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Sachbuch: Ein Stück Geldener Textilgeschichte

Im 18. Jahrhundert entstanden die ersten Fabriken : Ein Stück Gelderner Textilgeschichte

Die Kempener Autorin Gabriele van Krimpen hat sich in ihrem neuen Buch mit der Textilherstellung in Geldern beschäftigt. Als im 18. Jahrhundert die ersten Fabriken entstanden, waren nicht alle Menschen davon angetan.

Den Geschichtsfreunden Appetit gemacht hatte Gabriele van Krimpen schon im April. Seinerzeit übergab sie gemeinsam mit Gelderns Stadtarchivarin Yvonne Bergerfurth eine Geschichtsstele, die an die Industrialisierung Gelderns im 18. Jahrhundert erinnert, in der Bahnhofstraße der Öffentlichkeit. Nun stellte die Kempenerin gemeinsam mit „Mespilvs“, der Gesellschaft zur Förderung des Stadtarchivs Geldern, in den „Lindenstuben“ ihr Buch über die Textilherstellung in Geldern vor. Erschienen ist das im Pagina Verlag Goch hergestellte und von Andrews & Degen in Amsterdam sorgfältig illustrierte Werk unter dem Titel „Schick, schock, schau, dä Wäver satt op et Tau“ in der Reihe „Geldrisches Archiv“.

„In elf Kapiteln unterteilt und mit großzügigem Anhang, erfahren wir nicht nur die Entwicklung und Veränderung in der Stadt durch die Ansiedlung der ersten Fabrikanten im 18. Jahrhundert, sondern auch viele Dinge über die Herausforderungen der Zeit, als Geldern französisch wurde. Noch gravierender die Schilderungen über die großen Probleme, als Geldern 1815 nach verheerendem Krieg erneut preußisch war und es galt, in Zeiten großer Umbrüche und großer wirtschaftlicher und sozialer Veränderungen, neue Märkte zu erschließen“, erläuterte Stadtarchivarin Bergerfurth bei der Präsentation. Das Buch, das mit einer Übersichtskarte den Leser zu den geschilderten Schauplätzen in der Innenstadt Gelderns mitnimmt, lädt so zu einem Rundgang durch die Textilgeschichte der Stadt ein.

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Während ihrer Arbeiten, die eigentlich aus der Familienforschung von Gabriele van Krimpen hervorgingen, stellte sich für alle Beteiligten schnell heraus, dass in den zahlreichen Erkenntnissen über Fabriken und ihre Besitzer, Veränderungen im Stadtbild und in der Gesellschaft, die die Autorin zu Tage förderte, ein Potential steckte, das weit über die Familiengeschichte hinausging und schnell zu einem spannenden Projekt wurde. Das sieht auch Mespilvs-Mitglied Hejo Eicker so: „Ich begrüße die neue Veröffentlichung sehr, da sie das Themenspektrum in der Darstellung Gelderner Stadtgeschichte nachdrücklich und lebendig erweitert. Grafen, Burgen und Pastöre sind ja nicht alles. Vor allem auch wirtschafts- und sozialgeschichtliche Arbeiten sind wichtig und hilfreich, um unsere Vergangenheit und Gegenwart zu verstehen.“ 

Tatsächlich entdeckte Gabriele van Krimpen, dass der Magistrat der Stadt Geldern weder im 18. noch im frühen 19. Jahrhundert angetan war von neuen Fabriken und Fabrikanten. Zwar standen diese für Gewerbesteuern und Wohlstand der Stadt und auch für Arbeitsplätze der Menschen, aber ebenso schnell und regelmäßig für Arbeitslosigkeit. „Verarmte und mittellose Arbeiter wurden schnell eine Belastung für die städtische Armenversorgung, die damit überfordert war“, erklärte Bergerfurth.

Gabriele van Krimpen: „Die Leser erleben die Geschichte der Fabrikanten, Kaufleute und der Weberfamilien, erfahren Auswirkungen der Textilherstellung auf Wohn- und Arbeitsplätze, und wie Konjunkturschwankungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu Wachstum oder auch zu Stagnation und zu einem schleichenden Niedergang führten“.

Klar gegliedert wie das gesamte Buch ist auch die Geschichte der Familie Metzges. Sie produzierte in der vermutlich ältesten Firma Gelderns, der „J. G. Metzes & Söhne“ mit Dampf-, Spinn- und Schermaschinen sowie Färberei und Walkerei seit 1739 Wolltuche. Auf ihrer Spur forschte Gabriele van Krimpen und beleuchtet so das Schicksal einer Familie aus dem Bergischen Land, die bereits im 17. Jahrhundert unter dem Namen Metzkausen auf einem Hof, dem „Unter-Metzges“ nahe Metzkausen, einem heutigen Stadtteil von Mettmann, nachgewiesen wurde. Die Autorin: „Johann Peter Metzges war bereits 66 Jahre alt, als er 1739 zusammen mit seiner Frau, fünf erwachsenen Söhnen, seiner Tochter und deren Ehemann sowie einigen Webern nach Geldern zog. Hier verkürzten sie den Namen Metzkausen in Metzges.“

Yvonne Bergerfurth: „Das bietet einen wunderbaren Blick auf die Industrialisierung einer Kleinstadt, und es zeigt, wie viel bescheidener und schlichter diese vonstatten ging, als es uns die großen Maschinen dieser Zeit vermitteln. Es war keine steile Erfolgsgeschichte, sondern eine Entwicklung über einen langen Zeitraum.“ Für den scheidenden Präsidenten von „Mespilvs“, Udo Oerding, eine mehr als lohnende Zeitreise. Gabriele van Krimpen bringe mit Hingabe und Akribie und vor allem sehr lesefreundlich die Textilgeschichte Gelderns näher.

Gabriele van Krimpen: „Wenn man die Gelderstraße in Richtung Marktplatz geht, präsentiert sich die Pfarrkirche mit den umgebenden Häusern als eindrucksvolles Bild. Markt, Hart- und Issumer Straße beherbergen damals wie heute Geschäfte, und es gibt die ruhigen Straßen und kleinen Gassen. Damals waren sie aber nicht so ruhig, denn gearbeitet wurde oft zu Hause, und in den meisten Seitenstraßen klapperten die Webstühle.“ Bleibt die Frage, wie der Auszählreim im Buchtitel weitergeht. Van Krimpen: „Den habe ich in dem Werk ‚Als die Webstühle noch klapperten‘ bei Meyers gefunden. Er endet mit: ‚watt dö Wäver verdinnt, datt kriggt sinn Vrau’.“