Geldern: Probenstart für die Nibelungen im Einkaufszentrum

Geldern: Probenstart für die Nibelungen im Einkaufszentrum

Ulrich Greb, Intendant des Schlosstheaters, hat sich für seine neueste Inszenierung eines großen Stoffes angenommen.

Das Moerser Wallhall ist umgeben von Trendshop und Stoffladen, einem Reisebüro, einem Optiker und einigen Leerständen. Es befindet sich mitten im Wallzentrum. Wenn Ulrich Greb, Intendant des Schlosstheaters, durch die langen, mit viel Kunstlicht beleuchtete Passage schlendert, weiß er genau, wo er Götter, Zwerge, Riesen, Siegfried und Brunhilde in seiner Inszenierung "Der Ring. Rheingold im Königssee" aufeinandertreffen lässt. Seit vorgestern probt das Ensemble am Original-Schauplatz - und zwar bis zur Premiere am 23. Februar täglich. Greb ist schon ganz gespannt, wie Geschäftsleute und Passanten reagieren werden. "Wir haben hier ein großes Entgegenkommen erfahren. Die Geschäftsinhaber sind neugierig und haben Lust gezeigt, sich darauf einzulassen." Im Wallzentrum ein Stück zu inszenieren, habe ihn schon lange gereizt, sagt der Intendant des Schlosstheaters. "Es ist ein besonderer Ort, der irgendwie im Dornröschenschlaf liegt", findet er. Die Größe dieses Ortes brauche natürlich aber einen großen Stoff.

Den fand er im "Ring der Nibelungen", einem aus vier Teile bestehenden Opernzyklus von Richard Wagner nach dem mittelhochdeutschen "Nibelungenlied". Das Moerser Publikum muss jedoch keine Aufführungsdauer von 16 Stunden fürchten. Ulrich Greb greift für seine Inszenierung die Wagner-Motive auf und spiegelt sie auf unsere heutige Gesellschaft. "Bei den Nibelungen handelt es sich fast um ein Road Movie. Sie sind ja immer unterwegs: Xanten, Worms, Island und die große Reise zum Hunnenkönig Etzel." Und Götterchef Wotan versuche, mit Wallhall sein Staatsgebilde zusammenzuhalten und separatistischen Bewegungen zu trotzen. "Er erlebt Druck von innen wie von außen. Man könnte seine Götterburg mit anderen Dynastien, mit Großkonzernen, vielleicht sogar mit der EU vergleichen", sagt Greb und macht damit erste Anspielungen, wohin die Reise in seiner Inszenierung gehen könnte. "Das Establishment scheitert, und die große Frage ist: Was kommt danach?"

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Das Wallzentrum, das seinen Glanz als Konsumtempel längst verloren hat, steht sinnbildlich für Wallhall. Das wird auch an den Leerständen deutlich, die Greb für die Inszenierung zu nutzen weiß. Er will das Publikum auf eine Wanderung mitnehmen. Es geht vorbei an den Geschäften, erster Halt wird in einem größeren Leerstand sein. Die Wanderung führt jedoch nicht nur durch die Passage, sondern auch hinauf in die erste Etage. Der Innenhof wird ebenso zur Bühne wie die Räume der City-Tanzschule. Auf die Rheintöchter wird das Publikum an Parkdeck und Moersbach treffen - also auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ein Bürgerchor wird das Archaische und die Urkraft, Erdmutter und Nornen, erwecken. Für die Musik wurde Sounddesigner Achim Zepezauer engagiert. "Er wird diesen Ort zum Klingen bringen." Wissenschaftlich begleiten Experten der Uni Duisburg-Essen und das Siegfried-Museum in Xanten Greb. Zur Inszenierung sind mehrere Projekte geplant. Das "Nibelungenlied" soll als Beteiligungsprojekt gelesen werden. Schauspieler lesen das Original auf Mittelhochdeutsch.

"Der Ring. Rheingold im Königsee": Premiere am Freitag, 23. Februar, 19.30 Uhr im Wallzentrum. www.schlosstheater-moers.de

(RP)