Wallfahrtsrektor Gregor Kauling: Pfingsten - das unsichtbare Fest

Wallfahrtsrektor Gregor Kauling: Pfingsten - das unsichtbare Fest

Der Feiertag bietet die Gelegenheit, mal in sich zu gehen und nach den eigenen Talenten zu suchen.

Kann Pfingsten abgeschafft werden?

Gregor Kauling Ich glaube, mit Blick auf den Pfingstmontag ist das eine gefährliche Debatte, wenn man sich mit der Sorge trägt, dass der Staat an den zweiten Feiertag rangeht. Und das wäre ja auch sehr schade, dann hätten Sie kein frei mehr. Sicher ist, dass wir Pfingsten als geistliches Fest nicht abschaffen können, weil wir den Heiligen Geist, um den es an Pfingsten geht, nicht einfangen können. Er ist ja keine Erfindung des Menschen.

Wie erklären Sie den aufgeklärten Menschen den Heiligen Geist?

Kauling Ich glaube, das hat gar nicht so viel mit Aufklärung zu tun. Pfingsten ist ein unsichtbares Fest, im Gegensatz zu Weihnachten, da feiern wir die Geburt, Ostern steht für die Auferstehung. Es gibt nicht nur das Immanente in der Welt, also das Geschaffene, Sichtbare, es gibt auch das Intuitive, das sich nicht immer rational festmachen lässt oder nicht sofort sichtbar ist. Ein Beispiel ist der Sauerstoff, den ich nicht sehen kann, dessen Wirkung ich aber erlebe, weil er für mich als Mensch überlebenswichtig ist, weil ich ihn zum Atmen brauche.

Wie hängt das mit dem Heiligen Geist zusammen?

Kauling Der Geist wird in der Bibel mit vielen Bildern erklärt, zum Beispiel dem Wind. Im Hebräischen steht dort auch das Wort Atem. Man kann ihn nicht sehen, aber dessen Wirkung, wenn sich die Blätter am Baum bewegen.

Für den Heiligen Geist stehen der Wind, Flammen und die Taube. Was genau ist denn richtig?

Kauling Da gibt es kein richtig oder falsch. Die Bibel nennt Feuerflammen als sichtbares Zeichen für den Heiligen Geist. Das Feuer steht auch für Wärme und die Verbreitung. Die Taube ist auch ein Symbol des Bundes, der mit Noah schon geschlossen wurde und für den Frieden.

Ist der Festanlass zu Pfingsten nicht auch, dass es die Geburtsstunde der Kirche war?

Kauling Man kann das so sehen, dass das Pfingstereignis den Startschuss gegeben hat. In der Heiligen Schrift gibt es verschiedene Worte, die für die Kirche stehen. Eines setzt sich zusammen aus dem Griechischen Kyrios, das steht für "Herr", und der Silbe Ke, die eine proportionale Zuordnung ist. "Vom Herrn her" bedeutet das, also eine Kirche, die auf Jesus Christus gegründet ist. Als Jesus stirbt, gibt er schon den Auftrag, sich umeinander zu kümmern und sich an seine Worte zu erinnern. Nachdem Jesus auferstanden ist und zu seinem Vater in den Himmel geht (Christi Himmelfahrt), raufen sich die Jünger zusammen und spüren, dass Gottes Geist da ist. Die betende Gemeinde ist ein anderes Bild von Pfingsten.

Pfingsten ist ja ziemlich unstrittig in der Ökumene, katholische und evangelische Christen feiern das doch gleichermaßen, oder?

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Kauling Ja, das kann man so sagen. Es gibt wohl eine historisch unterschiedliche Sicht auf Pfingsten in der orthodoxen-östlichen Kirche zur westlichen. Die orthodoxe Kirche sagt, der Geist gehe vom Vater aus, die westliche Tradition sagt, er gehe von Vater und Sohn Jesus Christus aus.

Aber für einen Christen macht das keinen Unterschied in seinem Glauben, oder?

Kauling Nein, es kommt immer darauf an, wohin der Mensch betet, spricht er Gott direkt an oder Jesus oder den Vater. Menschen sind da sehr unterschiedlich.

Und der Geist ist aber Teil der Dreieinigkeit, also Gott.

Kauling Ja, wir Christen glauben, dass Gott in sich Lebensaustausch, Dialog und Beziehung ist. Das unterscheidet uns sicherlich von anderen Religionen, die das vom Gottesbild so nicht denken können. Das, was zwischen zwei Personen an Liebe und Austausch mitschwingt, können wir auch "Spirit", Geist, nennen. Manchmal be"geistert" uns halt jemand anderes, und dann springt etwas über an Lebendigkeit. Mit dem Geist ist es darüber hinaus ein bisschen wie bei dem Kinderspiel: "Ich sehe was, was Du nicht siehst". Man kann ihn nicht sehen, er ist Teil von Gott und da.

Was wünschen Sie sich zu Pfingsten, wie soll man den Tag optimal gestalten?

Kauling Wenn Christen zusammenkommen um zu beten, ist das eine gute Sache. Sie spüren dann auch, dass Gott mit ihnen ist. Ich bin immer noch beeindruckt vom Katholikentag in Münster. Das Motto war ja "Suche Frieden". Da ist soviel Gemeinschaft geschenkt worden. Kirche heißt ja auch Communio. Gezielt weiterhin dafür zu beten, das ist unser Auftrag. Darüber hinaus schenkt uns Gottes Geist von seinen Gaben, die erkenne ich daran, ob im Leben eines Menschen mehr Liebe, Güte, Freundlichkeit, Treue oder Sanftmut sichtbar werden.

Und auf der persönlicheren Ebene?

Kauling Im Katholischen ist die Firmung das private Pfingstfest im Leben eines Menschen. Es geht darum, was an Talenten in die Wiege gelegt wurde, zur Entfaltung zu bringen. Vielleicht ist Pfingsten ein guter Anlass, dazu "inspiriert" zu werden, seine Talente zu entdecken.

DIE FRAGEN STELLTE BIANCA MOKWA.

(RP)
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