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Issum: Sauber: Issums Erfolgsmodell wird 50

Issum : Sauber: Issums Erfolgsmodell wird 50

Im Unternehmen "Ophardt Hygiene" wird die Erfindung des "Ingo-man" gefeiert. Der Hygienespender war ein Problemlöser seiner Zeit. Jährlich werden weltweit zwischen 300.000 und 400.000 dieser Geräte verkauft.

Rot auf Weiß steht "Making the world a more hygienic place" auf der Mappe der Issumer Firma "Ophardt Hygiene". Bevor die Welt aber zu einem hygienischeren Ort werden konnte, stand zunächst die Lösung eines Problems an. "Die alkoholischen Mittel griffen die Dichtungen der Hygienespender an, und alles landete auf dem Boden", sagt Markus Hochkirchen, zuständig für die Unternehmenskommunikation bei Ophardt. Statt desinfizierter Hände gab es supersaubere Böden, das war nicht im Sinne der Anwender, vor allem von Mitarbeitern in Krankenhäusern, Ärzten und Krankenschwestern. "Der erste ,Ingo-man' war ein Problemlöser", sagt Hochkirchen und zeigt das Ursprungsmodell in einer Vitrine. Es war der erste Spender mit Pumpe. Die Flaschen mussten also nicht mehr Kopf stehen und konnten daher auch nicht mehr tropfen. Der "Ingo-man" feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Und weil er Geburtstag hat, gibt es ihn sogar in Gold. Im Jahr werden zwischen 300.000 und 400.000 verkauft. Je nach Ausführung kostet er zwischen 50 und 200 Euro. Dank Euro-Flasche im Innenteil kann jedes beliebige Desinfektionsmittel jeden Herstellers im "Ingo-man" Platz nehmen. "Das Krankenhaus ist also frei von der Produktwahl", erläutert Geschäftsinhaber Heiner Ophardt den Nutzen. Wichtig sei das zum Beispiel bei einer Pandemie, wenn es also Lieferengpässe für bestimmte Produkte gebe.

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50 Schritte seien es bis zum "Ingo-man", erklärt Heiner Ophardt. Sein Vater Hermann ist der Erfinder des "Ingo-man". In den Fertigungshallen surren die Maschinen, es wird gestanzt und geschweißt. Eine Maschine spuckt ohne Unterlass kurze, silber glänzende Stäbe aus, die später in dem Gerät Verwendung finden, an einer anderen wird das Blech gelocht und gebogen. Aus dem Rohmaterial, langen, glänzenden Edelstahlstreifen, wird später der Spender, den Krankenschwestern und Ärzte mehrmals am Tag benutzen. Der extra-lange Hebel ist für die Bedienung mit dem Ellenbogen da. Aber längst gibt es den Spender natürlich auch mit "touchless-Funktion", also ohne Anfassen. "Vom Kopf her wird das Nicht-Anfassen als hygienischer empfunden", weiß Hochkirchen. Und wenn der Batteriebetrieb mal ausfällt? Heiner Ophardt zieht zwei versteckte Stäbe heraus, dann ließe sich der "Ingo-Man" auch wieder per Hand- oder Armbetrieb bedienen. Fünf Jahrzehnte: Hat sich der Spender denn weiterentwickelt und vor allem, was kann sich in 50 Jahren überhaupt alles verändern?

Die beiden Männer gehen zu einer Glasvitrine, in der das neueste Modell des Geburtstagskindes ausgestellt ist, aufgeschnitten. Dahinter verbirgt sich jede Menge Technik. "Der Spender zählt mit und funkt die Daten an den Server", sagt Heiner Ophardt und zeigt auf die kleine Antenne. Die Daten sind wichtig für die Compliance-Rate in Krankenhäusern. "Es gibt Richtwerte, zum Beispiel auf der Intensivstation, wann und wie oft Hände desinfiziert werden sollen", erklärt Ophardt.

Auf der weißen Säule der Vitrine steht in grünen Buchstaben "human powered device". "Das Gerät funktioniert wie ein Fahrraddynamo", erklärt der Geschäftsinhaber. "Durch das Drücken auf den Spender wird die nötige Energie für die Datenübertragung erzeugt." Damit sei dieser "Ingo-man" die grüne Alternative zu den batteriebetriebenen "touchless"-Geräten. Der Name stammt übrigens von dem Erfinder Hermann Ophardt und ist nicht etwa vom Männernamen "Ingo" inspiriert. Vielmehr steht "Ing" für Ingenieur, "O" für Ophardt und "man" für das lateinische "manus" Hand. "Ingo-man" ist also ein Handspender. Übrigens gebe es auch einen "Ingo-ped" für die Füße, sagt Hochkirchen. Das sind dann Geräte, die vor allem in Schwimmbädern zum Einsatz kommen. Aber mit dem "Ingo-man", da fing alles an.

(RP)