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Geldern: Schloss Walbeck: Prinz macht einen Rückzieher

Geldern : Schloss Walbeck: Prinz macht einen Rückzieher

Eigentlich wollte das Blaublut eine siebenstellige Summe in die ehemalige Burg investieren – in Hotel und Gastronomie. Doch daraus wird nichts. Jetzt steht ein anderer Interessent vor dem Kaufabschluss.

Eigentlich wollte das Blaublut eine siebenstellige Summe in die ehemalige Burg investieren — in Hotel und Gastronomie. Doch daraus wird nichts. Jetzt steht ein anderer Interessent vor dem Kaufabschluss.

Die Gerüchte in Walbeck halten sich: Gert-Friedrich Prinz von Preußen, der in der RP im November 2011 angekündigt hatte, Schloss Walbeck zu kaufen, soll einen Rückzieher gemacht haben. Bekanntlich wollte das Blaublut eine siebenstellige Summe fließen lassen, um auf der ehemaligen Fluchtburg für Bauern einen Komplex mit Gastronomie und kleinem Hotel zu erstellen.

Trotz mehrfacher Anfrage über Handy und E-Mail war der Prinz von Preußen, der bekanntlich mit dem Weyer-Kastell in Nettetal bereits eine mittelalterliche Gastronomie besitzt, bis gestern nicht zu erreichen.

Doch das Scheitern des Kaufs von Schloss Walbeck ist offiziell: "Die Verhandlungen zwischen uns und dem Prinzen von Preußen sind gescheitert", erklärte gestern Julia Edele. Die Pressesprecherin des Besitzers, des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschland (CJD), weiter: "Der Verkauf hat aufgrund verschiedener Punkte, wo keine Einigkeit erzielt werden konnte, nicht geklappt." Weitere Details nennt Julia Edele nicht.

Trotzdem hat die Öffentlichkeitsarbeiterin, deren Organisation das Schloss 1980 erworben und dort bis zum Frühjahr vergangenen Jahres ein Bildungszentrum betrieben hat, auch eine möglicherweise gute Nachricht auf Lager: "Das CJD steht mit einem anderen Interessenten in aussichtsreichen Verhandlungen. Gut möglich, dass dort schon bald die Verträge unterschrieben werden." In welche Richtung die Nutzung von Schloss Walbeck dann gehen könnte, erklärte Julia Edele allerdings nicht.

Womit sich auch die Frage stellt, ob das antike Gemäuer, wie beim Prinz von Preußen vorgesehen, dann auch wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. "Das wäre natürlich eine tolle Sache", erklärt Herbert van Stephoudt. Der Pressesprecher der Stadt Geldern weiß um die touristische Anziehungskraft des "Aushängeschilds Walbeck", wie er sagt. Ein neuer Investor, der die Pläne des Prinzen fortführen würde, bezeichnete er sogar als "Segen für Walbeck".

Vor gut 900 Jahren ist das Schloss Walbeck als Fluchtburg für die umliegenden Bauern errichtet worden. Sie mussten sich damals gegen die einfallenden Wikinger verschanzen, die über Maas und Niers mit ihren flachen Schiffen einfielen. Die typische Vorburg in Hufeisenform entstand erst im 17. Jahrhundert. Anschließend wechselten mehrmals die Besitzverhältnisse, ehe 1917/18 die Familie Klein aus Köln das Schloss kaufte. Mit Major a.D. Dr. Klein-Walbeck begann dann die Professionalisierung des Spargelanbaus, von dem das Örtchen immer noch so prima lebt.

Das CJD schließlich pachtete Mitte der 1950er Jahre die Hauptburg und 1970 auch die Vorburg, die sie für sozialpädagogische Arbeit nutzte. 1980 kaufte der Bildungsträger dann die Anlage, die nun voraussichtlich den Besitzer wechseln wird.

Auch Udo Simon hofft, dass möglichst bald sich etwas am Schloss Walbeck tut. "Schöner wird das Anwesen sicher nicht, je länger es leer steht", weiß Walbecks Ortsbürgermeister. Er befürchtet, dass die Anlage sonst irgendwann so verrottet ist, dass sich die Sanierung nicht mehr lohnt. Udo Simon erklärt dazu mit bangem Blick in die Zukunft: "Es wäre schön, wenn aus dem Schloss Walbeck nicht irgendwann die Ruine Walbeck würde."

(RP/rl)