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Prozess um „Drogenküche“ in Wachtendonk wird bis in den März dauern.

Gutachter wird eingeschaltet : Prozess um „Drogenküche“ wird bis in den März dauern

Ein Sachverständiger ist vom Landgericht beauftragt worden, die Spielsucht des niederländischen Angeklagten zu begutachten.

Der Prozess um die Amphetaminküche in Wachtendonk wird wohl mindestens noch bis März dauern. Die Strafkammer am Klever Landgericht erklärte am Donnerstag, dass ein Sachverständiger beauftragt worden sei, der die Spielsucht des niederländischen Angeklagten bis dahin begutachten soll.

Denn zwei Wochen zuvor hatte der 40-jährige Niederländer vor Gericht erklärt, seine Roulettesucht und damit verbundene Schulden hätte ihn zu Einrichtung und Betrieb der Amphetaminküche in Wachtendonk getrieben. Verteidiger Thomas Pusch hatte erläutert, sein Mandant habe Schulden bei Menschen, „mit denen nicht gut Kirschen essen“ sei. Als diese auf die Rückzahlung der Schulden bestanden und der 40-Jährige nicht zahlen konnte, hätten die Kreditgeber ihn aufgrund seiner Vorerfahrungen in der Amphetaminherstellung zum Aufbau des Labors in Wachtendonk gedrängt.

Fünf weitere Personen müssen sich neben dem Niederländer in dem Verfahren vor dem Klever Landgericht verantworten, weil sie laut Staatsanwaltschaft zwischen Januar und April 2018 an der Produktion von mehr als 2000 Litern Amphetaminöl beteiligt gewesen sein sollen. Daraus lassen sich laut Anklage mehr als neun Tonnen der pulverförmigen Aufputschdroge herstellen. Bei einer großangelegten Razzia Ende April 2018 hatten Ermittler die hochprofessionelle Drogenküche auf dem Vierkanthof einer 54-jährigen Frau entdeckt.

Die Hofeigentümerin ist ebenfalls unter den Angeklagten. Dass sie frühzeitig über den Zweck der Anmietung eines Teiles ihres Hofes informiert worden sei und wöchentlich zwischen 1000 und 2000 Euro dafür erhielt – wie von dem niederländischen Angeklagten behauptet – dementierte die Frau am Donnerstag auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Jürgen Ruby. „Das hätte ich niemals zugelassen, weil meine Enkelkinder bei mir leben“, so die 54-Jährige.

Ein ebenfalls angeklagter Pole, der dem Labor als Transporteur gedient haben soll, wiederholte hingegen am Donnerstag, dass er nichts von dem Zweck seiner Lkw-Fahrten gewusst habe. Auch Chatverläufe seines Handys, welche die Staatsanwaltschaft ihm am Donnerstag vorhielt, haben laut dem 41-jährigen keinen kriminellen Hintergrund. Ob die Nachricht „Die Grünen sind da“, die im Chat des Angeklagten mit einem nicht näher benannten „Mariusz“ gefunden wurde, sich nicht etwa auf die Präsenz von Polizei auf der Route beziehen würde, wollte Staatsanwalt Ralf Trepmann von dem Angeklagten wissen. „Nein, es ging um einen Stau“, so der 41-Jährige über seine Dolmetscherin.

Der Prozess wird am Dienstag, 12. Februar, im Landgericht in Kleve fortgesetzt.