habe sie es ganz anders kennengelernt. Dort sei es ein Familiensport. Für Eltern und Kinder. Das wünscht sie sich auch hier. Es gebe den Kindern viel, ist sie überzeugt. Es gehe um Disziplin, zum Golfsport gehören Regeln. Es geht aber auch um Fairness untereinander. Dann ist da noch die Weite des Platzes, das viele Grün, das auch Erwachsenen hilft, den Kopf einfach mal frei zu bekommen.

Nach drei Jahren Pause sei sie aber erschreckt über die Veränderung bei den Kindern. „Früher schlugen sie beim Abschlag, 70, 80 Meter, jetzt sind es 20 Meter.“ Auch Lehrerin Katrin von Helden berichtet, dass die Corona-Zeit an den Kindern nicht spurlos vorbeigegangen sind. „Das war die Altersgruppe, die mit am meisten darunter gelitten hat.“ Lange Zeit war kein Vereinssport möglich, kein Treffen mit Freunden zum draußen Bolzen, Fußballspielen oder einfach so zusammensein.

Mit einer kompletten Schulklasse den Golfsport ausprobieren zu können, sieht die Pädagogin als eine tolle Möglichkeit. „Es ist toll, weil es anders ist als Handball oder Fußball“, sagt sie. Alle fangen bei Null an. „Die Schüler, die sonst nicht oben mit dabei sind, können jetzt glänzen. Das ist auch für das Selbstbewusstsein toll.“

Jugendwartin Irina Stachel würde sich über Nachwuchsspieler freuen. Auf dem Platz wird sie von erfahrenen Golfspielerinnen angesprochen. „Und, Talente dabei?“, möchte eine Golf-Dame wissen. „Talente gibt es immer. Aber heute haben wir erst einmal einfach Freude dabei.“

Die ist auf beiden Seiten. „Die waren echt gut. Das hat viel Spaß gemacht“, sagt Golf-Professional David Burke, bei dem die Kinder das Chippen und Pitchen gezeigt bekamen, also Techniken, um den Ball mit dem Schläger dahinzubekommen, wo er hin soll. „Ich glaube, das war für die Kinder ein super Schultag“, sagt Irina Stachel am Ende des Vormittags. Und wenn man die munter plaudernde Runde auf dem Weg zurück zu Schule gesehen hat, dann ist das so.