Rat Straelen verteidigt Nordwall-Gestaltung

Straelen : Rat verteidigt Nordwall-Gestaltung

Politik und Verwaltung sehen bei den Straelenern zu wenig Offenheit gegenüber der neuen Straßenführung. Sie gestehen aber auch Fehler ein, zum Beispiel die fehlende und falsche Beschilderung. Hier soll es Verbesserungen geben.

Der Nordwall lässt die Straelener nicht los. Seit der Umgestaltung der Straße fühlen sich vor allem Radfahrer und Rollstuhlfahrer verunsichert. Ihrem Ärger haben sie am Dienstagabend im zuständigen Rat für Stadtentwicklung Luft gemacht. „Warum hat man das nicht anders gemacht?“ – diese Frage schwebte über den Beschwerden.

Das Argument der Bürger: Wenn Radfahrer von beiden Seiten kommen und dazu noch ein Auto oder Lkw überholen will, wird es sehr eng auf der Straße und es könnte zu gefährlichen Situationen kommen. Vor allem viele Radfahrer haben Angst, auf dem Radweg zu fahren, den auch der motorisierte Verkehr nutzt.

Vergleichbare Piktogramme sollen auf dem Nordwall in Straelen angebracht werden. Foto: Helga Bittner (hbm)

Baudezernent Harald Purath wurde in seinen Antworten deutlich: „Vor dem Umbau war die Fahrbahn schmaler, heute ist sie an allen Stellen mindestens 4,85 Meter breit“, sagte er. Die Straße ist aufgeteilt in einen geteerten und einen gepflasterten Teil. Um einen Geh- und Radweg anzulegen, sei nicht genügend Platz gewesen.

„Zudem sind in verkehrsberuhigten Bereichen wie dem Nordwall getrennte Rad- und Fahrstreifen nicht zulässig“, sagte Purath. „Die Radfahrer müssen auf der Straße mitfahren. Dort werden sie auch besser wahrgenommen vom motorisierten Verkehr. Es funktioniert und es ist sicher.“ Dass Autos den Radweg zum Überholen nutzen dürfen, sieht er nicht als Grund zur Aufregung: „Das ist doch in anderen Straßen genauso.“ Rollstühle, die sechs Stundenkilometer oder langsamer fahren, dürfen auf den Gehweg. Alle, die schneller sind, müssen wie Fahrräder die Straße nutzen.

Auch die Politiker verteidigten die Gestaltung und warfen den Bürgern mangelnde Offenheit gegenüber der Veränderung vor. „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll“, sagte Michael Traurig von den Freien Wählern. „Wir haben sehr wohl überlegt, was wir tun und seit 2014 geplant. Das Interesse der Bürger war während der Planung sehr gering. Umso höher ist es jetzt.“

Die Angst, auf dem Nordwall Fahrrad zu fahren, nehme er zwar ernst, doch das sei eine subjektive Wahrnehmung und kein Argument für eine sachliche Diskussion, so Traurig. Insgesamt sei das Thema von den Bürgern zu schnell verurteilt worden. Der Fraktionsvorsitzende spielt auch auf beleidigende Kommentare an, die ihn bei Facebook erreicht hätten: „Wenn das so weitergeht, müssen wir wirklich überlegen, ob wir uns noch einmal in den Rat wählen lassen.“

Auch Annemarie Fleuth, Vorsitzende der CDU, findet: „Wir haben nicht nach Gefühl oder Augenschein entschieden. Und die Planung war immer transparent, verständlich und nachvollziehbar.“

Michael Traurig sieht aber auch die Verwaltung in der Verantwortung: Man habe zu wenig kommuniziert, die Vorlagen seien oft nicht für jeden verständlich. „Außerdem sollte ein Thema wie der Wallumbau Chefsache im Rathaus sein. Das ist es offenbar nicht.“ Traurig hält für den größten Fehler, dass der Radweg nicht geteert, sondern gepflastert wurde und sich somit von der Fahrbahn der Autos abhebt. Hans-Hermann Terkatz von den Grünen sieht die fehlende und falsche Beschilderung als einen Punkt für die Verwirrung. „Da hätten wir früher reagieren müssen.“

Baudezernent Harald Purath sicherte zu, dass bei der Beschilderung nachgebessert werden soll. Auch Fahrrad-Piktogramme auf dem Boden soll es geben. Die Bürger schienen mit den Antworten nicht zufrieden: „Mit Hinblick auf die Sicherheit der Straelener Bürger finde ich es sehr schade, dass Sie das Thema so abbügeln“, sagte ein Zuhörer zu den Ratsmitgliedern.

Am Tag zuvor hatte es auch eine Begehung des Nordwalls gegeben. Zum Ortstermin trafen sich Vertreter der Stadtverwaltung mit fast einem Dutzend Mitgliedern des Beirats für Senioren und Menschen mit Behinderung, um die Straßenführung erneut zu erklären.

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