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RP-Bürgermonitor: Gefährliche Spielstraße

RP-Bürgermonitor : Wo die Spielstraße zur Rennstrecke wird

Die Straße „Am Eiland“ in Geldern wird immer mehr als Ausweichroute benutzt, und ständig fahren Autofahrer viel zu schnell, beklagen Anlieger. Anwohnerin Evelyn Cappell hat schon mehrfach gefährliche Situationen beobachtet.

Die Straße „Am Eiland“ ist teilweise in einer Tempo-30-Zone. Dann geht sie geht über in ein Wohngebiet, wobei sie zur Spielstraße wird. Eigentlich sollten Autos dort nur im Schritttempo vorbeirollen: Es gibt viele Ecken und Winkel, da könnten Kinder unterwegs sein, Fußgänger haben Vorrang. Tatsächlich kommen aber immer wieder Autofahrer zu schnell über die Tempo-30-Strecke, kaum gebremst in die Spielstraße und so in das dahinter liegende Wohngebiet „Am Bückelewall“ und „Am Stadtgraben“.

Anwohnerin Evelyn Cappell beobachtet einen Trend. „Wir sind vor drei Jahren hier hergezogen. Und da war die Lage noch okay, die Leute haben sich an die Geschwindigkeit gehalten“, sagt sie. „Vor zirka zwei Jahren fing das an, dass Straßen rundum gesperrt waren“ – wegen Fahrbahnsanierungen, wegen des Umbaus des nahen Bahnhofsvorplatzes oder aus anderen Gründen. Da sei der Weg durchs Wohnviertel zur Ausweichroute geworden. Und seitdem gebe es keine Entspannung: „Es wird immer mehr.“

Dabei gebe es guten Grund zur Vorsicht. „Hier sind immer mehr Kinder auf der Straße“, sagt Evelyn Cappell. Richtig schön sei das, gerade im Sommer. „Aber da sollte man die Spielstraße und Tempo 30 schon einhalten“, warnt sie: „Es muss ja nicht erst was passieren.“

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Gleich mehrere gefährliche Situationen habe sie inzwischen beobachtet. Einmal musste ein Auto quasi eine Notbremsung vor einem Rollstuhlfahrer einlegen, einmal saß ihr der Schreck in den Knochen, als einige Kinder fast unter die Räder gekommen wären. Die Straßen im Viertel seien verwinkelt und nicht gerade übersichtlich. Da sei es umso wichtiger, wirklich langsam zu fahren, um so etwas zu vermeiden.

Nachbarn bestätigen ihren Eindruck. „Wo Tempo 30 ist, da fahren die richtig schnell“, meint eine Anwohnerin. Vor allem morgens seien manche „wie die Wilden“ unterwegs: „Nicht alle, aber der überwiegende Teil.“ Sie schüttelt den Kopf: „Ich fahre ja auch gerne mal schnell, aber nicht hier“, sagt sie. „Hier kann einem immer ein Fahrrad entgegenkommen oder ein Kind.“

„Die Spielstraße – das wird grundsätzlich nicht eingehalten“, meint eine andere. Und eine dritte erzählt, dass sie auf gerader Strecke mitunter extra mitten auf der Fahrbahn läuft, damit Autofahrer, die noch weiter entfernt sind, das Tempo drosseln: „So ein bisschen Selbsthilfe.“ Auch bei Anliegerversammlungen war die Sache schon Thema, erzählt Evelyn Cappell. Ihr Ehemann Hans-Jürgen ist Pumpenmeister der Nachbarschaft Am Eiland. Die Leute hätten schon über Unterschriftensammlungen nachgedacht.

Schon mehrfach habe sich ihr Mann an die Polizei gewandt. Beim ersten Mal habe er sich den Spruch anhören dürfen, er könne seine Nachbarn ja anschwärzen, wenn er das wolle. Da sei er wütend wieder gegangen. Bei anderen Gelegenheiten seien die Beamten nett gewesen, aber Kontrollen habe man danach trotzdem nicht erlebt. Bei der Stadt sind ebenfalls schon Beschwerden aufgelaufen, sagt Sprecher Herbert van Stephoudt. Für Tempo-Kontrollen, für die es Strafzettel gibt, sei zwar allein die Polizei zuständig. Es gibt aber eine andere Idee. Die Stadt verfügt über ein mobiles Geschwindigkeits-Messgerät. Das erfasst und speichert die Zahl der vorbeifahrenden Autos und deren Tempo. Dieses Gerät will die Stadt nun für einen Tag an der Straße aufstellen, gegebenenfalls nach einer Weile noch mal: „Dann hat man mal einen Anhaltspunkt, worüber man redet“, so van Stephoudt. Wenn klare Zahlen auf dem Tisch liegen, hätte man etwas in der Hand, um es ibei den regelmäßigen Treffen mit der Polizei zu thematisieren.