Pflegeserie: Ein Blick in den Operationssaal

Pflegeserie von Rheinischer Post und St.-Clemens-Hospital : „Nicht nur die Tupferschwestern“

Im Operationssaal im St.-Clemens-Hospital dreht sich alles um den Patienten. Nicht nur die Ärzte geben ihr Bestes, sondern auch die Pflegekräfte für OP und Anästhesie. Ihr Job hat kaum noch etwas mit klassischer Pflege zu tun, sondern basiert vor allem auf Technik.

Wenn Petra Wellmanns und Andrea Trieschmann im Operationssaal stehen, dann ist jeder Handgriff klar, die Zuarbeit funktioniert ohne Ansagen. Ein „Schwester, Tupfer bitte“ hört man im St.-Clemens-Hospital in Geldern wohl kaum. Und auch die Arbeit des Pflegeteams hat nur wenig mit dem Klischee zu tun.

Die Arbeitsumgebung von Petra Wellmanns und Andrea Trieschmann sind die drei OP-Säle und ein dezentraler OP-Saal für Kaiserschnitte neben den Kreißsälen. Dort werden unfallchirurgische, orthopädische, gynäkologische und allgemeinmedizinische Operationen durchgeführt. Die 16 Angestellten des Teams kümmern sich um die OP-Pflege, zehn weitere sind für die Anästhesie zuständig.

„Vielen Leuten ist nicht bewusst, was alles hinter unserem Beruf steckt“, sagt Petra Wellmanns. „Wir sind nicht nur die Tupferschwestern.“ Wie viele ihrer Kollegen im Team hat sie eine zweijährige Fachweiterbildung absolviert. Andere haben eine Ausbildung als Operationstechnische Assistenten (OTA) abgeschlossen. Die Pflegekräfte stehen vor allem im Operationssaal, nur selten am Bett des Patienten. „Das Wort Pflege ist nur noch ein Bruchteil dessen, was wir machen“, sagt Wellmanns. „Die Bezeichnung OTA trifft den Beruf viel besser.“

Die Pflegekräfte sind die letzten Personen, die ein Patient vor der Operation sieht, und die ersten, wenn er wieder aufwacht. Die Kranken und Verletzten zu betreuen und ihnen die Angst zu nehmen, gehöre natürlich dazu, sagt Wellmanns. Ansonsten habe der Job in der OP-Pflege nicht allzu viel mit dem klassischen Bild von Pflege zu tun. „Es ist sehr technisch, wie ein Handwerk“, sagt Wellmanns. Schrauben, Platten und Bohrmaschinengehören zu den Arbeitswerkzeugen, ebenso wie Nahtmaterial, Nadeln und Netze.

Den OP-Saal und die Instrumente vorzubereiten ist eine weitere Aufgabe. Während der Operation sind die Pflegekräfte dann für alles zuständig, was um den Patienten herum passiert. Sie stellen die Instrumente und Materialien bereit, kümmern sich um Geräte und Hygiene, lagern die Patienten und kümmern sich um die Dokumentation.

Die Pflegekräfte arbeiten immer zu zweit im OP, eine Person ist steril und assistiert direkt dem operierenden Arzt. Mit im Raum ist auch immer eine Pflegekraft als Assistent des Anästhesiearztes. Herbert Weipert leitet dieses Team. Er und seine Mitarbeiter haben die Aufgabe, die Patienten auf die Operation vorzubereiten. „Wir stellen den Venenzugang sicher, erfassen und überwachen alle Lebenszeichen“, sagt Weipert. Auch das Schaffen eines sicheren Atemweges und der Anschluss an das Narkosegerät gehören dazu.

Die Anästhesie-Pflegekräfte arbeiten an der Seite des Arztes Sie sorgen mit dafür, dass der Patient während des Eingriffs schläft und keine Schmerzen hat. Aber noch mehr als das. „Während der Operation überwachen wir durchgehend die Vitalzeichen“, erklärt Weipert. „Und um Notfall greifen wir medikamentös oder händisch ein und unterstützen bei der Reanimation von Patienten.“

Auch nach der OP hört die Betreuung nicht auf. Herbert Weipert und seine Mitarbeiter begleiten die Patienten beim Aufwachen, bevor sie sie wieder an die zuständigen Stationen übergeben oder zur Intensivstation begleiten. „Der Kontakt zu den Patienten ist kurz, aber intensiv“, erzählt der pflegerische Leiter der Anästhesie und Intensivmedizin.

Vor allem bei Operationen, bei denen die Patienten nicht vollständig narkotisiert, sondern noch bei Bewusstsein sind, sei Fingerspitzengefühl bei den Pflegekräften gefragt. „Einige Patienten sind sehr emotional“, sagt Petra Wellmanns von der OP-Pflege. „Dann gehört es natürlich auch zu unseren Aufgaben, mit ihnen zu sprechen und sie zu beruhigen.“ Denn am Ende, da sind sich alle einig, steht immer der Mensch im Mittelpunkt.

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