Schloss Walbeck in Geldern: Spaß beim Ritterspektakel trotz nasser Füße

Mittelalter-Spektakel auf Schloss Walbeck : Ritterspaß trotz nasser Füße

Schwerter, Schmuck, keltische Musik und uralte Kampftechniken – beim Ritterspektakel auf Schloss Walbeck ist das Mittelalter lebendig geworden. Doch das zweite Reitturnier musste ohne Pferde bestritten werden.

Drei Männer, die optisch an die Nachtwache von „Game of Thrones“ erinnern, bewachen mit großer Sorgfalt den Eingang. Nur wer sich bei einer der beiden Damen an der Kasse ein Tagesticket kauft, bekommt einen Stempel auf den Handrücken und Einlass gewährt. Hinter ihnen läuft ein durchtrainierter, bärtiger Mann im strammen Schritt mit einem schwarzen Kessel zu seinem Heerlager, um einen Eintopf zu kochen. Ein Junge im Grundschulalter hackt in mittelalterlicher Kluft Holz und bringt die Scheite zum Feuer. Wer am Wochenende das Ritterspektakel auf Schloss Walbeck besucht hat, ist ins Mittelalter eingetaucht.

Auf dem Markt versammelten sich in diesem Jahr mehr Mittelalterfans als im Vorjahr: „In diesem Jahr sind es insgesamt 43 Heerlager“, informierte Hauptorganisator Knut Schulz. Im vergangenen Jahr waren es noch 28 Lager. Das Ritterspektakel, das am vergangenen Wochenende zum zweiten Mal in dieser Form am Walbecker Schloss stattfand, wächst. Das rentiert sich aus finanzieller Sicht für den Veranstalter bisher noch nicht, gab Schulz Preis. „Im vergangenen Jahr gab es ein Minus in fünfstelliger Höhe. In diesem Jahr rechne ich mit einem vierstelligen Verlust“, sagte der Veranstalter. Wenn man ein neues Event aufzieht, sei dies im Veranstaltungsgeschäft aber durchaus üblich, in den ersten Jahren keine Gewinne einzufahren, informierte er. In 2020 soll dann erstmals die schwarze Null stehen.

Der Sonntag startete mit bestem Kaiserwetter in den Tag. Das mittelalterliche Trio „Belicha“ empfing die Gäste bereits um 11 Uhr am Eingang mit keltischer Musik. Vor ihrem Zelt übten sich Vater Frank und sein Sohn Ben Vermaasen im morgendlichen Schwertkampf. Viele Familien, aber auch Paare und andere Mittelalterfans besuchten die diversen Stände mit mittelalterlichen Köstlichkeiten und Gegenständen wie Met, Schwertern oder Schmuck. Bei Hobbyschmied Seifert wurde die Warteschlange gegen Mittag immer länger. Viele Kinder wollten zusammen mit ihm ein Miniatur-Hufeisen schmieden. „Aus diesem Stahl werden sagenhafte, unzerbrechliche Schwerter geschmiedet“, zog Seifert die Kinder in den Bann der Schmiedekunst.

Die Geschichtenerzählerin Fabulix erzählte den Kindern im Märchenwald spannenden Sagen über Hexen und Räuber. Bei Uwe Schneevoigt aus Rheinberg konnten Freiwillige eine uralte Kampftechnik aus dem frühen 14. Jahrhundert erlernen. Mit Schwert und kleinem Faustschild stehen sich hierbei die Kontrahenten gegenüber. „In anderen Ländern wie England, den Niederlanden oder Belgien ist diese Kampfkunst viel populärer als hierzulande“, informierte Schneevoigt. In der englischen Stadt Tewkesbury habe es sogar einen Kampf zwischen 2000 Rittern gegeben, erzählte er.

Gegen 11.30 Uhr liefen die Bannerträger aller Heerlager in Reih und Glied vom Eingang des Veranstaltungsgeländes zum Reitturnierplatz ein. Dort begrüßte der mittelalterliche Bote Torsten Gluding mit seiner noch vom Vorabend mit Whisky geölten, tiefen Stimme alle Heerlager. Die meisten Heere kamen aus Nordrhein-Westfalen.

So auch Kevin Köppe alias Kevin von Wiesenfeld, der mit seinem Krefelder Mittelalterclub ein Zeltlager auf dem Ritterspektakel aufschlug. Er lief mit dem Banner des „Freien Haufen zu Krinvelde“ auf das Turnierfeld ein, auf dem am Vortag das zweite, kämpferische Turnier ohne Pferde bestritten werden musste. Die Rutschgefahr auf der nassen und matschigen Wiese war während der Starkregenphase zu groß, berichtete Veranstalter Schulz. Die Pferde hätten sich unter den widrigen Umständen das Bein brechen können, meint auch Hobbyschmied Wolfgang Seifert alias Wolfheart der Wanderer, der das Geschehen am Vortag mit verfolgt hatte.

Zum Ritter gehört das Pferd. Foto: Markus van Offern (mvo)
Die Kinder waren vor allem von der Handwerkskunst beeindruckt. Foto: Markus van Offern (mvo)

Der massive Regen habe sogar ein Lager 30 Zentimeter tief unter Wasser gesetzt. „Da mussten wir dann das Wasser abpumpen. Genau wie auf allen drei Parkplätzen auch“, berichtete Hauptorganisator Schulz. Trotz der Wetterkapriolen sei die Stimmung sehr gut gewesen, informierte Schulz. Und vielleicht hat der Regen erst für das richtige Mittelalter-Gefühl gesorgt.

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