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Prozess am Landgericht Kleve wegen Einbruchserie in Straelen.

Kriminalität im Gelderland : Einbruchsopfer: „Ich konnte wochenlang nicht schlafen“

Der Prozess am Landgericht Kleve gegen einen 31-Jährigen geht weiter. Der Angeklagte soll von Mai bis Oktober 2017 in viele Straelener Häuser eingestiegen sein.

13 vollendete und 13 versuchte Wohnungseinbruchdiebstähle wirft die Staatsanwaltschaft einem 31-jährigen Polen vor, der seit Montag vor dem Klever Landgericht steht (RP berichtete). Der Angeklagte soll die ihm vorgeworfenen Taten von Mai bis Oktober 2017 verübt haben – überwiegend in Straelen und überwiegend zusammen mit seinem gesondert verfolgten Bruder.

18 Zeugenaussagen standen am zweiten von vier geplanten Verhandlungsterminen auf dem Programm – darunter 14 Aussagen von Straelenern, bei denen im Tatzeitraum eingebrochen worden war. „Wir wohnen recht abgelegen. Die nächsten Häuser sind 30 oder 40 Meter entfernt“, sagte ein 43-jähriger Mann, der am frühen Morgen des 21. Mai 2017 Opfer eines Einbruchs geworden war.

Dass in die Doppelhaushälfte seiner Familie eingebrochen worden war, stellte er fest, als er mit seiner Frau gerade von einer Silberhochzeit in der Nachbarschaft zurückgekehrt war. Er brauchte nach Betreten seines Hauses nicht lange, um zu verstehen, was passiert war: Schubladen und Türen waren geöffnet, ein Wohnzimmerfenster beschädigt, Schränke ausgeräumt. „Es war offensichtlich, dass bei uns eingebrochen wurde“, sagte der Zeuge.

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Der Straelener rief die Polizei, die um 3.27 Uhr seine Anzeige aufnahm. Bargeld fehlte, Elektrogeräte – selbst die Spardosen aus den Zimmern seiner Kinder, die in dieser Nacht bei der Schwiegermutter schliefen. Der oder die Einbrecher hatten die Terrassentür seines Hauses aufgehebelt. Lange beschäftigte den Zeugen der Einbruch: „Ich habe monatelang nachts schlecht geschlafen. Wenn ich ein Geräusch gehört habe, bin ich mit der Taschenlampe durch das Haus gelaufen“, so der Zeuge.

Zwei weitere Taten aus derselben Nacht werden dem Angeklagten – der bei Prozessbeginn von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht hat – zur Last gelegt. Auch eine Rentnerin aus Straelen war gerade von der Silberhochzeit zurückgekehrt, als sie Einbruchsspuren in ihrem Haus feststellte: Ihr Wohnzimmerfenster stand offen, eine Vase auf der Fensterbank war zur Seite geräumt worden. „Da habe ich noch zu meinem Mann gesagt: Das waren aber nette Einbrecher“, erinnerte sich die 65-Jährige.

Doch der Schock saß tief: „Ich konnte wochenlang nicht schlafen. Die Sache hat mich mitgenommen. Dass jemand Fremdes im Haus war, in den Privaträumen, finde ich am schlimmsten“, so die Zeugin. Elektrogeräte, Bargeld und Schmuck wurden entwendet, darunter auch ihr Kommunionsring. „Ich war so stolz, dass er immer noch passte“, so die Zeugin. Wie so viele andere Zeugen, die vor Gericht aussagten, investierte die Frau nach dem Einbruch in Schutzmaßnahmen: Allein für eine speziell gesicherte Haustür zahlte sie 5000 Euro.

Insgesamt hatte die Polizei im Tatzeitraum 68 Einbrüche und Einbruchversuche in Straelen regi­striert, überwiegend in ländlichen Gebieten. „Bei der Auswahl der Tatorte handelte es sich in der Regel um freistehende Häuser. Die Tatorte wiesen in fast allen Fällen die gleiche Begehungsweise auf“, erklärte ein Kriminalbeamter am Mittwoch. In 26 Fällen konnten die Ermittler – vor allem mithilfe von DNA-Spuren – einen Bezug zum Angeklagten herstellen, so der Zeuge