Schornsteinfeger aus Wachtendonk über die Symbolträchtigkeit des Berufs

Neujahrs-Glücksbringer : Schwarzer Mann bringt Glück

Andreas Peeters aus Wachtendonk ist Bezirksschornsteinfegermeister und auch als Landes- und Bundesfunktionär viel unterwegs. Er spricht über die Symbolträchtigkeit und die Wandlungen seines Berufs.

Er ist der Mann, den wohl jeder mal braucht,

wenn einmal im Haus der Schornstein nicht raucht.

Junge und Alte bei uns hier im Land,

die geben dem pechschwarzen Herrn gern die Hand.

(aus dem Musical „Mary Poppins“, deutschsprachige Fassung unter anderem von Rex Gildo)

„Mary Poppins“ hätte sich Andreas Peeters gerne angesehen im Juni in Hamburg, als die Schornsteinfeger ihren Bundesverbandstag hatten. Die Organisatoren jedoch hatten mit „König der Löwen“ ein anderes Musical gebucht. Immerhin jedoch bekam der Wachtendonker, der als Landesinnungsmeister und Vizepräsident im Bundesverband ein viel beschäftigter Funktionär für die Schornsteinfeger ist, in der Hansestadt doch noch einige Kollegen in der traditionellen schwarzen Kluft zu sehen. „Die tauchten beim ,Tag der Schornsteinfeger’ in der Stadt auf“, erinnert er sich an die PR-Aktion.

Ums Image muss sich Peeters keine Sorgen machen. Auch im frühen 21. Jahrhundert ist der Schornsteinfeger als Glücksbringer noch begehrt. Ein Status, der ihm seit dem Mittelalter anhaftet. Damals waren offene Feuerstellen die Regel und Brände deshalb häufig. „Daraus haben sich erste Kehrordnungen ergeben“, erklärt Peeters. Die Essen wurden fürderhin regelmäßig gereinigt. Und bei den Menschen verfestigte sich das Gefühl: Der Schornsteinfeger war da, die Brandgefahr ist gebannt.

Im Internet, etwa auf schornsteinfeger.info, gibt es auch andere Herleitungen. Angeblich konnten Dämonen oder Hexen durch den Kamin ins Haus gelangen. Und die Schornsteinfeger hielten sich genau dort auf, wo Geister, Hexen und Dämonen vermutet wurden. Bedeckt von Ruß, sahen sie ziemlich furchterregend aus, die „schwarzen Männer“. Sie sahen also genau so aus, wie sich die Menschen damals ein Abbild des Teufels vorstellten. Und ihnen wurde die Fähigkeit zugesprochen, anderes Böse zu bannen.

Auf kleine Kinder vor allem macht der „Mann in Schwarz“ immer noch Eindruck. „Wir kommen als Glücksbringer gut an“, weiß Peeters, der noch von seiner Tätigkeit bei der Feuerwehr her guten Kontakt zu Kindertagesstätten hat. Bei seinen Besuchen bringt er Playmobil-Schornsteinfeger und Schornsteinfeger-Bilderbücher mit. „Erwachsene fassen eher an, wenn’s ihnen schlechter geht“, so der 56-Jährige. Doch wann immer er des Weges kommt, wenn gerade ein Hochzeitspaar abgelichtet werden soll, wird er mit aufs Bild gebeten. Und manchmal wird er auch angerufen, ob er nicht bei einer Trauung dabei sein möchte, um das Eheglück als weiteres Glückssymbol zu stärken. „Da sag’ ich nicht Nein, das ist ja Öffentlichkeitsarbeit.“ Ehrensache, dass die frischgebackenen Eheleute einen Mini-Schornsteinfeger geschenkt bekommen.

An der Symbolträchtigkeit des Schornsteinfegers hat sich seit Jahrhunderten nichts geändert. Der Beruf jedoch hat sich gewandelt. „Heute wird mehr gemessen als gekehrt“, weiß Peeters, der als Bezirksschornsteinfegermeister für 2900 Gebäude in Straelen zuständig ist.

Ganz ohne Ruß geht es freilich nach wie vor nicht. In knapp 800 dieser Häuser gibt es Kaminöfen, die ein zweimaliges Kehren pro Jahr erfordern. Bei etwa 60 ist sogar dreimal Kehren jährlich nötig. Peeters: „Das sind zum Beispiel Holzpelletkessel, die für die Warmwasserbereitung ganzjährig in Betrieb sind.“ Ansonsten überwiegen Öl- und Gasanlagen und Blockheizkraftwerke. Lüftungskonzepte und Energieausweise sind einige andere der umfangreichen Aufgaben des Schornsteinfegers.

Peeters und seine Kollegen sind selbstständig, üben aber in Teilbereichen hoheitliche Tätigkeiten aus. Nicht jeder lässt den schwarzen Mann gern in seine Wohnung. Gedankenlosigkeit und Gleichgültigkeit nennt Peeters als Gründe. Notfalls muss der Schornsteinfeger die Kreisbehörde einschalten, die dann einen zweiten Bescheid mit neuer Frist für die Prüfung der Feuerstätte verschickt. Wenn auch das nichts hilft, kommt’s zur Zwangsvollstreckung. Was allerdings die absolute Ausnahme ist. Peeters: „Ich habe bisher nur einmal mit der Behörde vor der Tür gestanden.“

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