Rotary Schülerjahresaustausch

Walbeck : Mit Rotary auf großer Entdeckertour

Die Welt erkunden können junge Erwachsene dank des Rotary-Austauschprogramms. Im Tipidorf Walbeck kamen sie ein Wochenende lang zusammen und berichteten von ihren Erfahrungen und Zukunftsplänen.

Sie sind in einem Alter, in dem noch alle Lebenswege offenstehen. 50 Jugendliche aus aller Welt trafen sich beim Schülerjahresaustausch von Rotary im Tipidorf bei Schloss Walbeck: zum Fußballspielen, Klönen am Lagerfeuer, Essen, Paddeln, Singen. In allen Sprachen, auch auf Deutsch.

Mit von der Partie ist Arantza aus Mexiko. „Es war bisher das beste Jahr meines Lebens“, schwärmt die 19-Jährige vom Aufenthalt in ihrer Gastfamilie bei Coesfeld. „Das Besondere war für mich, hier einen richtigen Winter zu erleben. In Deutschland habe ich drei jüngere Geschwister, zuhause in Mexiko dagegen zwei Brüder.“ Was ihr an Europa besonders gefallen hat bei ihrer dreiwöchigen Tour? „Man fühlt sich sicher hier, das Essen ist natürlich anders.“

Traurig wird sie angesichts des nahenden Rückflugs nicht, denn Arantza will als Aupair-Mädchen zurückkehren. Und sie lenkt ihre berufliche Perspektive auf eine internationale Schiene. Schließlich spricht sie Spanisch, Englisch, Französisch und ein sehr gutes Deutsch: „Vielleicht studiere ich mal was mit Tourismus oder Sprache.“

Bernardos Wohnort Aracaju in Brasilien dagegen liegt direkt am Meer. Meer, soweit das Auge reicht. „Das habe ich in Ibbenbüren nicht. Hier ist einfach alles anders“, stellt Bernardo fest. Anders, das ist nicht nur die Natur, auch die Tiere, die er so sieht. Volleyballspielen und Schwimmen ist aber genauso angesagt wie in seiner Heimat. Noch etwas fällt dem Jugendlichen auf. „Dafür gibt’s hier so kurze Wege. Bei uns fährt man Stunden, und die Landschaft verändert sich nicht. In Europa bist du in der Zeit gleich in einem anderen Land.“

Gemeinsam mit zwei weiteren Inbounds, so heißen Jugendliche am Ende ihres Auslandsjahres in Deutschland, besuchte Bernardo einen Deutsch-Kursus der VHS und geht auf das Gymnasium in Ibbenbüren. Mit dem Schüleraustausch wird ein Teil seines Lebensziels wahr, den er träumt, seit er zehn Jahre alt ist: „Ich möchte die Welt kennenlernen.“ Er würde später gerne zurückkehren und ein Medizin-Studium beginnen. Übrigens, so fügte Bernardo hinzu, sei das Austausch-Programm kein Elite-Verfahren innerhalb der Rotary-Gemeinschaft. In Brasilien sei es nicht erlaubt, dass Kinder von Rotary-Mitgliedern teilnehmen. Er habe sich bei einem Auswahlverfahren bewerben können.

Wenn Paul aus Xanten nach einem Jahr zurückkehrt, dürfte er wissen, wie ein Schaf geschoren wird. Und noch viel mehr erlebt haben. Denn der 15-Jährige steht vor dem Abflug in den Südwesten Australiens. „Was ich mir davon verspreche? Erfahrung fürs Lebens mitnehmen und Freunde auf Lebenszeit zu gewinnen“, formuliert Paul. Der Gymnasiast möchte später Ingenieur werden, Jura oder BWL studieren. „Irgendwas mit Technik, das fasziniert mich. Am liebsten möchte ich eine eigene Fabrik für Wohnmobile leiten. Und einmal die Welt umsegeln“, konkretisiert der Deutsche. Down Under erwartet ihn zunächst eine Gastfamilie mit einer Farm von rund 70 Hektar, die zweite Station wird eine Familie mit vier Geschwistern sein und einer noch größeren Farm mit 3000 Schafen.

Bliebe da noch Midori aus Kentucky, die während des Austausches bei Kaarst wohnt. „Anfangs war es schwer für mich, denn eigentlich wollte ich so gerne ins Heimatland meines Vaters, Japan“, sagt die zierliche junge Frau. Sie hat inzwischen in Deutschland viele gute Freundschaften geschlossen und auf besondere Weise ihren Platz gefunden. Die Geigerin hatte dem Dirigenten des Jugendsymphonieorchesters gemailt. Ihr Können war beim Vorspielen so eindrucksvoll, dass Midori als Gastgeigerin im Jugendsymphonieorchester einige Konzert mitspielen durfte. Die Amerikanerin wird bald zur High School gehen. „Im Auslandsjahr kann ich dann ja mal zum Austausch nach Japan“, bereut sie ihre Wahl Deutschland keineswegs. Viel zu schnell endete für die Jugendlichen das letzte gemeinsame Wochenende. Da hieß es am Sonntag nicht nur aufräumen, sondern auch bald Kofferpacken. Entweder, um wieder in die Heimat zurückzukehren, oder auf ein sicherlich spannendes Jahr im Ausland. Die Ehemaligen, Rotexer, konnten davon berichten.

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