Rund 200 Teilnehmer bei Demonstration gegen die AfD in Wachtendonk.

Demonstration in Wachtendonk : Bunter Anti-AfD-Protest in Wachtendonk

Die Bewegung „Fridays for Future“ hatte am Dienstag zum Protest gegen die Politik der AfD aufgerufen. Rund 200 Demonstranten versammelten sich am Bürgerhaus. Zu Diskussionen kam es auf dem Kirchplatz kaum.

Zu einem Protest gegen die Klimapolitik der AfD hatte die Kreis Klever Ortsgruppe von „Fridays for Future“ (FFF) eingeladen. Doch es fanden sich am Dienstag nicht nur Umweltbewegte am Bürgerhaus „Altes Kloster“ ein, wo Abgeordnete der AfD-Fraktion aus Landtag und Bundestag einen Bürgerdialog veranstalten wollten. Es ging auch gegen die rechten Tendenzen der Partei. „Hass und Hetze haben hier im Kreis Kleve nichts verloren“, meinte Jannik Berbalk, der die Demonstration angemeldet hatte, unter dem Beifall der rund 200 Teilnehmer.

Regionale und lokale Vertreter aller im Bundestag vertretenen Parteien – die AfD ausgenommen – und sonstiger Organisationen machten mit Plakaten und Fahnen ihre Position deutlich. „Bunt statt braun“ stand da zum Beispiel, „Aufstehen gegen Rassismus“ und „AfD = Wolf im Schafspelz“. Er habe Angst vor Klimawandel und Rechtspopulismus, rief Berbalk durch ein Megaphon der Menge zu, die von einigen Polizeibeamten beobachtet wurde. „Wir in Deutschland verbrauchen jedes Jahr drei Erden.“ 30 Jahre lang habe man die Entwicklung verschlafen, deshalb müsse jetzt ein harter Kurs gesteuert werden. „Wir müssen alle zurückstecken, müssen nicht alles verbieten, können aber auf Alternativen setzen.“

Über die absurden Behauptungen der AfD, wonach es keinen von Menschen gemachten Klimawandel gebe, könne man nur den Kopf schütteln, so Berbalk. Die AfD, so Sven van Heek von der Grünen Jugend im Kreis Kleve, ignoriere den wissenschaftlichen Konsens. „97 Prozent der Fachleute sind sich einig, dass die Klimakrise menschengemacht ist.“ Man müsse aufstehen gegen eine Partei, die nicht nur das gesellschaftliche, sondern auch das Weltklima verpeste.

Während sich auf dem Kirchplatz die Redner abwechselten, bereiteten im Bürgersaal Mitglieder der AfD den Bürgerdialog vor, der zwei Stunden nach Beginn der Demonstration anfangen sollte. Bernd Rummler, der als Referent für Öffentlichkeitsarbeit für die Landtagsfraktion die Bürgerdialoge in NRW organisiert, wies auf Befragen die bei der Demonstration geäußerte Kritik zurück, die in Wachtendonk beim Bürgerdialog sprechenden Politiker zählten zum extrem rechten Höcke-Flügel der AfD. „Die sind nicht in der Funktion eines Flügels hier, sondern für ihre Landtags- beziehungsweise Bundestagsfraktion.“ Im Übrigen seien kontroverse Meinungen das Salz in der Suppe. „Wir scheinen die kritische Auseinandersetzung zu fördern, die Leute machen sich Gedanken um die Demokratie“, erklärte Rummler.

Draußen hatten sich in der Zwischenzeit auch einige zum Teil von weither Angereiste eingefunden, die zur AfD-Veranstaltung wollten. „Demonstration und Meinungsvielfalt sind in Ordnung“, meinte eine Frau aus Köln. Aber sie sei bei einer ähnlichen Veranstaltung in Köln auch schon bespuckt worden. Wenn es links gebe, müsse es auch rechts geben. „Aber Extremismus auf beiden Seiten lehne ich ab.“

„Ganz Wachtendonk hasst die AfD“ „ Nazis raus“ und „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda“, skandierten die Demonstranten. Buh-Rufe und Trillerpfeifen erklangen, als ein junger Mann die FFF-Aktivistin Greta Thunberg kritisierte und die Bewegung als dubios darstellte. „Das Schiff von Greta hat früher der Familie Rothschild gehört und wurde dann von einem Prinzen aus Monaco gekauft.“ Eine Diskussion kam kaum zustande. Die Kontrahenten beschuldigten sich gegenseitig, aus nicht verlässlichen Quellen zu schöpfen.

Eine halbe Stunde vor Beginn des Bürgerdialogs waren rund 30 Sitze im Saal besetzt. Die Zahl der Zuschauer wuchs wenig später auf das Doppelte, denn einige der Demonstranten wollten an der Veranstaltung teilnehmen. Sie mussten ihre Protestplakate allerdings draußen lassen.

Der Bürgerdialog sollte nach Angaben Rummlers etwa zwei Stunden dauern und die parlamentarische Arbeit als Thema haben. „Solange er die Veranstaltung nicht stört, ist uns jeder als Zuhörer willkommen“, erklärte er auf Befragen im Vorfeld.

Auch Wachtendonks Bürgermeister Hans-Josef Aengenendt hatte sich auf dem Kirchplatz als Beobachter der Demonstration eingefunden. Er bedankte sich bei den Polizeibeamten für ihren Einsatz.

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