Prozess um die Drogenküche in Wachtendonk Vorwürfe „im Wesentlichen“ eingeräumt
WACHTENDONK/KLEVE · Im Prozess um die Drogenküche in Wachtendonk fand der zweite Verhandlungstag statt. Zwei Angeklagte, ein 27-jähriger Wachtendonker und dessen Mutter, äußerten sich zu den Abläufen auf dem Hof, auf dem das Rauschgift produziert wurde.
Fünf Männer und eine Frau müssen sich seit vergangener Woche wegen der Herstellung mehrerer Tonnen der Aufputschdroge Amphetamin vor dem Klever Landgericht verantworten (wir berichteten). Nachdem am ersten Verhandlungstag bereits einer der geständigen Angeklagten, ein 31-jähriger Mann aus Wachtendonk, umfassende Angaben zur Amphetaminküche gemacht hatte, folgten am gestrigen Montag weitere Einlassungen.
So erklärte ein 27-jähriger Wachtendonker – der Bruder des 31-Jährigen – ebenfalls im Drogenlabor auf dem mütterlichen Hof in Wachtendonk mitgewirkt zu haben. Allerdings, so der 27-Jährige, seien das nur „vier oder fünf Tage gewesen“. „An der Herstellung des Amphetaminöls bin ich nicht beteiligt gewesen. Ich habe nur bei der Entsorgung des Abfalls geholfen, zum Beispiel Kartons gereinigt, zerschnitten und in gelbe Säcke gesteckt“, so der 27-Jährige.
In den entsorgten Kartons mit chinesischer Beschriftung soll sich der Grundstoff „Apaan“ zur Herstellung des Amphetaminöls befunden haben, von dem in Wachtendonk mehr als 2000 Liter hergestellt worden sein sollen. Aus dem Öl lässt sich Amphetamin in Pulverform herstellen – laut Staatsanwaltschaft hätte die ermittelte Öl-Menge für mehr als neun Tonnen des Aufputschmittels gereicht.
Auch die Hofeigentümerin und Mutter der beiden mitangeklagten Brüder machte am Montag Angaben: Sie habe 2017 einen Teil des Vierkanthofs an einen „Jan Schmidt“ vermietet, der eigentlich anders heißt, aus den Niederlanden kommt und ebenfalls auf der Anklagebank sitzt. Dass dieser in den Räumlichkeiten des abgelegenen Hofes eine Drogenküche eingerichtet hatte, die dann ab 2018 auch maßgeblich von ihrem älteren Sohn mitbetrieben worden sein soll, habe sie aber erst einige Tage vor der großangelegten Razzia am 24. April erfahren. „Ich habe eine große Abneigung gegen Drogen und habe einen meiner Söhne schon mal selber bei der Polizei angezeigt, weil der mit Drogen zu tun hatte“, so die 54-Jährige.
Ein weiterer Angeklagter, ein 41-jähriger Lkw-Fahrer aus Polen, der die Zutaten für die Herstellung der Amphetamine geliefert haben soll, beteuerte am Montag, nichts von dem Zweck seiner Lieferungen gewusst zu haben. Ein „Mariusz“ habe ihm am Telefon die Aufträge erteilt, von Breslau aus sei der 41-Jährige dann mit den Lieferungen „drei oder vier Mal“ nach Wachtendonk gefahren. „Mariusz sagte mir, das seien irgendwelche Mittel zur Reinigung von Schwimmbädern“, so der Pole.
Die weiteren beiden Angeklagten – ein 21-jähriger Hofgehilfe und der 40-jährige Niederländer – ließen am Montag über ihre Verteidiger erklären, dass sie die Anklagevorwürfe grundsätzlich einräumen. Nähere Angaben wollen sie aber erst am nächsten Prozesstag machen: am Mittwoch um 10 Uhr in Saal A105 des Klever Landgerichtes.