RP-Medienmobil in Geldern: Bürgermeister Sven Kaiser stellt sich Fragen der Bürger

Mobile RP-Redaktion in Geldern : Bürger fragen, Bürgermeister antwortet

Mit einer mobilen Redaktion war die Rheinische Post am Sonntag auf dem Marktplatz, um Leser und Bürgermeister Sven Kaiser ins Gespräch zu bringen. Es wurde intensiv über alle Themen, die Geldern derzeit bewegen, diskutiert.

Viele Bürger, Politiker und Bürgermeister Sven Kaiser kamen am Sonntag zum Drachenbrunnen, wo sich der Verwaltungschef den Fragen der Redaktion und Bürger stellte. Die wichtigsten Themen:

Umgestaltung am Bahnhof Für Diskussionen sorgte die Umgestaltung des Bahnhofplatzes und der Bahnhofstraße. Bürgermeister Sven Kaiser hatte im vergangenen Bauausschuss deutlich gesagt: „Mir gefällt es da überhaupt nicht“. Viele Gelderner reagierten verärgert, man hätte schließlich vorher wissen müssen, wie der Platz aussehen würde. Kaiser äußerte sich am Sonntag selbstkritisch. „Es sind auf jeden Fall noch Nacharbeiten nötig“, sagte er. Gerade bei der Begrünung. „Hinterher ist man aber immer schlauer“, sagte er.

Klar sei, dass das Bahnhofs-Areal nicht mehr komplett umgebaut werden könne. Er habe mit seiner Kritik vor allem den Teil am früheren Rheinischen Hof gemeint. „Die Gestaltung dieses Bereichs hat mich sehr gestört“, sagte er. Dort soll sich aber etwas ändern, wie er verkündete. Der Gehweg soll so vergrößert werden, dass die Gastronomie mehr Platz für einen Außenbereich habe. Das soll auch zur Aufenthaltsqualität an dem Platz beitragen. „Der Platz vorm Bahnhofsgebäude ist meiner Meinung nach gar nicht schlecht“, sagte Kaiser. Er verteidigte auch, dass man nun nochmal einen unabhängigen Experten hinzugezogen habe. „Wir wollten bewusst noch einmal eine objektive Einschätzung von jemandem bekommen, der in die vorherigen Prozesse nicht eingebunden war.“

Lob gab es hingegen von einem Bürger. Er sei auf einen Rollator angewiesen. „Sich damit in der Gelderner Innenstadt fortzubewegen, ist aufgrund des Bodenbelags am Markt und an der Hartstraße aber katastrophal“, sagte er. „Die Gestaltung der Bahnhofstraße finde ich deshalb sehr positiv, weil man mit dem Rollator nun gut zum Bahnhof laufen kann.“ Ein anderer Bürger forderte für die Bahnhofstraße „mindestens acht bis zehn Bäume auf jeder Seite“, sagte er. Eine Straße, an der man sich zum Beispiel orientieren könne, sei die Karmeliterstraße. An Kaiser gerichtet, fragte er, „warum die Mitarbeiter des Grünflächenamts bei der Frage nach der Begrünung nicht stärker hinzugezogen werden?“

„Der Bahnhofsplatz wird auch durch Begrünung nicht zu einem Platz, an dem man nicht nur wegfährt und ankommt“, sagte Norbert Hayduk (Linke) und spielte damit auf die Gastronomie an, die sich dort eigentlich ansiedeln sollte, bisher aber noch fehlt. Laut Kaiser habe es jedoch bereits Gespräche gegeben, sagte er, und zwar mit der Lebenshilfe, um nach dem Vorbild des Klever Cafés Samocca eine ähnlich inklusive Gastronomie in Geldern zu schaffen. Allerdings habe der Geschäftsführer den Job gewechselt und die Gespräche somit unterbrochen. „Aber wir wollen uns noch mal auf die Suche begeben“, sagte Kaiser. „Vielleicht ist auch eine Kette interessiert.“

Gestaltung der Innenstadt Direkt mit dem Umbau des Bahnhofs-Umfelds hängt auch die Neugestaltung der Innenstadt zusammen. Hier steht im kommenden Jahr der Umbau des Kapuzinerplatzes an, 2021 dann die Issumer Straße. Schwierig bleibe sicherlich das Problem des Leerstands. „Ein Problem, mit dem leider auch viele andere Städte zu kämpfen haben“, sagte Kaiser. „Beim Leerstand setze ich viel Hoffnung in den neuen City-Manager, der als Partner des Einzelhandels fungieren soll.“

Baugebiet Lüßfeld Viel diskutiert wurde auch über das geplante Neubaugebiet am Lüßfeld in Veert. Dort sollen, wie die Politik zuletzt beschlossen hat, die neue Feuerwache und 110 Wohneinheiten entstehen. Dafür müssen die Bäume entlang der Grunewaldstraße weichen. Von den 37 Winterlinden sollen nur sechs Bäume an markanten Punkten erhalten bleiben. Pro gefälltem Baum sollen drei neue gepflanzt werden. Dagegen spricht sich vor allem Thomas Wollraab von „Bürger in Geldern“ (BiG) aus. „Die Grunewaldstraße ist so eine schöne Allee“, sagte er. Man müsse alles tun, um die Bäume zu erhalten.

Einige Anwohner fürchten auch die erhöhte Verkehrsbelastung an der Grunewaldstraße. Kaiser warb für Verständnis. „Wenn wir einerseits ein neues Baugebiet haben wollen, müssen wir andererseits an manchen Punkten auch mit den Konsequenzen leben“, sagte er. „Ein neues Baugebiet zieht nun mal auch mehr Verkehr nach sich.“ Damit die Umsetzung des Projekts zügig vorangeht, versprach Kaiser, „weiter Dampf machen zu wollen.“ Eine Informationsveranstaltung für die Bürger über den Stand der Planungen sei für Anfang des Jahres vorgesehen.

Nordtangente Seit Februar laufen die Arbeiten an der Gelderner Nordumgehung zwischen Krankenhaus und Niersbrücke. Mehr als neun Monate hatte die Baustelle Auswirkungen für alle, die mit dem Auto, Fahrrad oder Bus die Straße passieren wollten. Wie Sven Kaiser am Sonntag mitteilte, sollen die Arbeiten in der nächsten Woche beendet sein. „Am Freitag ist die Nordtangente wieder geöffnet“, versprach der Bürgermeister.