Pastor Heinz-Josef Sürgers von St. Maria Magdalena

St. Maria Magdalena Geldern : Pfarrer Sürgers’ verdienter Ruhestand

Bei der Ehrenamtsfeier am Montag von St. Maria Magdalena Geldern wird der Geistliche verabschiedet, aus gesundheitlichen Gründen. Der Kevelaerer erklärt authentisch, was passiert, wenn der Glaube auf den Ernstfall trifft.

Die Tür geht auf, der Besuch kommt rein. „Ich bleibe sitzen“, sagt Gastgeber Heinz-Josef Sürgers beinahe entschuldigend. Statt auf einem Stuhl sitzt er im Rollstuhl. Am Montag wird der emeritierte Pfarrer, der in St. Maria Magdalena Dienst getan hat, verabschiedet.

Eigentlich gibt es so etwas wie „in Rente gehen“ für Priester nicht. Auch wenn sie emeritiert sind, bleiben sie aktiv, springen für Kollegen ein. Das hat auch Sürgers zehn Jahre in Geldern getan, außerdem für St. Antonius in Kevelaer und im Umland von Goch. In letzter Zeit nicht mehr. Statt im ehemaligen Wohnhaus seiner Eltern auf der Hauptstraße in Kevelaer wohnt er im Kevelaerer St.-Elisabeth-Stift. Kurzzeitig war er im Haus Golten, davor im Krankenhaus. Parkinson lautet die Diagnose. „Es ist mit dem Laufen in den vergangenen Jahre immer schlechter geworden“, sagt der Pastor. Das hatte auch Auswirkungen auf den Gottesdienst. „Die Gemeinde hat den Atem angehalten, wenn ich die Stufen herunter stolperte“, sagt Sürgers ohne Anflug von Bitterkeit. Es klingt eher sachlich.

Was macht das mit dem persönlichen Glauben, wenn plötzlich alles anders ist? Sürgers überlegt kurz und wählt seine Antwort mit Bedacht. „Priester, die altersmäßig bedingt Parkinson haben oder dement werden, haben ebenso mit dem Glauben zu kämpfen wie andere Christen. Es geht um den Ernstfall des Glaubens.“ Was er dann sagt, hat Gewicht. „Der Tod hat denn auch etwas Versöhnliches. Er intensiviert den Glauben und lässt einen zuversichtlich dem Ende entgegengehen.“

In seinem Leben als Geistlicher, vor vier Jahren feierte er sein Goldenes Priesterjubiläum, ist Sürgers vielen Menschen begegnet, die krank waren. Über sein aktuelles Erleben sagt er: „Du wirst unmittelbar und authentisch belastet. Das ist anders als der Trost, den wir zu geben haben.“ Wer tröstet ihn denn, den Pastor, der so vielen in seinem Leben schon Trost gespendet hat? Er schaut nach rechts. Auf einem Stuhl hat Doris Fuhrmann Platz genommen. Beide sind seit vielen Jahren befreundet. Sie kennen sich aus der Zeit, als Sürgers Pastor in Duisburg-Hochheide war. „Gute Menschen und der Glaube, der im Ernstfall gefordert ist“, lautet Sürgers’ Antwort auf die Frage nach Trost.

In das Zimmer im St.-Elisabeth-Stift haben einige Erinnerungsstücke Einzug gehalten, unter anderem eine Madonna. „Die hat eine eigene Geschichte“, sagt der Geistliche. „Ein junges Ehepaar, bei dessen Trauung ich in Davos assistieren durfte, hat sie mir geschenkt“, sagt Sürgers. Nach dem Tod der Eltern dieses Paares stand die Frage im Raum, was mit der Statue geschehen sollte. „Ich habe befürchtet, da kommt Kitsch auf mich zu“, sagt Sürgers. War aber nicht so. Er schaut sich die Marien-Statue immer noch gerne an. Das blaue Bild, das neben seinem Bett hängt, „ist ein Abschiedsgeschenk einer Schweizer Nachbarin“. Kurz darauf verstarb die Nachbarin, plötzlich. Der Titel des Bildes: „Das Tor zum Leben“. Na, das passe doch. „Eben“, sagt Sürgers sehr sachlich. Er redet über Verluste, zum Beispiel, dass er zeitlebens einen Hund an seiner Seite hatte, zuletzt Airedale-Terrier-Hündin Indi. Sie starb vor drei Jahren. Wegen seiner Krankheit wurde kein neuer Hund Sürgers’ treuer Begleiter.

Am Montag, beim Fest der Ehrenamtlichen der Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena, wird ihm für seine Arbeit gedankt, es wird auch eine Art Abschied. „Ich werde versuchen da zu sein“, sagt der 80-Jährige. „Und man könnte abschließend sagen, dass ich mich hier wohlfühle.“ Obwohl das Leben den Ernstfall probt und den Glauben herausfordert.

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