Geldern: Schleppendes Geschäft für den Einzelhandel

Geldern: Schleppendes Geschäft für den Einzelhandel

Der Online-Handel auf der einen Seite, das kundennahe Verhalten vor Ort auf der anderen: Wohin tendieren die Käufer? Und welche Ausnahmen und Besonderheiten gibt es in dieser Weihnachts-Saison?

Diese Woche ist bereits Weihnachten, also sputen sich nun viele, um noch ein Geschenk für die Liebsten zu kaufen. Wie liefen bislang die Vor-Festwochen im örtlichen Einzelhandel? Die Antworten in Geldern am Samstag waren sehr unterschiedlich, doch bei einem waren sich fast alle Händler sicher: "Das Weihnachtsgeschäft ist in diesem Jahr sehr, sehr schleppend angelaufen", verriet Karla Leurs, Inhaberin von "Juwelier Wedershoven" und eine der Vorsitzenden im Gelderner Werbering. "Die Leute haben anscheinend noch nicht auf dem Schirm, dass sie jetzt gar nicht mehr so viel Zeit haben." Und es gibt nach wie vor einen großen Gegner des Einzelhandels: den Online-Verkauf. "Man sollte sich aber im Klaren sein: Wollen die Menschen eine Innenstadt, bei der es verschiedene Aktionen und einen lebendigen Handel gibt, oder einfach nur zu Hause bleiben? Nur vor Ort hat man die menschliche Komponente."

Im Modegeschäft von Barbara Valkysers wurde diese auch effektiv gezeigt: Die Chefin sprach noch mit einer Kundin über ihre Familie, man kannte sich, und die Kommunikation wurde mit einem Lächeln geführt. "Doch besonders junge Menschen suchen nicht mehr das Gespräch", weiß Werbering-Vorsitzende Valkysers. "Der anfänglich sehr verhaltene Verkauf kann zwar nicht mehr eingeholt werden, doch jetzt geht es glücklicherweise langsam so richtig los."

In der Parfümerie Pieper lief der Weihnachtsverkauf "auf jeden Fall nicht schlechter als im letzten Jahr", erklärte Geschäftsführerin Ute Kermel. "Bei uns wurden sogar zwei, drei Weihnachtsgeschenke bereits Ende September gekauft." Der Laden mit den schönen Düften hat auch einen großen Vorteil, "denn was wir verkaufen, wird ja verbraucht", so Kermel. "Zudem haben wir für jeden Geldbeutel einen kleinen Luxus, und im Gegensatz zum Online-Handel kann man bei uns sicher sein, dass die Verpackung auch keine Dellen hat."

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"Bücherkoffer"-Inhaber Ludger Derrix erklärte, "dass Bücher vor Weihnachten meist spät gekauft werden, weil die Leute da immer noch was finden. Die aktuellen Werke von Ken Follett, Dan Brown und Kaplan Olding laufen sehr gut. Bei uns haben sogar schon einige Leute bestellt, die sagten, dass Amazon bei ihnen wohl nicht mehr rechtzeitig liefern kann." Ähnliches erlebt auch die Medimax-Filiale in Geldern: "Anders als im Jahr zuvor kaufen die Leute anscheinend nicht mehr so viel im Internet, sondern wünschen sich mehr Beratung vor Ort", hat Susanne Tophoven beobachtet, die sich um die weiße Ware kümmert. Sie zeigte auf ein leeres Regal: "Das war heute Morgen noch alles voll." Zudem verriet sie: "Dieses Jahr laufen nicht nur Sachen wie Kaffee-Vollautomaten sehr gut, sondern überraschenderweise auch Zahnbürsten. Warum auch immer."

Neben den Informationen und dem direkten Angebot hatte Medimax am Samstag noch ein Ass im Ärmel: den Weihnachtsmann! Michael Pospieski vom KKG Geldern ist nämlich jedes Jahr in roter Tracht vor Ort und verschenkt Kleinigkeiten an die kleinen und großen Besucher. "Hast du meinen Zettel gelesen? Den mit dem Barbie-Traumpferd?", fragte ein junges Mädchen. "Aber natürlich", antwortete der Weihnachtsmann, und die Augen der Kleinen leuchten auf. So einen magischen Moment hätte es im Internet nicht gegeben.

(cnk)