Pastoralreferent Frank Ingendae zu Maria 2.0

Kirche vor Ort : Ich als Mann finde Maria 2.0 gut, weil ...

Am Samstag findet eine Aktion vor der Kirche St. Martin Wankum statt. Frauen protestieren gegen Missstände.

Die Frauen, die zu einem Protestgottesdienst in unmittelbare Nähe zum Kirchenraum und zum Gottesdienstgeschehen aufrufen, können nur Frauen sein, die die Kirche lieben. Sonst wäre es ihnen egal und sie würden einen anderen Ort und eine andere Zeit aufsuchen – oder einfach gehen. Nein, die Bewegung Maria 2.0 ist nicht weg von der Kirche – sie ist mittendrin. Sie will nicht spalten, sie will integrieren.

Nur wenn ich Menschen wirklich liebe, halte ich es nicht mehr aus, meine Kritik und mein Verletzungen ihnen gegenüber zu benennen. Weil nur die Liebe erkennt, dass die Wut und der Schmerz die klagende Kehrseite in einer liebenden Beziehung sind.

Und nun wollen Frauen in St. Marien Wachtendonk – Wankum- Herongen parallel zur Vorabendmesse in St. Martin am Samstag um 18.30 Uhr vor der Tür einen Wortgottesdienst feiern. Meine Frage als Pastoralreferent ist: Dient das der Einheit für uns als Gemeinde, zur Zugehörigkeit der Gemeinschaft der Kirche? Nach langem Überlegen bin ich zu der Antwort gekommen: Ja. Ja, denn es zeigt in der Tat, was schon längst innerhalb der Kirche geschehen ist. In dem die Kirchenleitung immer wieder die Botschaft Jesu in alte Schläuche füllt, hat sie sich und einige wenige von der Glaubenswelt der großen Schar der Gläubigen abgespalten.

In der Ausgestaltung der christlichen Gemeinden und des Gottesdienstes so wissen wir, sind theologisch Frauen und Männer gleichberechtigt. Gerade die Wertschätzung den Frauen gegenüber, ist vielleicht damals eine Stärke. Paulus muss sich schon verbiegen, um dies in seinen Briefen nach außen relativierend, irgendwie für die Männerwelt zu rechtfertigen. Jedes Jahr aufs Neue hören wir die verkürzte Form seines Aufrufes an die Frauen, still im Gottesdienst zu sein.

Im Amt der Äbtissinnen (mit Stab und Mitra und Pektorale ausgestattet) hat sich aber bewahrt, dass das Amt selbst ein Leitungs- und Dienstamt aus der Mitte der Gemeinde und seinen Aufgaben heraus ist, und keine Privilegierung durch bestimmte persönliche Klassifikation wie zum Beispiel die des Mannseins.

Immer wieder spüre ich in der Seelsorge Situationen, die pastoral eher was für Frauen wären. Dann tut mir die Gemeinde leid, dass wir im Seelsorgeteam in Wachtendonk – Wankum –Herongen keine Frau haben. Gleichzeitig bin ich froh, so viele engagierte Frauen in der Gemeinde zu haben, die mit viel Mühe, Vernunft und Glauben Kirche mitgestalten und so auch mitleiten.

In unserer Zeit fällt es wie ein reifer Apfel vom Stamm: Frauen gehören in das Dienstpriesteramt. Denn ob zur Feier der Eucharistie oder zur pastoralen Leitung einer Gemeinde oder zur Verwaltung der Güter der Kirche: Hier zählt der Glaube, die Integrität der Person und eine gute Ausbildung. Das wäre unsere Tradition für einen Dienst in der Kirche, wie es immer gewesen ist. Die Behauptung „Jesus hat keine Frauen als Priesterinnen gewollt“, macht mir mehr Unbehagen als die Forderung nach dem Frauenpriestertum.

Leider kann ich terminlich nicht am Samstag, werde aber im Gebet bei den Frauen sein und hoffe zutiefst noch zu erleben, dass die Weihe zu Diakonen und Priesteramt für sie offen ist. Ich glaube, dass ist sogar noch wichtiger als die Aufhebung des Pflichtzölibats.

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